Korzilius ist insolvent. Diese Nachricht bewegt die Branche. Doch die Zahlungsunfähigkeit muss nicht das Ende des Fliesenherstellers sein: Insolvenzverwalter Jens Lieser sucht nach einer Fortführungslösung und führt schon erste Gespräche mit möglichen Investoren. Das erklärte er jetzt in einem Gespräch mit FLIESEN & PLATTEN. (Foto: Korzilius)
Aktualisierung vom 31.01.2013: Rettung gescheitert
Traurige Nachrichten aus dem Westerwald: Die Rettung des namhaften Fliesenherstellers Korzilius ist gescheitert, die Produktion wird eingestellt. Damit ist das Traditionsunternehmen endgültig insolvent. Die rund 140 Mitarbeiter sollen durch eine Transfergesellschaft aufgefangen werden.
Mitte Oktober 2012 zogen die polnischen Gesellschafter die Reißleine: Weil der Fliesenhersteller Korzilius vor allem im Ausland nicht die erhofften Gewinne erwirtschaften konnte, drehten sie den Geldhahn zu. Damit war der Traditionshersteller aus dem Westerwald zahlungsunfähig. Dass diese Insolvenz aber nicht das Ende von Korzilius ist, daran arbeitet der vorläufige Insolvenzverwalter Jens Lieser mit seinem Team. Motto: Sanierung statt Zerschlagung.
Im ersten Schritt sollen der Betrieb fortgeführt und die Kunden beliefert werden. Das sagte Lieser dem Südwestrundfunk (SWR) schon kurz nachdem er am 25. Oktober zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden ist. Dann müsse man schauen, wie man Korzilius neu positionieren kann. Jetzt der erste Hoffnungsschimmer: Wie Lieser am 30. Oktober gegenüber der Fachzeitschrift FLIESEN & PLATTEN mitteilte, führt er bereits Gespräche mit Interessenten für eine Übernahme des Traditionsherstellers. Dank dieser kurzfristig aufgenommenen Gespräche schätzt er die Chancen für eine Sanierung und Fortführung des Betriebs im Moment als gut ein. Für genauere Einschätzungen oder gar detaillierte Pläne sei es aber noch zu früh.
Hintergrund
Korzilius hat am 24. Oktober 2012 beim Amtsgericht Montabaur einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Am folgenden Tag hat das Insolvenzgericht den Koblenzer Rechtsanwalt Jens Lieser zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt. Weil die Gesellschafter nicht mehr bereit waren, eine Verlustfinanzierung hinzunehmen, sei der Gang zum Insolvenzgericht unvermeidbar gewesen, schreibt die Kanzlei Lieser in einer Pressemitteilung.
Betrieb läuft weiter
Von der Insolvenz sind laut Lieser am Produktionsstandort Mogendorf im Westerwald 150 Mitarbeiter betroffen. Ihre Löhne und Gehälter seien bis Ende September bezahlt worden, durch das Insolvenzgeld seien sie bis zum Jahresende gesichert. Laut seiner Pressemitteilung vom 25. Oktober will Lieser bei der Bundesagentur für Arbeit eine Insolvenzgeldvorfinanzierung beantragen. Produktion, Geschäftsbetrieb und der Vertrieb durch den Außendienst laufen trotz Insolvenz uneingeschränkt weiter.
Probleme schon in der Vergangenheit
In der Vergangenheit geriet das Traditionsunternehmen bereits mehrfach in unruhiges Fahrwasser: So mussten beispielsweise zum Jahreswechsel 2004/2005 aufgrund der damals angespannten Situation Restrukturierungsmaßnahmen unter anderem in Form einer Teilstilllegung der Betriebseinrichtungen ergriffen werden, die zu einer Kündigung von 65 der damals 225 Mitarbeiter führte. Begleitet wurden diese Maßnahmen mit der Installation eines externen Interimsmanagers, der als Mitglied und Sprecher der Geschäftsführung fungierte. Guido Engelbrecht blieb für rund ein Jahr in dieser Funktion, bis er nach erfolgreicher Bilanz der von ihm eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen seine Position innerhalb des Unternehmens planmäßig abgab. Anfang 2006 übernahm Dieter Klärner gemeinsam mit Stefan Korzilius die Geschäftsführung, aus der Klärner im Herbst 2007 ausschied.
Erste Insolvenz 2008
Anfang Januar 2008 musste Korzilius einen Insolvenz-Antrag stellen. Aus dem Kreis der fünf Interessenten für eine Übernahme erhielt die polnische Tubadzin-Gruppe den Zuschlag, woraufhin zum 1. April 2008 die neue Korzilius-Gesellschaft entstand, deren Geschäftsleitung Dieter Klärner übernahm. Die Tubadzin-Gruppe, hinter der sich die beiden Besitzer Andrzej Wodzynski und Barbara Kazmierska verbargen, investierte am Standort Mogendorf eine siebenstellige Summe und reduzierte den Mitarbeiterstamm nicht, sondern baute ihn sogar aus: Waren es bei der Übernahme Anfang April 2009 zunächst 140 Angestellte, waren es bereits kurze Zeit später 150 Mitarbeiter.
Über Korzilius
Das Traditionsunternehmen Korzilius hatte 1846 mit der Herstellung von Tonkrügen begonnen und später Tongeschirr und Steinzeugröhren hergestellt. In den 50er Jahren konzentrierte man sich zunehmend auf die Herstellung von Qualitätsfliesen. Korzillius stellt die Fliesen ausschließlich am Produktionsstandort Mogendorf im Westerwald her und bietet das gesamte Spektrum von Fliesen im Innen- und Außenbereich an, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Korzilius beliefert den deutschen und angrenzenden europäischen Markt mit seinen Qualitätsfliesen.
Die besondere Qualität der Korzilius-Fliese liege in ihrer speziellen Produktionsmethode: die Fliese wird extrudiert. Dies bedeutet, dass die Fliese durch ein besonderes Verfahren plastisch geformt wird. Diese besondere Herstellungsmethode ermöglicht individuelle Fliesenformen, wie Rundungen und Ecken, scheibt der Insolvenzverwalter. Heute zählt Korzilius im In- und Ausland zu den namhaften Herstellern von Qualitätsfliesen für Wohn- und Architekturkeramik.
Über die Kanzlei Lieser
Die Kanzlei ‚Lieser’ Rechtsbeistand, Rechtsanwälte, Fachanwälte mit Sitz in Koblenz gehört nach eigenen Angaben seit mehr als 40 Jahren zu den führenden Insolvenzspezialisten in Rheinland-Pfalz und ist u. a. an den Standorten Koblenz, Trier und Mainz vertreten. Bislang hat die Kanzlei mehr als 3.000 Insolvenzverfahren unterschiedlicher Größe aus allen Branchen betreut.
