Blick von oben auf die Produktionshalle, in der Mitarbeiter an großen Tischen sitzen und Mosaike legen. Quelle: Sicis
Sicis fertigt an seinem Sitz in Ravenna künstlerische Mosaikverkleidungen in Handarbeit. Quelle: Sicis

Industrie

28. June 2021 | Teilen auf:

„Ich habe es satt!“: Sicis erkämpft sich Urheberrecht in China

Der italienische Hersteller von Mosaikverkleidungen Sicis wehrte sich seit Jahren gegen Produktkopien eines chinesischen Wettbewerbers. Dann hatte es Sicis-Chef Maurizio Placuzzi „satt“. Jetzt gab das chinesische Gericht den Italienern auch in zweiter Instanz Recht, verdonnerte das beklagte Unternehmen zu einer Rekordstrafe – und stellt es an den „digitalen Pranger“.

Das Rechtsverfahren zwischen Sicis und dem Wettbewerber Rose Mosaic sowie dessen Handelspartner Pebble in Beijing begann bereits 2018. Den Italienern zufolge hatte Rose Mosaic nicht nur Produkte und ganze Kataloge kopiert, sondern auch Abbildungen des Sicis-Showrooms in Shanghai zu Werbezwecken in den eigenen Account des sozialen Netzwerks WeChat gestellt.

Über 100 Rechtsverstöße – 10 Urteile

Dem ersten Verfahren vor dem Bezirksgericht Beijing war eine einjährige Phase vorausgegangen, in der das belastende Material gegen die chinesischen Unternehmen zusammengetragen wurde. Diese hatten nach Aussage einer Pressemitteilung von Sicis in über 100 Fällen gegen chinesisches Recht verstoßen. Der Umfang der Beschuldigungen machte es notwendig, den Prozess in zehn einzelne Verfahren zu unterteilen, für die jeweils ein eigenes Urteil gesprochen wurde.

Das Gericht befand  im Jahr 2019 in erster Instanz, dass die chinesischen Unternehmen gegen das Recht verstoßen hatten.

Das chinesische Unternehmen Rose Mosaic (rechts) kopierte die Dekore der Italiener (links). Quelle: Sicis

Rekordstrafe verhängt

Das Berufungsverfahren vor dem Gericht in Guangdong kam jetzt zu demselben Ergebnis. Nach Berichten der italienischen Tageszeitung für Wirtschaft Il Sole 24 Ore wurde die beklagte Rose Mosaic zu einer Zahlung von einer Million Dollar an Sicis für die erlittenen Schäden verurteilt. Die Summe sei eine der höchsten, die jemals in China für Produktfälschungen im künstlerisch-kreativen Bereich verhängt wurde, so die Zeitung. Dem Unternehmen wurde verboten, die kopierten Mosaike beziehungsweise Dekore zu produzieren oder zu vertreiben. Kataloge mit Abbildungen, die auf Sicis-Produkte zurückzuführen sind, sind zu vernichten. Dies gilt auch für Abbildungen auf der Internetseite des Unternehmens und im Account auf der Plattform WeChat – der einflussreichsten in China –, deren Entfernung angeordnet wurde.

In den Kopien übernahm Rose Mosaic auch ganze Gestaltungen und Locations von Sicis. Quelle: Sicis

Schützenswerte Mosaike

Die Richter unterstrichen, dass Sicis in China sehr bekannt sei und sich hier großer Wertschätzung erfreue, dank seiner im Design und in der Verarbeitung einzigartigen Mosaike, die als künstlerische Produkte anzusehen sind, und „deshalb durch chinesische Gesetze geschützt werden müssen“.

„Tut uns leid“ – drei Jahre lang

In ihrer Forderung nach einer angemessenen Entschuldigung betteten die Richter das Verfahrensurteil in einen betont chinesischen Kultur-Kontext: So wurde Rose Mosaico dazu aufgefordert, sich zwölf Monate lang auf der Plattform WeChat zu entschuldigen. In den darauf folgenden 24 Monaten habe das Unternehmen in Titeln mit nationaler Verbreitung wie zum Beispiel China News und China Industry and Commere News sowie in lokalen Zeitungen in Beijing, Shanghai und Guangdong sein Bedauern kundzutun.

Sicis mit Sitz in Ravenna und einer Exportquote von 90 Prozent ist seit 1988 auf dem chinesischen Markt vertreten, so der Gründer und Chef des Unternehmens Maurizio Leo Placuzzi gegenüber der Zeitung Il Sole 24 Ore: Mit einem Sitz in Hongkong und einer Ausstellung in Shanghai. Ungefähr fünf Prozent seines Umsatzes in einer Höhe von rund 58 Millionen Euro (2019) erwirtschaftet Sicis (250 Beschäftigte) im Reich der Mitte. Man habe hier bisher hauptsächlich im Objektbereich gearbeitet. Fliesen und Platten berichtete kürzlich über die spektakulären Mosaikarbeiten im Shanghai-Tower. Im Jahr 2019 habe man zusätzlich einen Vertrag mit einem großen lokalen Händler unterzeichnet, um die Marktpräsenz des Labels auszubauen.

Für Sicis war dies nicht die erste „Schlacht“ um Urheberrechte: Streiten musste man auch schon vorher, etwa mit den Internet-Giganten — häufig in den USA, wo die gefälschten Produkte größtenteils vertrieben wurden, und wo man sich auch mit dem Handel „anlegte“.

Das geschilderte Verfahren war das erste, das man in China anstrengte, und Placuzzi hofft, hier ein Beispiel für viele andere kleinere Unternehmen sein zu können. Diese müssten sich zusammenschließen, um ihre Interessen zu verteidigen.

So wie Placuzzi selbst: Der schrieb an seinen Anwalt, man müsse es direkt in China versuchen: „Ich bin es satt. Ist mir egal, was es kostet.“

www.sicis.com