Leserbrief Mit Interesse habe ich in der F+P Fliesen und Platten Ausgabe 11/2021 (S. 9, Anm. d. Red.) von der Auflösung des VDF-Bundesverbands des deutschen Fliesenfachhandels gelesen. Da ich zu den wenigen gehöre, die die Entwicklung des VDF über das gesamte 40-jährige Bestehen der Keramikbranche begleitet haben, erlaube ich mir einen Kommentar zu dem Artikel. Dieter Schäfer, Vorstand Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG
Ja, es ist richtig. Die Interessensvertretung VDF hat keine Daseinsberechtigung mehr, weil sich die Mitgliedsunternehmen zunehmend unverstanden fühlten, abgewandert sind und sich in anderen Handelsfachgruppen organisiert haben. Überraschend kam das jedoch nicht. Als deutsche Fliesenproduzenten, die im Verband BKF organisiert sind, haben wir diesen Schritt aus folgenden Gründen bedauerlicherweise kommen sehen:
Der VDF hat sich in den letzten 15 Jahren – das führt uns auch die vorliegende Veröffentlichung wieder vor – vermehrt zu einem Freundeskreis der italienischen und spanischen Hersteller entwickelt und die deutschen Anbieter zunehmend vernachlässigt. Die jährlichen Treffen mit den internationalen Verbänden waren in der Tat immer hochkarätig besetzt und es wurden gemeinsame Projekte angestoßen und gefördert sowie freundliche Beziehungen geknüpft. Aber am Ende gab es den Großhandel als Verlierer, und mit ihm die deutschen Fliesenproduzenten.
Damit wir uns richtig verstehen, ich bin ein großer Bewunderer der italienischen und spanischen Fliesenindustrie, die es mit einer guten Produktentwicklung und mit innovativen Ideen geschafft hat, eine weltweite Marktbedeutung zu erzielen. Eine Entwicklung, die deutsche Fliesenanbieter als eingeschworene loyale Partner des Großhandels leider nicht genommen haben. Ein Rückblick auf unseren Heimatmarkt und die Zeit der 50er- bis 70er-/80er-Jahre erklärt, warum.
Damals haben deutsche Fliesenhersteller und Mitglieder des VDF eine konsequente vertriebliche Ausrichtung auf den traditionellen Fachgroßhandel in Deutschland beschlossen: selbstverständlich in eigener Entscheidung, selbstverständlich auch zum eigenen Nutzen. Dagegen haben die italienischen und spanischen Keramikanbieter von Anfang an auch die zweite vertikale Vertriebsschiene bedient. War das ein Fehler der deutschen Keramikhersteller, Teile eines wachsenden Marktes vernachlässigt zu haben? Das ist wahrscheinlich Stoff für einen anderen Artikel, denn nicht umsonst generiert unser Verband BKF rund 70 Prozent seines Gesamtumsatzes in Deutschland. Fakt ist, dass die deutsche Industrie diese Art der Zusammenarbeit und Kooperation mit dem Großhandel bis heute unverändert pflegt. Man erkennt es an der Arbeit unserer Mitarbeiter im Außendienst, an der täglichen Vorarbeit für unsere Partner im Markt, in Bezug auf Bemusterung, Objektvorarbeit und an vielem mehr.
Dass der Vorsitzende des ehemaligen VDF darauf hinweist, auf der Cersaie und Cevisama weitere Gespräche führen zu wollen, um die Idee des Freundeskreises auf unveränderter Basis weiterzutragen, dokumentiert, wie wenig auch der neue „Club“ es sich zur Aufgabe machen wird, die heimische Fliesenindustrie in einer fruchtbaren internationalen Kooperation zu vertreten.
Fazit: Dass der Freundeskreis Fliese das Wort „deutsche“ in der neuen Namensgebung nicht mehr führt, erweist sich, gemessen an den Verlautbarungen, als folgerichtig. Der „Club“ will die produktive und marktbezogene Arbeit der letzten Jahre unverändert fortführen. Grundsätzlich ist die Kooperation mit den italienischen und spanischen Verbänden absolut kein falscher Ansatz, denn deutsche Hersteller können und wollen den Markt gar nicht alleine bedienen – wenn das in der Vergangenheit nicht bedeutet hätte, dass die Interessen der deutschen keramischen Industrie gar nicht vertreten wurden. Und genau hier zeigt sich, wie vorhersehbar die Verbandsauflösung des VDF tatsächlich war. Aus der kooperativen und kommunikativen Zusammenarbeit der 70er- und 80er-Jahre ist in den letzten 15 Jahren einfach wenig übriggeblieben.
Ich hoffe, dass mein Beitrag nicht verstanden wird nach dem Motto: „Kauft deutsche Bananen“. Es muss, bezogen auf die Arbeit des VDF, einfach einmal gesagt werden, dass den deutschen Fliesenherstellern die extrem starke internationale Förderung und Hinwendung zu den südeuropäischen Produktionsnachbarn per Saldo wenig genutzt hat. Sicherlich sind eigene Fehler gemacht worden und sicherlich haben die Italiener und Spanier auch extrem positive Fertigungs- und Vertriebsstrukturen aufgebaut. Trotzdem sehe ich Branchentreffen und die Förderung freundschaftlicher Beziehungen als kontraproduktiv an, die ausschließlich eine internationale Ausrichtung haben. Vor allem mit Blick auf die jahrzehntelange gemeinsame Aufbereitung des Keramikmarktes Deutschland.
