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„Mein Ausbildungsplatz ist sicher“, sagen 94 Prozent der Befragten. (Abb.: WorldSkills Germany)

2020-09-08T00:00:00Z Auszubildende schauen positiv in die Zukunft

Während die Wirtschaft Kopf steht, hat sie bisher keiner gefragt: Wie geht es eigentlich den Auszubildenden in der aktuellen Situation? WorldSkills Germany hat rund 500 Auszubildenden die Frage gestellt: „Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf dein aktuelles und/oder zukünftiges Berufsleben?“ Die Ergebnisse sind überraschend. (Abb.: WorldSkills Germany)

Während Unternehmen mit Prämienprogrammen unterstützt werden, ihre Auszubildenden zu halten, haben die Betroffenen kaum Sorge, ihren Ausbildungsplatz zu verlieren: 94 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Ausbildungsvertrag weiterhin sicher ist. Lediglich 6 Prozent befürchten, dass ihr Vertrag wieder aufgelöst wird, haben von konkreten Plänen erfahren, dass der Vertrag aufgelöst werden soll oder haben bereits eine Aufhebung ihres Vertrages erlebt. Allerdings ist es gesetzlich auch nicht ganz leicht, Auszubildenden zu kündigen. „Wäre es nicht so kompliziert, Azubis zu kündigen, hätte man vermutlich längst eine Kündigungswelle“, schreibt ein/e Umfrage-Teilnehmer/in.

Betreuung im Betrieb: Größtenteils zufrieden

Mit der momentanen Betreuung durch den Ausbildungsbetrieb sind 77 Prozent zufrieden. Sie fühlen sich genauso gut oder sogar besser betreut im Vergleich zu der Zeit vor der Corona-Krise. 22 Prozent hingegen fühlen sich weniger gut betreut und führen dies unter anderem auf den fehlenden Kontakt zu Ausbildern und Kollegen aufgrund von Homeoffice oder Kurzarbeit zurück.

Berufsschulen engagieren sich zu wenig

Bei der Betreuung durch die Berufsschulen sieht es etwas anders aus: 52 Prozent der Auszubildenden fühlen sich weniger gut betreut. Mangel an Kommunikation mit dem Lehrpersonal oder der Schule, zu wenig Lernstoff und auch zu wenig Wissensvermittlung online sind hier die Gründe. 47 Prozent der Teilnehmer schätzen die Betreuung weiterhin als gut oder sogar besser eingeschätzt. Sie gaben zum Beispiel an, dass der Online-Unterricht gut funktioniert und ziehen diesen teilweise dem Präsenzunterricht vor. „Ich finde, dass Online-Schule die Zukunft ist, auch wenn noch viel an der Infrastruktur des deutschen Netzes gearbeitet werden muss, damit sowas bundesweit und langfristig funktioniert“, gibt ein/e Auszubildende/r als Rückmeldung.

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Gut betreut von ihrem Ausbildungsbetrieb fühlen sich 71 Prozent.

Wie stehen die Übernahmechancen?

Wie die Auszubildenden ihre Chance auf eine Übernahme einschätzen, hängt vom Ausbildungsjahrgang ab. Während die Auszubildenden des ersten und zweiten Lehrjahres ihre Chancen mit 65 und 62 Prozent noch genauso groß sehen, sind dies bei den Auszubildenden im dritten Ausbildungsjahr nur 40 Prozent. 37 Prozent hingegen schätzen ihre Chancen auf Übernahme momentan als schlechter ein. Auch zwischen den einzelnen Berufen gibt es größere Unterschiede. Im Berufssegment „Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik“ schätzen 76 Prozent der Auszubildenden ihre Chancen genauso groß oder besser ein.

An ihrer Einschätzung der Zukunftsaussichten hat sich für 64 Prozent nichts verändert. 18 Prozent blicken sogar zuversichtlicher in ihre berufliche Zukunft.

Hygienevorschriften und Schulausfall nerven

Als am meisten einschränkend werden aktuell die Hygienevorschriften wahrgenommen. Auch der Ausfall von Berufsschule, Prüfungen und der wenige Unterricht werden angeführt. Die weniger umfassende Betreuung im Betrieb und der geringere Kontakt zu Kollegen ist ebenfalls ein Thema.

Macht die Politik es richtig?

Einige bewerteten den Umgang der Politik mit der aktuellen Situation und auch die ergriffenen Maßnahmen als positiv. Häufig als negativ genannt wurde die nicht ausreichende Hilfe für Schulen und Schüler: Es sollte mehr Geld in Bildung und Ausbildung investiert werden. Außerdem seien die Politiker zu weit weg von den Auszubildenden.

Aus den Rückmeldungen hat WorldSkills Germany Vorschläge der Auszubildenden zusammengestellt, mit denen sich die Politik näher beschäftigen sollte. „Die Umfrage zeigt, dass junge Menschen nicht nur eine Meinung haben, sondern sich auch aktiv mit konstruktivem Feedback einbringen möchten“, resümiert Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills Gemany. „Unternehmen, Bildungseinrichtungen und auch die Politik sollten diese Motivation nutzen und Ideen der Auszubildenden in ihre Entscheidungen einbeziehen. Schließlich motivieren sie damit die jungen Menschen. Denn die Nachwuchskräfte sind es, die dafür sorgen, dass Deutschland auch in Zukunft stark bleibt.“

An der Umfrage haben 475 Auszubildende und 43 Schüler teilgenommen.

www.worldskillsgermany.com

zuletzt editiert am 16. März 2021
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