Zentrale der „Associated Press“ in New York
In der ersten Kategorie Einkaufszentren und Bürogebäude ging Platz 1 an das Projekt der Zentrale der „Associated Press“ in New York des Architekturbüros TPG Architecture. (Quelle: Eric Laignel)

Veranstaltungen

08. June 2022 | Teilen auf:

XII. Grand Prix Casalgrande Padana: Im Austausch mit der Welt des Bauens

Der Architekturpreis Grand Prix ist für den Fliesenhersteller Casalgrande Padana eine wichtige Brücke in die Welt des Bauens. Die ausgezeichneten Projekte unterstreichen die technische Performanz und das kreative Potenzial der Keramik, aber auch die neue formale und farbliche Freiheit für Fliesen im Objekt.

Die Preisverleihungen fanden am 27. Mai 2022 im Mailänder Museum und Ausstellungszentrum (MUDEC) im Beisein zahlreicher Teilnehmer statt. Das Museum beschäftigt sich mit der interdisziplinären Erforschung der Weltkulturen und bot einen angemessenen Rahmen in Form seiner Ausstattung und Innenarchitektur, die die Handschrift des bekannten englischen Baumeisters David Chipperfield trägt. 

Der 1990 erstmals ausgerufene Architekturpreis Grand Prix Casalgrande Padana ist der älteste und mit 36.000 Euro höchstdotierte Architekturpreis, der von einem italienischen Fliesenhersteller ausgeschrieben wird. Über die Zusammensetzung der Jury des Wettbewerbs, der alle drei Jahre verliehen wird, hatten wir bereits berichtet.

Das „Experimenta Science Centre“ in Heilbronn schaffte es auf den zweiten Platz in der Kategorie Einkaufszentren und Bürogebäude. (Quelle: Nicolò Lanfranchi)

Architektur und Bauen: „Bitte keinen Geiz“

Gründer und Präsident der Casalgrande Padana, Franco Manfredini, begrüßte die Teilnehmer und führte in die Veranstaltung ein. Manfredini erinnerte an die über 30-jährige Geschichte des Wettbewerbs. Die hierbei eingereichten und begutachteten 1.800 Werke von 1.300 Projektplanern machten den Grand Prix auch zu einer Art „Observatorium des architektonischen Schaffens“ und seiner Verwendung von Feinsteinzeug. Zum XII. Grand Prix bewarben sich insgesamt 170 fertiggestellte Projekte aus dem Zeitraum vom 2019 bis 2021. Das zweite Impulsreferat des Chefredakteurs der Zeitschrift Casa Bella Francesco Dal Co lieferte einen Überblick der langen Zusammenarbeit mit der Casalgrande Padana, skizzierte Beobachtungen zum gegenwärtigen Architekturschaffen und mündete in der Erkenntnis, dass Architektur vor allem eins nicht sein sollte: nämlich „geizig“.

Grand Prix: Vier Kategorien – viele Trends

Der Grand Prix setzt sich aus den vier Kategorien Einkaufszentren und Bürogebäude, Öffentlicher Bau, Industrie- und Dienstleistungseinrichtungen, Wohngebäude sowie Fassadenverkleidungen, Bodenbeläge in Außenbereichen und Schwimmbäder zusammen.

Die in diesem Jahr gewürdigten Projekten spiegeln auch die aktuellen Trends und Entwicklungen im keramischen Schaffen wieder und zeigen Anwendungen in großen Formaten, kleineren Abmessungen sowie einen anregenden Einsatz von farblichen Akzenten.

Kategorie Einkaufszentren und Bürogebäude

„Associated Press“: Ein Narrativ aus Schwarz und Weiß

In der ersten Kategorie Einkaufszentren und Bürogebäude ging Platz 1 an das Projekt der Zentrale der „Associated Press“ in New York des Architekturbüros TPG Architecture. Die in Weiß und Schwarz gehaltenen Bodenfliesen schaffen im Zusammenspiel mit den ebenfalls hellen und dunklen Wand- und Deckenflächen ein chromatisches „Narrativ“, das den Raum linear und klar gliedert und die hier tätigen journalistischen Mitarbeiter in einer Umgebung umfängt, die farbig bedrucktem Zeitungspapier und damit auch ihrem Metier entspricht, so die Begründung der Jury.

Deutsches Projekt gewürdigt

Man musste sich in den vergangenen Jahren etwas gedulden, um wieder ein deutsches Objekt im Rahmen dieses Wettbewerbs vorstellen zu können. In diesem Jahr schaffte es das „Experimenta Science Centre“ in Heilbronn erfreulicherweise auf den zweiten Platz dieser Kategorie des Grand Prix. Auch gestalterisch vermag das Projekt des Büros Sauerbruch Hutton aus Berlin außergwöhnliche Akzente zu setzen. Hiermit sind die Fliesen in einem fünfeckigen Format gemeint, die in der Eingangshalle in grauen Abstufungen verlegt wurden. Das durchaus ungewöhnliche Format erforderte auch besondere Leistungen seitens der liefernden Casalgrande Padana, die die Produkte werkseitig mittels Wasserstrahltechnologie zuschneiden ließ. Die gewählte Abmessung ist dabei mehr als Spielerei, weil die Fünfeckfliesen auf die Form des gesamten Baukörpers verweisen, der auf einem ebenfalls pentagonalen Grundriss errichtet ist.

Auch das drittplatzierte Objekt weist eine besondere Form auf, deren Linienführung durch keramische Elemente harmonisch begleitet wird. Es handelt sich hierbei um die römische Zentrale des pharmazeutischen Unternehmens Angelini. Die komplexe Geometrie des in hellen Farben gehaltenen Baus erfährt nach den Worten der Experten durch die präzise gearbeiteten und montierten Fassadenelemente aus Feinsteinzeug eine „optisch ansprechende Aufwertung“.

Kleinformate: Vintage-Look und Pastell-Töne

In der speziellen Erwähnung der ersten Kategorie kamen in der Markthalle im finnischen Oulu auch Keramikfliesen in kleineren Formaten zu ihrem Recht. In der Gestaltung von Weikko Kotila des Architekturbüros Laatio Architects schaffen die schachbrettartig verlegten Fliesen im Zusammenspiel mit den historisch wirkenden Stahlträgern der Deckenkonstruktion einen originellen, nostalgischen Rahmen für das kulinarische Angebot des Marktes.

Kategorie Öffentlicher Bau

Bunte Keramik schult die Sinne

Einen ähnlichen Effekt erzielt auch der neue Keramikboden bei dem Gewinner der zweiten Kategorie („Öffentlicher Bau“): der Szent Gellèrt Schule im ungarischen Budapest. Die Fliesen in neutralen und ausgesuchten Pastelltönen fügen sich in den historischen Bau ein und dienen hier als Orientierungshilfe für die Schüler. Die Farben der Sitzmöbel nehmen die Farbtöne der Fliesen auf und schaffen eine ganzheitliche Gestaltung, mit der der Designer Csilla Kutlik vom Büro Árkád-Terv das Auge der jungen Nutzer sensibilisieren will.

Auf den zweiten Platz kam ein Ladendesign von Simon Barazin und Jonathan Canetti von Jonathan Canetti Architecture & Design: die Buza Ice Cream Gallery in Tel Aviv. Der Einsatz von Keramik auf allen Oberflächen der Eisdiele forme eine einhüllende, exakte architektonische Hülle, die zusammen mit dem gewählten Grünton eine fast abstrakte Ruhe schaffe, die sich mit der städtischen Umgebung vermische, so die Jury.


Auch beim Drittplatzierten, dem Projekt „Aga Khan University“ im pakistanischen Karachi, setzen Keramikfliesen originelle Akzente. Diesmal in Form von Bodenfeldern, die die Tradition handgeknüpfter Teppiche neu interpretieren.

Kategorie Wohnungsbau

Wohnobjekte: Natürliche Farben und bündige Gestaltungen

Die ausgezeichneten Projekte in der dritten Kategorie – Wohnungsbau – waren zumeist im oberen Qualitätssegment verortet. Der erste Preis ging an einen Swimmingpool mit angeschlossener Villa in der ländlichen Umgebung von Catania nach einem Entwurf des Büros Studio Cantone Ortoleva. Die keramische Poolumrandung setzt sich hierbei bis in das Becken weiter fort und besteht aus Feinsteinzeug im Farbton Terracotta. Die natürlich wirkende Farbe– seit einigen Jahren auch häufiger in den Kollektionen der Cersaie zu sehen – harmoniert mit der Landschaft um die in einem verbrannten Orange-Ton gehaltenen Mauer der Villa. Die weiteren ausgezeichneten Objekte finden sich überwiegend in europäischen Zentrallagen und verbinden modern wirkende Bodenbeläge mit farblich abgestimmten Wandverkleidungen in sehr großen Formaten und in Grafiken wie zum Beispiel Travertin, die einen Sortimentszugang jüngeren Datums nahelegen.

Kategorie Fassaden und Schwimmbäder

Fassadenpreise: Viel fürs Auge und verborgene Technik

In der vierten Kategorie – Fassaden und Schwimmbäder – ließ sich die Expertengruppe von den Fassaden des Architekten Alfonso Femia (erster Platz) überzeugen. Der italienische Baumeister verkleidete die Gebäude mehrerer Projekte mit dem Material „Diamante“ – das vorher als „Boa“ firmierte – und an Bossen erinnert. Über das Material berichteten wir bereits hier. Ähnlich skulpturale Züge lassen sich bei dem „UAE Pavillon“ in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten beobachten. Die geschwungene Dachkonstruktion wurde hier mit dem Material „Fractile“ mit Reliefoberfläche, die Casalgrande Padana vor einigen Jahren mit dem Architekten Daniel Libeskind entwickelte, verkleidet. Die Idee war der Jury eine lobende Erwähnung wert. Nach diesen beiden Ausflügen ins Außergewöhnliche und sogar Experimentelle holten die Zweit- und Drittplatzierten dieser Kategorie den Wettbewerb in einer sanften Landung wieder auf den Boden der keramischen Tatsachen zurück: Dem Schwimmbad „Centre Aquatique Aqua N&S“ (2. Platz) von Philippe Deprick bescheinigte die Jury ein „ausgesuchtes ästhetisches Niveau“, während das Museum für Tongefäße „The Spitfire Gallery“ im britischen Stoke-on-Trent (dritter Platz) durch seine monochrome Fassade zu überzeugen wusste, deren „präzise und monolithische Geometrie“ die formal einfach wirkende Gebäudehülle unterstützt, in Wirklichkeit aber „komplexe Lösungen und Ausführungen“ erforderte, die dem Auge gänzlich verborgen bleiben.

XIII. Architekturpreis: Ausschreibung hat begonnen

Der XII. Grand Prix fand in schwierigen Zeiten im Mailänder MUDEC einen gelungenen Abschluss. Gleichzeitig erfolgte die Auslobung des XIII. Grand Prix, dessen Stichtag für die Einsendung von fertiggestellten Projekten der 31. Dezember 2024 ist.

Im Frühjahr 2025 erfolgt dann die Prämierung der Gewinner.

Die Gewinner des XII. Grand Prix Casalgrande Padana

zuletzt editiert am 15.06.2022