Eine moderne Gebäudefassade mit klaren Linien und großen Fenstern.
Der Ascot-Hauptsitz in Solignano di Castelvetro. Das Unternehmen wurde 2020 von der Victoria Group übernommen. (Quelle: Victoria Group)

Industrie 2025-04-02T22:00:00Z Victoria Group Plc: Neuer Geschäftsführer für Italien

Der britische Hersteller von Bodenbelägen Victoria Group ernennt für Italien einen neuen Geschäftsführer. Nach einem stark rückläufigen Jahr 2024 stehen die Zeichen in der Fliesen-Division der Gruppe auf Effizienzsteigerung und Integration der Werke. Auch die Fertigung in der Türkei soll gesteigert werden.

Der neue Geschäftsführer der Victoria Ceramics Italy (VCI) heißt Francisco Carvajal. Der Spanier bringe mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Keramikbranche und der Finanzwelt mit in sein neues Aufgabengebiet, so die Victoria Group in einer Pressemitteilung. Er bekleidete Schlüsselpositionen in bekannten Unternehmen und war zuletzt General-Direktor der zur spanischen Lamosa Gruppe gehörenden Roca Tiles. 

Fliesen machen, wo es passt: Francisco Carvajal steuert die Handelsparte der italienischen Victoria geschäftsführend. (Quelle: Victoria Group)

Die VCI entwickelt, fertigt und vertreibt Produkte der Marken Ascot, Vallelunga und Capri in eigenen Werken und Logistik im Raum Sassuolo für den Fliesenhandel. 

Transformation und neue Strukturen 

Sein „solider Lebenslauf“ beinhalte führende Funktionen in mehreren „strategischen Transformationsprozessen“ innerhalb der Keramikbranche, die durch eine zeitweise betriebene Tätigkeit als Finanzberater ergänzt werden, während der er sich schwerpunktmäßig mit Übernahmen und finanziellen Umstrukturierungen beschäftigt habe. 

Mit der Neubesetzung verfolge die Victoria einen Ausbau ihrer Position in der Herstellung von Fliesen in Italien. „Es handelt sich hier um einen Wechsel, der darauf abzielt, unser Team in Italien zu verstärken, um so die Umsetzung unserer strategischen Pläne zu beschleunigen“, so José Luis Llacuna, Chef der Keramikdivision der Victoria. 

Die Victoria Plc mit Sitz im britischen Worcester entstand 1895 als Teppichhersteller, erwirtschaftet mittlerweile jedoch knapp 28 Prozent ihres Umsatzes mit Keramikfliesen. 

Führung durch alle Szenarien 

„Wir sind davon überzeugt, dass Carvajals Fähigkeiten uns dabei helfen werden, unser Unternehmen in den kommenden Jahren und in allen denkbaren Umständen und Szenarien mit Erfolg zu führen,“ so Llacuna weiter. 

Mit seiner Ernennung schließe die Victoria ihre Neuorganisation auf dem italienischen Markt ab und schafft zwei Divisionen: Mit der VCI einen Kanal für den Handel unter der Führung von Francisco Carvajal und einen zweiten für den Geschäftsbereich DIY (Baumärkte) unter der Verantwortung von Mauro Cavazzoli, Chef der beiden Fliesenhersteller Keradom und Serra. 

Herausforderungen durch Verluste 

Der Vorstand für das operative Geschäft der Victoria, Geoff Wilding, beschrieb im Geschäftsbericht 2024 die Bedingungen des Fliesengeschäfts im Vereinigten Königreich und in Europa als „herausfordernd“: Die Produktion in den Werken der Gruppe sei 2024 um 19 Prozent von 53,9 Millionen Quadratmeter im Jahr 2023 auf 43,6 Millionen Quadratmeter eingebrochen. Der Umsatz gab um 22,6 Prozent von umgerechnet 541,7 Millionen Euro (2023) auf 419,3 Millionen Euro im Jahr 2024 nach. 

Die Gruppe erklärt den Rückgang mit einer ausgeprägten Kaufzurückhaltung nach den Covid-Jahren und der Entscheidung des Unternehmens, das eigene Preisniveau nicht dem Post-Pandemie-Wettbewerb zu opfern, was auf Kosten der Absatz-Volumina und Ergebnisse ging. Verschärft wurde dies durch das aggressive Auftreten indischer Hersteller, deren Produkte in den USA mittlerweile mit Zöllen zwischen 408 und 828 Prozent belegt worden sind. 

Die Victoria-Gruppe kündigte aus diesem Grund bereits im Geschäftsbericht 2024 an, auch in Italien die Fliesenproduktion effizienter auszurichten: Bei der Produktion von Fliesen und Formaten soll sichergestellt werden, dass die Produktion am jeweils besten hierfür geeigneten Standort erfolgt. Der Neuzugang Francisco Carvajal ist sicherlich auch vor diesem Hintergrund zu sehen. 

Ein modernes Innenraumdesign mit einer eleganten Garderobe, Pflanzen und geometrischen Mustern an der Wand.
Die Kollektion „Deep Wood“ von Ascot (Quelle: Victoria Group)

Türkei: mal rein, mal raus 

Ebenso kündigt die Gruppe eine Erhöhung der „Produktion“ in der Türkei an. Gemeint ist hier sicherlich eine Aufstockung des Einkaufs von dem Graniser Fliesenwerk in Izmir. Die Victoria hatte den Standort 2021 erworben, um ihn im Dezember 2024 an Hasan Akgün, den Gründer des Bau- und Logistik-Konglomerats Akgün Group mit 5.000 Beschäftigten an 17 Standorten, zu veräußern. Nach Informationen der italienischen Plattform Ceramic Worldwide Net war der Verkauf von einer Abmachung begleitet, die die Abnahme von Keramikfliesen seitens der Victoria von Graniser vorsieht. Der Deal sei ein Gewinn für beide Seiten gewesen, weil die Briten auf diese Weise ihre Profitabilität verbessern konnten und Akgün für seine Produkte Zugang zu den Märkten der Victoria bekommt. 

Wachstum durch Übernahmen 

Die Keramikdivision der Victoria wuchs seit 2017 durch Übernahmen in Spanien und Italien. Im Jahr 2020 wurde die italienische Ascot der Gruppe einverleibt, worüber Fliesen und Platten berichtete.  

Profitable Fliesen 

Die Victoria Group entwickelt und fertigt Teppiche, Keramikfliesen, Vinylbeläge, Kunstrasen und Produkte für die Verlegung. Gut 50 Prozent des Jahresumsatzes von umgerechnet mehr als 1,5 (2023: 1,75) Milliarden Euro entfielen 2024 auf weiche Bodenbeläge. Keramikfliesen generierten knapp 28 Prozent der Erlöse und steuerten mit fast 39 Prozent einen überdurchschnittlichen Anteil zum Betriebsgewinn („Operating Profit“) bei. Der Anteil der weichen Bodenbeläge erreicht hier einen Wert von 42,3 Prozent. Knapp 80 Prozent des Jahresumsatzes erwirtschaftet die britische Gruppe im eigenen Land und Europa. Der australische Markt steuert 8,5 Prozent und der US-amerikanische 13 Prozent hierzu bei. Die Gruppe beschäftigt 6.300 Mitarbeiter an weltweit 30 Sandorten im Vereinigten Königreich, Europa, Türkei, USA und Australien. In Deutschland gehört der Hersteller von Garnen für Kunstrasen Schramm mit Sitz in Rahden seit 2022 zur Victoria Group.

zuletzt editiert am 02. April 2025