Nach dem Erdbeben in Norditalien zieht der besonders schwer getroffene Fliesenhersteller Ceramica Sant´Agostino eine erste Schadensbilanz. Bei seinem Besuch in der Erdbebenregion machte zudem der italienische Regierungschef Mario Monti auf dem Werksgelände der Sant`Agostino Halt. (Foto: Looping/Sant´Agostino)
Der vom Erdbeben am 20. Mai 2012 (Sonntag) betroffene Fliesenhersteller Ceramica Sant´Agostino verfolgt nach eigener Aussage in diesen Tagen zwei Ziele: Erstens soll sichergestellt werden, dass die 350 Beschäftigten ihre Arbeit behalten und so schnell wie möglich wieder aufnehmen können. Zweitens will man die mit den Handelspartnern eingegangenen Verpflichtungen einhalten. Das betont das Unternehmen in einer Pressemitteilung.
Zwei Tage nach den Beben wurde eine erste Schadensbilanz vorgelegt: Von neun Werkshallen sind zwei zusammengestürzt. Zwei weitere Hallen weisen so starke Beschädigungen auf, dass ein Abriss nötig ist. Das im Jahr 2001 errichtete Hochregallager ist durch die Last des gelagerten Materials im Anschluss an das Beben zusammengebrochen.
Schwere Schäden
Die Höhe der Schäden ließe sich noch nicht genau beziffern, die Schäden seien aber sehr schwer. Die Produktionslinien in den intakten Hallen könnten, je nach Zustand und nach nötigen Reparatureingriffen, in Kürze wieder ihren Betrieb aufnehmen und etwa 50 Prozent des ursprünglichen Produktionsvolumens sicherstellen. Vor dem Beben belief sich die Fertigung auf ungefähr 23.000 Quadratmeter täglich.
Um die Produktionsausfälle möglichst gering zu halten, wird ein Teil der Fertigung in Werke im Raum Sassuolo verlegt. Diese gehören zur Gruppe Sant´Agostino. Hierzu würden auch digitale Dekoranlagen und Personal aus dem Stammwerk abgezogen und dort entsprechend eingesetzt. Dies war am Donnerstagabend zu erfahren.
Das Büro- und Verwaltungsgebäude wurde bereits am Mittwoch (23. Mai) wieder zum Betreten freigegeben. Am Donnerstag (24. Mai) haben etwa 70 Beschäftigte ihrer Arbeit wieder nachgehen können. Einige Lagerflächen und auch Produktionsbereiche sind wieder freigegeben worden.
Regierungschef besucht Werksgelände

Am Dienstag besuchte der Italienische Regierungschef Mario Monti die Erdbebenregion und machte auch auf dem Werksgelände der Sant`Agostino Halt. Monti wurde vom Präsidenten des Unternehmens Dr. Ennio Manuzzi sowie dessen Bruder, dem Geschäftsführer des Herstellers, Mauro Manuzzi, begrüßt. Monti und Ennio Manuzzi sprachen „kurz und intensiv“ über die Lage nach dem Beben. Der Regierungschef brachte seine Solidarität mit dem Unternehmen und seinen Beschäftigten zum Ausdruck. Manuzzi erinnerte in seinen Worten an die Opfer des Bebens und deren Angehörige sowie an alle, die durch die Katastrophe direkt betroffen sind. Bei dem auch in Deutschland bekannten Fliesenhersteller Ceramica Sant´Agostino verloren zwei Mitarbeiter der Nachtschicht ihr Leben, als der Erdstoß mehrere Gebäude zerstörte.
Der zuständige Chef des Zivilschutzes machte bei dem Treffen Vorschläge zur Klärung der vielen technischen Fragen (Statik, Sicherheit usw.), um eine möglichst zügige Wiederaufnahme der Tätigkeit des Ceramica Sant`Agostino zu gewährleisten.
Auf die Frage eines Journalisten, wann mit einer Wiederinbetriebnahme zu rechnen sei, antwortete Dr. Ennio Manuzzi: „Wir sind bereits wieder in Betrieb. Sonntag war ein Tag der Trauer, aber seit Montagmorgen sind wir wieder in Betrieb. Wenn ich in die Gesichter meiner Mitarbeiter schaue, dann spüre ich ihren Wunsch weiterzumachen, das ist die beste Motivation“.