In diesem Jahr fand die Jahrestagung der Landesfachgruppe Fliesen und Platten Niedersachsen wieder einmal in Walsrode statt, allerdings erstmalig im Ringhotel Forellenhof.
Nachdem es früher schon Teil der Tradition war, die Tagung stets am Vogelpark in Walsrode auszutragen, gab es in den letzten Jahren andere Veranstaltungsorte wie etwa Melle im Jahr 2024. Nun also wieder Walsrode.
Gute Vorbereitung ist halbe Betriebsübergabe
Geboten bekamen die Teilnehmenden dort neben einer Fachausstellung mit zehn Unternehmen und einer Brauereiführung vor allem ein Fachprogramm, dass sich fast ausschließlich mit technischen Themen auseinandersetzte. Einzige Ausnahme bildete der Vortrag von Anneke Bongert zur Betriebsübergabe beziehungsweise -nachfolge. Die Betriebsberaterin der Handwerkskammer Hannover machte deutlich, dass der Schlüssel zu einer erfolgreichen Betriebsnachfolge nicht im Vertragstext liege, sondern in frühzeitiger Planung, einer sauberen Rollenklärung und realistischen finanziellen Erwartungen. Vor allem der Planungszeitraum, der sich über drei bis sieben Jahre erstrecken sollte, werde oft unterschätzt. Bongert betonte, dass Übergaben häufig an einem ungeklärten Rollenverständnis scheitern, weil der Altinhaber die Autorität des Nachfolgers untergräbt. Außerdem machte sie die Anwesenden auf die Nachfolgeberatung der Handwerkskammer Hannover aufmerksam, die als Serviceleistung für beide Parteien einen Nachfolgeplan erstellt und den Übergabeprozess begleitet. Einen ausführlichen Bericht zur Betriebsübergabe gibt es in Ausgabe 4/2026 der F+P Fliesen und Platten.

Diskussionen, Emotionen
Für viele Diskussionen und große Emotionen sorgte der Vortrag von Michael Driesner, der sich mit Asbest in der betrieblichen Praxis beschäftigte. Dabei beleuchtete er Schadensfälle, Arbeitssicherheit und rechtliche Rahmenbedingungen im Bestand sowie aktuelle Normenentwicklungen (insbesondere DIN 18534) und Schnittstellen im Fliesengewerk. Vor dem Hintergrund einer Marktverschiebung vom Neubau in den Bestand und einer neuen Landesbauordnung betonte er die Pflichten zur Schadstoff-Beprobung, Gefährdungsbeurteilungen je Gewerk und die praktische Relevanz von Asbest.
Reparieren ist nachhaltig
Über Oberflächeninstandsetzung und Reparatursysteme informierte Heinrich Huber, Geschäftsführer der Artus Oberflächeninstandsetzung GmbH. Seit über 20 Jahren arbeitet das Unternehmen als Instandsetzungsdienstleister beim Kunden vor Ort. Huber erläuterte, dass Artus dabei unterschiedlichste Oberflächen wie Pulverbeschichtungen, Keramik oder Natursteine bearbeite. Bei keramischen Fliesen entstünden die meisten Schäden – insbesondere Kantenabplatzungen – während des Einbaus. Bedingt durch die Härte des Materials führe ein Aneinanderstoßen zu kleinen Absplitterungen an den Kanten, die sich allerdings in der Regel sofort und nahezu „unsichtbar“ instand setzen lassen.

Trocknungsverhalten von Estrichen
In einem viel beachteten Vortrag äußerte sich Dr. Norbert Arnold zum aktuellen Kenntnisstand hinsichtlich des Trocknungsverhaltens von Zementestrichen. Dabei räumte er mit einigen Missverständnissen auf: So ist beispielsweise nicht die Wassermenge, sondern der Wasserdampfdruck schadensträchtig. Auch machte er deutlich, dass anders als bei Parkettlegern nicht die Feuchtigkeit an sich für den Fliesenleger hinsichtlich der Belegreife problematisch ist. Vielmehr sind es die Spannungen. Dr. Arnold wies auch darauf hin, dass Feuchtigkeit sich immer im Bindemittel befinde und unter anderem der W/Z-wert entscheidenden Einfluss auf die Belegreife habe: Während ein magerer Estrich bereits nach fünf Tagen belegreif sein kann, dauert es bei einem „fetten“ Estrich durchaus mehr als 100 Tage.
Schadensfälle in der Diskussion
Umrahmt wurde das Vortragsprogramm durch „Mangel oder nicht?“, eine Anleihe von den Sachverständigentagen in Fulda. Dabei werden aktuelle Schadensfälle präsentiert und ihre Bewertung durch die anwesenden Fachleute abgefragt. Der Vorstellung von Fragen und Ergebnissen nahmen sich Stefan Rehberg und Markus Ramrath an.
Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es in Heft 3/26 von F+P Fliesen und Platten.