Bis zum 28. Juni 2025 müssen viele Unternehmens-Webseiten barrierefrei sein. Doch bisher erreichen gerade einmal 6,5 Prozent der Internetpräsenzen in verschiedenen Branchen eine vollständige Barrierefreiheit. Tausenden Unternehmen droht daher die Abschaltung ihrer Websites.
Die niedrige Quote von 6,5 Prozent barrierefreier Websites hat eine aktuelle Untersuchung des Telefon- und Bürodienstleisters ebuero ergeben. Ab dem 28. Juni 2025 gilt die gesetzliche Verpflichtung zur Barrierefreiheit von Webseiten gemäß EU-Richtlinien und nationalen Vorgaben (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz). Diese Verpflichtung betrifft vor allem Unternehmen im B2C-Bereich, also Dienstleister mit Endkunden. Kleinunternehmen und B2B-Unternehmen sind in bestimmten Fällen von der Pflicht ausgenommen. Betroffene Unternehmen müssen zum Beispiel zu ihren Bildern ausreichend beschreibende Alternativtexte anbieten oder die Bedienbarkeit ihrer Webseite mit der Tastatur gewährleisten. Unternehmen, die diese neuen Anforderungen nicht erfüllen, riskieren ernste Konsequenzen. Marktüberwachungsbehörden können bei Verstößen zunächst zur Nachbesserung auffordern. Bei wiederholtem Ignorieren drohen jedoch Bußgelder in Höhe von mehreren tausend Euro oder sogar die Einstellung des elektronischen Geschäftsverkehrs.
Es bleibt viel zu tun
Trotz der insgesamt positiven Entwicklung besteht weiterhin Handlungsbedarf: Nur 29,96 Prozent der analysierten Webseiten erreichen eine hohe, aber keine vollständige Barrierefreiheit. Eine detaillierte Betrachtung der digitalen Barrierefreiheit zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Von 247 untersuchten Webseiten erreichten 90 Webseiten eine Bewertung von über 90 Punkten. 15 gehören zur Kategorie Universitäten, gefolgt von 14 aus dem Bereich Stadtverwaltung. Damit stellen diese beiden Branchen fast ein Drittel der Spitzenreiter dar. Auch der ÖPNV (elf Webseiten), Anwälte und Onlineshops (jeweils 13 Webseiten) erzielen bemerkenswerte Ergebnisse. Weniger überzeugend schneiden Apotheken (zwei Webseiten) und Bundesliga-Vereine (vier Webseiten) ab.
Deutliche Unterschiede in der Barrierefreiheit je Branche.
Die niedrigsten Bewertungen zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Apotheken-Webseiten liegen mit 55,56 Prozent an der Spitze der nicht barrierefreien Webseiten, gefolgt von E-Mail-Providern und Ärzten mit 44,44 Prozent beziehungsweise 33,33 Prozent. Immobilien-Webseiten sind mit nur 9,09 Prozent in der mittleren Bewertung vertreten, gefolgt von Anwälten, Universitäten und dem ÖPNV, die jeweils 13,33 Prozent erreichen.
Laura Keddi, VP Marketing und Customer Success der ebuero AG, betont, dass es bei der Einrichtung der Barrierefreiheit nicht nur um die Gesetzeskonformität geht: „Eine barrierefreie Website ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – für Menschen mit und ohne Einschränkungen. Sie schafft Zugang für alle, verbessert die Nutzerzufriedenheit und erweitert die Zielgruppe. Barrierefreiheit bedeutet Klarheit, Einfachheit und Inklusion – Werte, die jeden Kundenservice stärken. Wer barrierefrei denkt, denkt zukunftsorientiert: Denn eine Webseite, die für alle zugänglich ist, ist auch benutzerfreundlich, sichtbarer in Suchmaschinen und stärkt die Reputation. Kundenbindung beginnt dort, wo jeder willkommen ist – online und ohne Barrieren.“
