Weiße Natursteine sind sehr beliebt. Sie sind von zeitloser Eleganz und nicht gerade etwas für Schnäppchenjäger. Wer das Besondere will, der muss auch den entsprechenden Preis bezahlen. Die besten Qualitäten müssen von Hand aussortiert werden. (Sekundärfarbe grau/Fotos: Abraxas Stone Experts/Hasede)
Bei edlen Natursteinen ist es anders als in der Automobilindustrie. Werbesprüche wie „Nichts ist unmöglich“ sollte man hier möglichst vermeiden. Dies gilt besonders für rein weiße Natursteinsortierungen. Rein weißer Marmor ist Luxus pur. Er ist sozusagen der Marmor in Reinform, ohne irgendwelche Beimengungen. Derartige Steine sind äußerst schwer in der Natur zu finden. Griechenland hat allerdings einiges an weißem Marmor zu bieten.
Einer der weißesten Marmorsorten weltweit stammt von der griechischen Insel Thassos und ist auch nach ihr benannt. Und selbst bei dem Thassos Marmor machen die rein weißen Gesteinspartien nur einen ganz geringen Teil dessen aus, was abgebaut wird. Die rein weißen Partien werden unter Bezeichnungen wie „Thassos Snow White“, „Thassos A1“ oder „Thassos Pure White“ auf dem internationalen Natursteinmarkt angeboten. Auch wenn Geld keine Rolle spielen sollte, so begrenzt die Natur immer noch den Bereich des Machbaren. Selbst bei Rohtafeln, die einem rein weißen Typ entsprechen, kann es immer wieder vereinzelt zu mineralischen Beimengen, offenen Kristalldomen oder transparenten Calcitadern kommen.

Deshalb spielt die Größe der Werkstücke bei der Selektion eine entscheidende Rolle. Während es noch relativ einfach ist, eine Natursteinfliese im Format 30,5 x 30,5 Zentimeter in einer lupenrein weißen Qualität zu liefern, so ist dies bei einer Tischplatte von drei Metern Länge schon wesentlich schwieriger und wird bei voluminösen Bauteilen, wie beispielsweise einer massiven Badewanne, nahezu unmöglich. Auch wenn man ohne direkten Vergleich Natursteine als rein weiß empfinden könnte, so unterscheiden sich viele dieser Sorten doch in sehr feinen Farbabstufungen. Diese sind auf dispers, also sehr fein verteilte mineralische Beimengungen zurückzuführen. Man spricht hierbei auch von akzessorischen Gemengteilen, die in sehr geringen Mengen bis maximal zwei Volumenprozente im Gestein vorliegen. Diese Gemengteile können je nach Lagerstätte sehr unterschiedlich ausfallen.
In den weißesten Sortierungen des Branco Estremoz aus Portugal sind meist Spuren des Minerals Hämatit enthalten, sodass sich eine ganz dezente Farbabstufung ins Rötliche ergibt. Bei dem weltweit bekannten Carrara Marmor aus Italien führen leichte Beimengungen von Graphit zu Bewegungen in den Bereich der Grauskala. Der ebenfalls im Raum Carrara abgebaute Calacatta bewegt sich durch Limonitisierung in goldgelblichen Farbspektren. Wenn Marmorsorten neben den Mineralen Calcit oder Dolomit weitere Minerale in größeren Beimengungen enthalten, so kann dies zu Wolkenbildungen führen, die den Stein zwar nicht mehr weiß erscheinen lassen, jedoch eine interessante Dekorwirkung erzeugen. Eines ist den meisten weißen Natursteinen gemeinsam. Sie zeigen Shades of White (Farbnuancen in Weiß). In Verbindung mit den transluzenten (durchscheinenden) Calcitmineralen erhält jeder Stein dadurch seinen eigenen, individuellen Charakter.
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