Felix Pakleppa
Der Hauptgeschäftsführer des ZDB, Felix Pakleppa, möchte, dass HBCD-haltige Dämmstoffe nicht mehr als gefährlicher Abfall eingestuft werden. (Foto: ZDB)

2016-12-06T00:00:00Z ZDB: „Abfallverzeichnis-Verordnung muss geändert werden“

Seit dem 1. Oktober 2016 werden Polystyrol-Dämmstoffe, die mehr als ein Gramm pro Kilogramm des Flammschutzmittels HBCD (Hexabromcyclododekan) enthalten, von der Abfallverzeichnis-Verordnung als „gefährlicher Abfall“ eingestuft. Diese Einstufung führt zu erheblichen Entsorgungsengpässen in der Bauwirtschaft. (Foto: ZDB)

„Die Abfallverzeichnis-Verordnung muss dringend geändert werden, damit Dämmstoffe, die das Flammschutzmittel HBCD enthalten, nicht länger als gefährlicher Abfall eingestuft werden“, hat der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), Felix Pakleppa, gefordert. Zum einen gäbe es einen Entsorgungsengpass, da die thermische Verwertung, die noch bis Ende September problemlos und umweltgerecht möglich war, durch die Müllverbrennungsanlagen nicht mehr realisiert werden könne. Durch die Einstufung als gefährlicher Abfall seien zudem die Entsorgungskosten für HBCD-haltige Dämmstoffe exorbitant gestiegen: Kostete die Entsorgung bislang zirka 200 Euro pro Tonne, so beliefen sich die Entsorgungskosten aufgrund der Neueinstufung nun auf bis zu 7.000 Euro pro Tonne, so der ZDB.

Sowohl Engpass als auch Kosten stellten die Unternehmen der Bauwirtschaft aber auch die Auftraggeber vor große praktische und finanzielle Schwierigkeiten. „Insbesondere die Gebäudesanierung kommt ins Stocken. Denn die Unternehmen wissen nicht, wie sie ausgebautes Dämmmaterial wieder loswerden. Das kann nicht im Sinn des Klimaschutzes sein“, sagte Pakleppa.

Dass ein anderer Weg möglich ist, zeigt sich in Österreich: Das dortige Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft hat in einem Erlass bestätigt, dass in Österreich HBCD-haltiges Styropor auch zukünftig als nicht gefährlicher Abfall einzustufen ist. Es darf weiterhin in Müllverbrennungsanlagen für nicht gefährliche Abfälle verbrannt werden.

„Vor diesem Hintergrund fordern wir die Umweltminister von Bund und Ländern auf, dem Vorbild Österreichs zu folgen und die Abfallverzeichnis-Verordnung entsprechend zu ändern, damit HBCD-haltige Dämmstoffe zukünftig nicht mehr als gefährlicher Abfall eingestuft werden. Nur so können der drängende Entsorgungsnotstand, die zu beobachtende Kostenexplosion sowie die gravierenden Probleme der bauausführenden Unternehmen und der Bauherren effizient gelöst werden“,so Pakleppa.

Auf www.fliesenundplatten.de findet derzeit eine Umfrage zum Thema HBCD statt. In der Umfrage werden alle Hersteller von Polystyrol-Produkten aus der Zulieferindustrie gebeten, ihre HBCD-freien Polystyrol-Produkte anzugeben.

www.zdb.de

zuletzt editiert am 11. März 2021
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