Am achten Obergeschoss des Hochhauses an der Weberwiese in Berlin tritt die Verkleidung aus Keramikplatten und keramischen Schmuckelementen ringsum frei hervor. Darüber liegt die von einer Balustrade umgebene Dachterrasse mit einem laternenartigen Aufbau. (Fotos: Hannelore Schuster)

Objekt + Design 2016-01-27T00:00:00Z Wandplattenproduktion in Meißen

1855 wurde in Meißen ein Unternehmen gegründet mit dem Patent für die „Meißner Ofenkachel“. 1857 von Carl Teichert übernommen, gründete er 1863 die Meißner Ofenfabrik, in der ab 1891 auch Wandfliesen aus Steingut produziert wurden. Ab 1923 war es das einzige Werk in Deutschland, das frostbeständige Wandplatten in den Maßen 15 x 15 Zentimeter herstellte. (Fotos: Hannelore Schuster)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen verstaatlicht und firmierte unter dem Namen VEB Plattenwerk „Max Dietel“. 1949 wurde die Wandplattenproduktion wieder aufgenommen. Ein Jahr später erreichte die Produktion das Vorkriegsniveau von 1936. 1951 nahm das Unternehmen die Produktion von Baukeramik auf. Der erste Auftrag war die Fertigung von Platten für die Außenfront der Betriebsfachschule für Keramik in Hermsdorf/Thüringen.

Danach ging es um andere Größenordnungen. So lautete zunächst der Auftrag, rund 4.000 Quadratmeter Baukeramik für das Hochhaus an der Weberwiese in Berlin herzustellen. Für Repräsentationsbauten an der Stalinallee bekam das Unternehmen Baukeramik-Großaufträge in der fünffachen Menge: 200.000 Quadratmeter keramische Wandplatten und 150.000 laufende Meter anteilige Formstücke. In diesem Zusammenhang besuchte Architekt Professor Richard Paulick am 20. Januar 1952 die Plattenwerke.

Die Keramikplatten haben verschiedene Muster. Hier Beispiele für Fantasieblümchen und stilisierte Sonnenblumen

Nach der Demontage 1945 mussten 1952/53 umfangreiche Investitionen vorgenommen werden. Erforderlich. So sah der staatliche Beschluss vom 27. März 1952 eine komplette maschinelle Fertigungslinie für die Baukeramik-Wandplattenfertigung von der Aufbereitung bis zum Glattbrand-Tunnelofen vor. Es wurden Vakuumstrangpressen zur Formgebung der Baukeramik aufgestellt, weitere Tunnelöfen folgten. Die Investition belief sich auf 2,4 Millionen Mark.

In den Monaten April und Mai 1952 wurden die ersten 20.000 Quadratmeter der keramischen Wandplatten noch in manueller Produktion gefertigt. Der Großteil (180.000 Quadratmeter) konnte von Juni bis Oktober 1952 maschinell produziert werden.

In den folgenden Jahrzehnten rückte die Produktion von Wandfliesen in den Vordergrund. 1980 zählten die begehrten „blauen Fliesen“ aus Meißen in der DDR zum Synonym für frei konvertierbare Währungen. 1992 erfolgte die Privatisierung und Umfirmierung in Meissen Keramik GmbH.

Hochtrabende Pläne

Die Verkleidung von Gebäuden mit Keramik fand bei der Staatsführung der DDR Anklang. So sagte auf der 1955 abgehaltenen Baukonferenz Walter Ulbricht: „Wir sind der Meinung, daß die Großproduktion von Keramikplatten für die Verkleidung von Gebäuden in den Stadtzentren dazu beitragen wird, die architektonische Gestaltung wesentlich zu verschönern. Wir wollen helle freundliche Farben der Gebäude, was durch Verwendung von Keramikplatten erreicht werden kann. Voraussetzung dafür ist, daß in Meißen und anderen Betrieben die Produktion von typisierten Keramikelementen nach einem noch festzulegenden Katalog erhöht wird.“

Ein Jahr später wurde vermeldet: „Zur Verbesserung der bauphysikalischen Eigenschaften wird gegenwärtig an der Entwicklung dampfdurchlässiger Baukeramik mit matter Oberflächenwirkung im VEB Plattenwerk ‚Max Dietel‘ in Verbindung mit wissenschaftlichen Institutionen gearbeitet.“

Bald zeigte sich jedoch, dass diese hochtrabenden Pläne sich finanziell nicht realisieren ließen.

Quellen: Zeitschrift „Bildende Kunst“, Fachzeitschrift „Silikattechnik“ (Herausgeber Kammer der Technik), Heft 5/1955, Heft 9/1956

zuletzt editiert am 12. Juni 2025
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