Verzögerte Insolvenzen können größeren Schaden nach sich ziehen.
Verzögerte Insolvenzen können größeren Schaden nach sich ziehen. Quelle: Pixabay

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13. April 2021 | Teilen auf:

Staatliche Hilfen halten 25.000 Unternehmen künstlich am Leben

Durch staatliche Hilfen in der Corona-Pandemie wurden in vielen Fällen Insolvenzen abgefangen, zu denen es auch ohne die Corona-Krise gekommen wäre. Das zeigt eine gemeinsame Untersuchung des Verbands der Vereine Creditreform und des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Die staatlichen Hilfen in der Corona-Krise haben demnach vielfach Unternehmen begünstigt, die auch ohne Lockdown in eine existenzielle Krise geraten wären. Auf diese Weise habe sich ein Rückstau bei den Insolvenzen von etwa 25.000 vor allem kleinen Betrieben gebildet. „Die undifferenzierte Verteilung der Hilfsgelder und die fehlenden Öffnungsperspektiven werden in Verbindung mit dem andauernden Insolvenzmoratorium ab der zweiten Jahreshälfte 2021 einen signifikanten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zur Folge haben“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform.

50 Prozent weniger Insolvenzen als erwartet

Für die Studie wurden Bonitätsdaten von rund 1,5 Millionen Unternehmen herangezogen. Die Autoren haben Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit im Vorkrisenzeitraum Juli 2017 bis Dezember 2019 mit dem Corona-Krisenzeitraum April 2020 bis einschließlich Juli 2020 verglichen. „Dabei zeigte sich, dass insbesondere kleine, finanziell schwache Unternehmen, die unter normalen wirtschaftlichen Umständen mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Insolvenz gegangen wären, ohne Perspektive auf eine erfolgreiche Sanierung durch staatliche Hilfen am Leben gehalten wurden“, sagt Dr. Simona Murmann, eine der Autorinnen der Studie. In der Folge hätten in besonders von der Coronakrise betroffenen Branchen weniger als halb so viele Betriebe, wie aufgrund der Vorjahre zu erwarten war, Insolvenz angemeldet. Dagegen gab es laut Studie keinen Insolvenzrückstau bei Unternehmen, die vor der Krise eine gute Bonität aufgewiesen haben. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Unternehmensinsolvenzen trotz des tiefen Wirtschaftseinbruchs in Deutschland auf einen Tiefpunkt seit der der Einführung der Insolvenzordnung (InsO) im Jahr 1999 gefallen.

Insolvenzen haben auch reinigende Kraft

Diese Entwicklung kann weiteren Schaden anrichten: Denn Unternehmen, die zeitverzögert aus dem Markt ausscheiden, hinterlassen zum Beispiel häufig offene Rechnungen und beeinflussen so die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ihrer Geschäftspartner. Zudem tritt in diesem Fall die üblicherweise marktbereinigende Wirkung einer Krise erst verspätet in Kraft. „Insolvenzen führen dazu, dass sich die betroffenen Mitarbeiter anderen, effizienter und kreativer arbeitenden Unternehmen zuwenden. Kapital fließt weg von insolventen hin zu wirtschaftlich stabilen Firmen. Dieser Prozess stärkt auch die Produktivität und Innovationskraft einer Volkswirtschaft und wird durch ungerechtfertigte staatliche Finanzhilfen aufgehalten“, heißt es in der Untersuchung.

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