Eine Milliarde Euro weniger Auftragsvolumen als im letzten Jahr gab es im Juli im Wirtschaftsbau – das entspricht einem Rückgang von 5,3 Prozent. Auch im öffentlichen Bau und im Wohnungsbau stiegen die Aufträge nur mäßig an, wie der Zentralverband Deutsches Baugewerbe meldet. (Foto: ZDB)
„Die neuesten Daten zur Entwicklung des Auftragseingangs am Bau sind alles andere als erfreulich. Insbesondere die Nachfrage im Wirtschaftsbau bleibt leider sehr verhalten. Wir sehen im Wirtschaftsbau den fünften Monat in Folge deutliche Auftragsrückgänge (-10,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Während es in den letzten Monaten besonders den Wirtschaftshochbau getroffen hat, halten sich nun auch die Auftraggeber im Wirtschaftstiefbau erkennbar mit Ordern zurück. Insgesamt liegen die Order im Wirtschaftsbau um gut eine Milliarde Euro unter dem Vorjahresniveau (-5,3 Prozent)“, kommentiert Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), die Daten des Statistischen Bundesamtes zur Konjunkturentwicklung im Bauhauptgewerbe zum Juli 2020. Diese beziehen sich auf Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten.
Wenig Anstieg im Wohnungsbau
Im Wohnungsbau stiegen die Auftragseingänge nur um zwei Prozent und im öffentlichen Bau um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. „Dank guter Witterung, hoher Auftragsbestände zum Jahresbeginn und ununterbrochener Bautätigkeit sind wir bisher vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen. Es zeigt sich aber, dass auch die Bauwirtschaft nicht unberührt von den Umsatzeinbußen bei Industrie und Dienstleistungen bleibt. Der Auftragsrückgang wird sich in den nächsten Monaten auch in der Umsatzentwicklung niederschlagen“, sagt Pakleppa.
Öffentliche Hand in der Pflicht
Pakleppa sieht eine Hauptaufgabe nun beim Bund, der seine Investitionen wie geplant aufrechterhalten müsse. Außerdem dürften Verwaltungsaufwendungen aus dem Transformationsprozess der Autobahn GmbH nicht zu Lasten der Investitionsbudgets gehen. Die Kommunen bräuchten zudem Finanzhilfen zum Ausgleich der coronabedingten Haushaltsbelastungen über das Jahr 2020 hinaus: „Nur dann sind sie auch zukünftig in der Lage, ausreichende zahlungsrelevante Maßnahmen umzusetzen, welche wiederum die Wirtschaft stärken. Ohne Planungssicherheit entsteht Unsicherheit, was in den Haushaltsplanungen ab 2021 dazu führen wird, dass insbesondere die Investitionstätigkeit zurückgefahren wird. Der Investitionsstau bei den Kommunen liegt seit Jahren bei knapp 150 Milliarden Euro. Hier muss dringend etwas getan werden“, so Pakleppa.
Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes konnten die Bauunternehmen im Juli das Umsatzniveau aus dem Vorjahr etwa halten. Während der Umsatz im Wohnungsbau dabei um gut fünf Prozent stieg, fiel er im Wirtschaftsbau um etwa drei Prozent und im öffentlichen Bau um 1,6 Prozent. Dank der steigenden Umsätze im ersten Quartal liegt der Umsatz im Bauhauptgewerbe insgesamt bei den Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten zu Juli noch bei gut sechs Prozent.
