Wie für die gesamte Bauwirtschaft ist es auch für Fliesenlegerbetriebe ein immer größeres Problem, Fachkräfte zu gewinnen. Die Ergebnisse einer Studie zu Wünschen, Erfahrungen und Zielen von Berufseinsteigern können helfen Strategien zu entwickeln, durch die sich Fachkräfte am Bau gewinnen und binden lassen. (Foto: WorldSkills Leipzig 2013, JKphotography)
Anfang 2012 haben SOKA-BAU und das F.A.Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformationen 5.800 Berufseinsteiger aus der Bauwirtschaft zu ihrer Berufsausbildung und ihren Karriereplänen befragt. Der Hintergrund: Fachkräfte zu gewinnen ist in den kommenden Jahren eines der drängendsten Probleme, vor dem die Bauwirtschaft steht, heißt es in einer Pressemitteilung zur Studie. Denn der Baubranche fehle schon heute der Nachwuchs: Eine Auswertung der Arbeitnehmerzahlen von Soka-Bau ergibt: Die Altersdekaden von 45 bis 54 Jahren (rund 136.000 gewerbliche Arbeitnehmer) und von 35 bis 44 Jahren (rund 119.000) sind personell am stärksten. Die Dekade der Auszubildenden und Gesellen im Alter von 15 bis 24 Jahren ist dagegen deutlich kleiner (rund 52.000). Das bedeutet: Wenn die heute 45- bis 54-Jährigen in Rente gehen, wächst; sofern die Ausbildungszahlen künftig nicht drastisch steigen werden; keine ausreichende Zahl junger Fachkräfte nach.
Deutlich mehr Rentner als Azubis
Bereits eine grobe Perspektivrechnung zeigt, dass die beschriebene Altersstruktur schon in den nächsten acht Jahren ganz wesentliche Herausforderungen für die Sicherung des Fachkräftebedarfs aufwirft, schreibt Soka-Bau. Die heutige Altersdekade von 55 bis 64 Jahren umfasst demnach insgesamt rund 83.000 Beschäftige, die - unter Berücksichtigung eines durchschnittlichen Renteneintrittsalters von 62 Jahren - in den kommenden acht Jahren altersbedingt ausscheiden werden. Allein als Ersatz für diese Altersgruppe werden jährlich über 10.000 Berufsanfänger benötigt, die langfristig in der Branche verbleiben müssten. Bei gleichbleibenden Ausbildungszahlen und Abwanderungsquoten wird sich nur etwa die Hälfte der altersbedingten Austritte in der Bauwirtschaft ersetzen lassen.
Spaß am Job steht bei der Berufswahl im Vordergrund
Der Studie zufolge wählen junge Baueinsteiger ihren Ausbildungsberuf nach Interessen und Jobperspektiven: Vor allem die Kriterien Spaß an der Arbeit und im Betrieb, gute Berufsperspektiven und die private Anwendbarkeit der während der Ausbildung gelernten Fertigkeiten geben bei der Berufswahl den Ausschlag. Das bedeutet auch: Eine Ausbildung am Bau ist kein Notnagel, weil andere Ausbildungsplätze nicht zu bekommen sind.
Internet als Informationsmedium weit vorne
Unter den Informationsmedien ist das Internet laut der Studie mit großem Abstand die wichtigste Quelle. 91,3 Prozent der Azubis nutzten dieses Medium, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Dahinter folgt mit großem Abstand die Schule, die Informationsmaterial für den Einstieg in das Berufsleben bereitstellt (28,8 Prozent). Weniger wichtig waren den Azubis Broschüren und Flyer (19,6 Prozent), Messeveranstaltungen zur Berufswelt (17 Prozent), Zeitungen (11,2 Prozent) sowie Öffentlichkeitsveranstaltungen von überbetrieblichen Ausbildungszentren (9,9 Prozent).
Strukturen für eine Karriere am Bau
Erst durch die langfristige Bindung ausgelernter Fachkräfte an den Betrieb macht sich die Investition in die Ausbildung bezahlt. Deshalb muss sich die Branche an den Bedürfnissen der Azubis und jungen Facharbeiter orientieren: Neben Jobsicherheit und einem guten Gehalt stehen auch eine zusätzliche Rente sowie Arbeitszeitmodell im Fokus der jungen Menschen.
Zudem setzt der Berufsnachwuchs auf Karriere durch Weiterbildung. Sowohl die meisten Azubis (60 Prozent) als auch die meisten Bauprofis (67,5 Prozent) streben in Zukunft die Meisterprüfung an. 39,5 Prozent der Azubis und 34,7 Prozent der Bauprofis wollen Polier werden. Immerhin 29,8 Prozent der Azubis und 22,9 Prozent der Bauprofis planen, ein Studium aufzunehmen. Und rund ein Viertel plant, sich selbständig zu machen: Während 27,6 Prozent der Azubis für die kommenden zehn Jahre eine Tätigkeit als freier Unternehmer ins Auge fassen, fällt der Vergleichswert der ambitionierten Bauprofis mit 22 Prozent etwas geringer aus.
Die Studie umfasst 32 Seiten und ist für 75 Euro zu haben bei: F.A.Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformationen, Postfach 20 01 63, 60605 Frankfurt am Main, Tel. 0 69 / 75 91 - 21 29, Fax 0 69 / 75 91 - 19 66,
E-Mail: . ISBN: 978-3-89981-637-2).
