Tarifverhandlungen für den Bau sind vertagt
Wie die Lage auf den Baustellen aussieht, beurteilen Arbeitgeber und Gewerkschaften unterschiedlich. (Foto: Pixabay)

2020-05-26T00:00:00Z Tarifverhandlungen für den Bau sind vertagt

Für die rund 850.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe hat die erste Tarifverhandlungsrunde kein Ergebnis gebracht. Deswegen sind die Tarifverhandlungen auf eine zweite Runde am 4. Juni 2020 vertagt worden. (Foto: Pixabay)

Die erste Verhandlungsrunde konnte aufgrund der Coronakrise erst jetzt stattfinden und hat keine Annäherung der Standpunkte gebracht. Die IG Bau fordert 6,8 Prozent mehr Einkommen für die Beschäftigten, mindestens jedoch 230 Euro als soziale Komponente. Ein Knackpunkt der Verhandlungen war die Forderung der Gewerkschaft nach einer Entschädigung für Wegezeiten, also den Fahrten vom Betrieb oder der Sammelstelle zur Baustelle und zurück.

„Hier steht uns noch eine intensive Überzeugungsarbeit bevor, obwohl es selbstverständlich ist, dass diese Fahrten fremdnützig und damit vergütungspflichtig sind“, sagt IG Bau-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführer Carsten Burckhard.

Unterschiedliche Auffassungen gab es auch darüber, wie stark die Coronakrise die Bauwirtschaft beeinträchtigt. Die Arbeitgeberseite geht von Umsatzrückgängen aus, während die IG Bau keinen Anlass dazu sieht. „Die Bauwirtschaft ist wirtschaftlich in einer anderen Verfassung, als sie dies zum Jahresauftakt vor Corona gewesen ist. Wenn auch der Eindruck besteht, dass die Branche reibungslos arbeite, so trügt dieser. Denn 80 Prozent unserer Unternehmen empfinden den Baustellenbetrieb als gestört. Schon heute spüren wir, dass Nachfolgeaufträge ausbleiben. Wir erwarten einen Umsatzrückgang in diesem Jahr real von mindestens drei Prozent. Diese schwierige Lage der Branche muss auch die Gewerkschaft erkennen“, so Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe.

Krise oder nicht?

Jutta Beeke, Vizepräsidentin des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, ergänzt: „Man kann nicht so tun, als ob wir aus dem Vollen schöpfen könnten. Die Corona-Pandemie ist ohne Vorbild; daher können wir die Entwicklung unserer Branche mittelfristig kaum voraussehen.“ IG Bau-Bundesvorstandsmitglied Carsten Burckhard meint jedoch: „Wir nehmen die durch Covid-19 verursachte Lage sehr ernst. Sehr genau haben wir mit Baubetriebsräten analysiert, welche Folgen die Corona-Maßnahmen auf die Bauwirtschaft haben. Das Ergebnis ist: Die Baubranche läuft nach wie vor auf Hochtouren. Es gibt kaum Betriebe mit Beschäftigten in Kurzarbeit. Dass sich nach den Lockerungen diese Situation verschlechtert, ist nicht im Ansatz erkennbar. Deshalb ist es selbstverständlich, dass wir an den berechtigten Forderungen der Beschäftigten festhalten.“

Die zweite Verhandlungsrunde findet am 4. Juni 2020 in Berlin statt. 

www.zdb.de

www.igbau.de

zuletzt editiert am 11. März 2021
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