Das Erdbeben in Norditalien hat auch die dortigen Fliesenhersteller direkt getroffen. Beim auch in Deutschland bekannten Fliesenhersteller Ceramica Sant´Agostino verloren zwei Mitarbeiter der Nachtschicht ihr Leben, als der Erdstoß mehrere Gebäude zerstörte. (Archiv-Foto: Ceramica Sant´Agostino)
Am frühen Morgen des 20. Mai (Sonntag) wurde Norditalien von einem starken Erdbeben erschüttert. Die Stärke des Bebens erreichte einen Wert von 5,9 auf der Richterskala. Das Epizentrum lag knapp 40 Kilometer nördlich von Bologna nahe der Ortschaft Finale Emilia. Die Erschütterung fand in einer Tiefe von 6,3 Kilometern statt und verursachte vor allem im historischen Stadtkern schwere Schäden. Sieben Menschen starben, 47 wurden verletzt. Nachbeben von geringerer Intensität waren auch am Dienstag bis in den Abend zu spüren.
Der auch in Deutschland bekannte Fliesenhersteller Ceramica Sant´Agostino war von dem Beben direkt schwer betroffen. Mehrere Gebäude wurden beim ersten Erdstoß am Sonntagmorgen zerstört. Hierbei verloren zwei Mitarbeiter der Nachschicht das Leben. Das moderne Hochregal-Lager des Unternehmens wurde beschädigt. Das Unternehmen brachte am Montag in einer Pressemitteilung seine Trauer um die beiden getöteten Mitarbeiter zum Ausdruck. Als Familienunternehmen fühle man sich allen Mitarbeitern tief verbunden. Der Verlust von Leonardo Ansaloni und Nicola Cavicchi hinterlasse eine nicht zu füllende Leere.

Die Behörden und der Zivilschutz haben mit der Untersuchung der eingestürzten Gebäude und Gebäudeteile begonnen. Alle Anlagen und Bauten werden derzeit auf mögliche Schäden in der Statik untersucht. Die Prüfung würde nach Aussagen der Behörden zügig erfolgen. „Die Ceramica Sant`Agostino wird so schnell wie möglich die Produktion wieder aufnehmen“, so das Unternehmen.
Die unweit von Finale Emilia produzierende Panaria Group; im selben Industriegebiet sind noch weitere Fliesenhersteller ansässig; meldet in einer Pressemitteilung, dass das Erdbeben Öfen verschoben und Erdreichbewegungen ausgelöst hat. Auch hier könnten statische Untersuchungen notwendig werden. Eine Wiederaufnahme der Produktion sei in absehbarer Zeit möglich. Menschen kamen nicht zu Schaden.
Die fliesenherstellenden Unternehmen in Sassuolo sind nach Aussage der Confindustria Ceramica von dem Beben nicht in ihrer Funktionstüchtigkeit beeinträchtigt worden.
Für die Unternehmen in den betroffenen Provinzen Modena, Bologna und Ferrara ist der Schaden schon jetzt sehr hoch. In den Betrieben der gewerblichen Industrie und der Landwirtschaft werden diese auf mehrere 100 Mio. Euro geschätzt. Nach Pressemeldungen mussten 70 Prozent der Unternehmen rund um Modena nach Beschädigungen durch das Erdbeben oder wegen hierdurch notwendig gewordener Kontrollen den Betrieb einstellen.
Die Zahl der Menschen, die ihre beschädigten oder einsturzgefährdeten Häuser verlassen mussten, wurde Dienstagabend mit 6.000 angegeben. Diese werden in provisorischen Unterkünften untergebracht oder wohnen vorübergehend bei Verwandten. Das schlechte Wetter und niedrige Temperaturen vor allem nachts erschweren die Arbeiten zur Bewältigung der Naturkatastrophe.
In einer neuen Pressemitteilung hat der Fliesenhersteller Ceramica Sant´Agostino mittlerweile Details zu den Beschädigungen im Werk genannt. Unser Italienkorrespondent Uwe Leppert hat die entsprechenden Mitteilungen für uns zusammengefasst und übersetzt. Den Bericht haben wir unten für Sie verlinkt.
Erbeben in Italien: Erste Schadensbilanz der Ceramica Sant´Agostino