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Nicht nur regelmäßige Besprechungen und Treffen, auch die kleinen Gespräche zwischendurch sind wichtige Bausteine einer positiven Kommunikationskultur. (Foto: Tischlers)

Betrieb 2010-07-09T00:00:00Z Reden ist Gold

Mitarbeiter-Motivation - In diesem Fall liegt der Volksmund falsch: In puncto Mitarbeiter-Motivationist Reden Gold, und Schweigen könnte fatale Folgen zeitigen. Nur wer im ständigen Dialogmit seinem Team steht, wird auf längere Sicht wirtschaftlichen Erfolg haben. Harald Siebert (Foto: Tischlers)

"Wenn wir offen sind, ziehen unsere Leute engagiert mit." Diese Erfahrung hat auch Anke Tichlers gemacht. Die 32 Jahre alte Maurermeisterin leitet mit ihrer Schwester Daniela und ihrem Vater Bernd die Krefelder Bauunternehmung Tichlers mit zurzeit 35 Mitarbeitern, darunter auch acht Fliesenleger. In den Betrieb, der auf Um- und Ausbauten spezialisiert ist, bringen die beiden jungen Frauen viele neue Ideen ein. Damit diese auf fruchtbaren Boden fallen, müssen die Juniorinnen intensiv für diese Neuerungen werben. Regelmäßige Gespräche sind deshalb unabdingbar. Auf der anderen Seite achten die drei Firmenchefs aber auch darauf, immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitarbeiter zu haben.

Richtig führen durch Mitarbeitergespräche

Einen großen Schritt auf dem Weg hin zu einem guten Kommunikationsklima hat das Tichlers-Team mit Unterstützung von außen gemacht: Im Rahmen des von der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) geleiteten Projekts Personalmanagement - Initiative hatte Ingrid Czulkies von der Handwerkskammer Düsseldorf über mehrere Monate hinweg einen Diskussionskreis "Richtig führen durch Mitarbeitergespräche" im Unternehmen geleitet. "Wir haben dort unter anderem erfahren, was unsere ‚Jungs‘ an Informationen von uns haben wollen. Sie wünschen sich nämlich mehr Auskünfte über die wirtschaftliche Lage und die Perspektiven des Unternehmens. Das muss gar nicht ins Detail gehen, was Umsatz- oder Gewinnzahlen anbelangt, aber sie wollen grundsätzlich Bescheid wissen", berichtet Anke Tichlers von diesen Gesprächen. Das sei damals für sie neu, jedoch durchaus leicht nachvollziehbar gewesen. Heute hat sie noch mehr Verständnis für diesen Wunsch ihrer Mitarbeiter: "Als Folge der Krise hören und lesen sie ständig über wirtschaftliche Probleme von Unternehmen. Da ist klar, dass Unsicherheit aufkommt und sie wissen wollen, wo ihre eigene Firma steht und wie es mit ihr weitergeht." Ob in solchen grundsätzlichen Dingen oder im normalen Alltagsgeschäft: Wenn der Chef die Fragen der Mitarbeiter befriedigend beantwortet, gibt er seinem Gegenüber die notwendige Sicherheit und Klarheit. Er schafft damit gleichzeitig den Rahmen, in dem der Mitarbeiter eigenständig aktiv werden kann. Das ist Personalführung im besten Sinne: Das Potenzial des Beschäftigten wird freigelegt, zumal die Kommunikation auf Augenhöhe geschieht.

Allgemeine Besprechung ist "ritualisiert"

Solche Beziehungen und die Kommunikation müssen gestaltet und immer wieder neu gefestigt werden. Dabei helfen eine den unterschiedlichen Anlässen jeweils angepasste Struktur und eingespielte Rituale. Im Bauunternehmen Tichlers etwa findet an jedem ersten Montag im Monat eine allgemeine Besprechung statt, bei der von Seiten der Mitarbeiter wie der Firmenleitung alles aufs Tapet kommt, was gerade anliegt: Neue Projekte ebenso wie Kundenlob und -kritik oder Vorschläge, wie bestimmte Abläufe verbessert werden könnten. Diese "große Runde" geht auf die Beratung durch Ingrid Czulkies zurück. Das Gleiche gilt für ein kleines Notizbuch, in das die Mitarbeiter notfalls anonym Anregungen oder Kritik eintragen können. Jeden Donnerstagvormittag treffen sich darüber hinaus die Chefs mit den Bauleitern, also den vier Meistern und der Diplom-Ingenieurin, um den Stand der Dinge zu klären und die Planungen für die nächste Woche abzustimmen. "Ganz wichtig ist aber auch, dass wir uns zwischendurch immer wieder Zeit nehmen, wenn unsere Mitarbeiter etwas auf dem Herzen haben", streicht Anke Tichlers ein Element des familiären Charakters ihres Betriebs heraus. Morgens vor der Abfahrt auf die Baustellen und abends nach der Rückkehr von dort sind bevorzugte Gelegenheiten für diese Gespräche. Sie weiß in solchen Situationen selbst Kleinigkeiten zu deuten: "Wenn mich einer mit ,Chefin‘ anspricht statt mit Anke, dann ist was im Busch." Viel Wert legt man bei Tichlers daneben auf Gruppenaktivitäten wie Grillen, gemeinsames Anschauen von wichtigen Fußballspielen oder ein Fahrsicherheitstraining durch die Berufsgenossenschaft. Auch dies fördert den Zusammenhalt und hilft, miteinander im Gespräch zu bleiben.

Offenheit darf keineEinbahnstraße sein

Die Bereitschaft zur Kommunikation und die Offenheit dabei können indes keine Einbahnstraße sein, verweist die junge Meisterin auf einen Punkt, bei dem sie hier und da noch Verbesserungsbedarf in ihrem Team sieht: Denn die Chance zum Austausch wird noch in unterschiedlichem Maße genutzt. Viele brächten sich engagiert ein, anderen falle das noch immer etwas schwerer. Ganz abgestellt werden konnte zudem noch nicht das "Hinterm-Berg-Halten", wenn auf einer Baustelle etwas nicht optimal gelaufen ist. Ehrlichkeit in solchen Situationen habe für sie nichts damit zu tun, einen Kollegen "in die Pfanne zu hauen", stellt Anke Tichlers klar. "Ich muss einfach wissen, was läuft, um reagieren zu können nicht zuletzt gegenüber Kunden, die unzufrieden sind und mir darüber am Telefon berichten."

Zufriedenheit der Mitarbeiter kommt beim Kunden an

Wege, die Mitarbeiter auch emotional an das Unternehmen zu binden und sie bewusst in die Abläufe einzubeziehen, haben einen hohen Stellenwert bei der Bestandssicherung eines Betriebs. Gutes und motiviertes Personal bleibt ihm erhalten. Es arbeitet sogar gerne für das Unternehmen und übernimmt bereitwillig Verantwortung. Dies steigert Effizienz und Erfolg. Denn die Zufriedenheit der Mitarbeiter kommt natürlich auch bei den Kunden an. Insofern spiegeln die Art, wie man im Betrieb miteinander umgeht, und die entsprechende Grundstimmung den Stil des gesamten Unternehmens wider. Motivierte, zufriedene Mitarbeiter, die sich mit "ihrem" Betrieb identifizieren und mitdenken, sind das beste Aushängeschild.

Wer aktiv zuhört, schafft Vertrauen

Die Ziele eines Unternehmens mit möglichst geringem Aufwand zu erreichen, kann als Zweck der Mitarbeiterführung beschrieben werden. Dazu bedarf es Organisation und Führung und Information. Denn je mehr ein Firmenchef über seine Mitarbeiter weiß, desto besser kann er ihre Potenziale einschätzen und nutzen. Um an diese Informationen zu kommen, muss ein Vorgesetzter viel reden. Zugleich muss er jedoch aktiv zuhören. Das heißt, dass er dem Gespräch seine ganze Aufmerksamkeit widmet und durch Zustimmung und konkretes Nachfragen den Dialog erleichtert. Positiv wirken sich auch die sogenannten Worte persönlicher Anerkennung aus. Gemeint sind damit Formulierungen wie "Gut, dass Sie das erwähnen" oder "Ihr Wunsch ist verständlich". Apropos Anerkennung: Wann haben Sie Ihre Mitarbeiter zum letzten Mal gelobt? Viel zu oft wird gute Arbeit als selbstverständlich hingenommen ohne jeden Kommentar. Sie wäre jedoch durchaus der Erwähnung wert, denn nur so stärken Sie das Selbstvertrauen der Mitarbeiter, also ihr Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit, die Basis ist für noch bessere Arbeit. In der Hektik des Alltags indes bleibt es meist dabei, dass lediglich Fehler wahrgenommen und thematisiert werden. Dagegen ist nichts einzuwenden, sofern auch die positive Seite nicht zu kurz kommt. Dabei sollte die Kritik an einer nicht so guten Leistung stets sachlich und mit Respekt vorgebracht werden. Machtdemonstrationen sind dagegen tabu, ebenso persönliche Schuldzuweisungen, es sei denn, der betreffende Mitarbeiter hat tatsächlich grob fahrlässig gehandelt.

Positive Fehlerkultur ist auf Lösungen aus

Eine positive Fehlerkultur will Lösungen finden, um Schäden zu minimieren oder zu verhindern, dass Ähnliches wieder vorkommt. Daher müssen die Zusammenhänge und Ursachen geklärt werden. Dies geht jedoch nicht mit der Frage "Warum?", denn sie führt in aller Regel nur zu Rechtfertigungsversuchen des Angesprochenen und damit in eine Sackgasse. Die neutralere Formulierung "Wie konnte es dazu kommen, dass ...?" eröffnet dagegen die Chance, im Gespräch zu bleiben und aus dem Vorkommnis für künftige Fälle zu lernen. Um eine solche fördernde Kritik bemüht sich auch Anke Tichlers im Falle eines Falles immer wieder. Dahinter steht für sie die Überzeugung, dass "es nichts bringt, wenn Dinge, die nicht so gut gelaufen sind, unter den Teppich gekehrt werden". Sollten dabei tatsächlich einmal die Wogen etwas höher schlagen, hat sie gelernt, dass spätestens am nächsten Tag ihre "Jungs" die Dinge wieder gelassener sehen und eine Klärung möglich ist. Schweigen wäre in jedem Fall die schlechtere Alternative.

www.fliesenundplatten.de

Der Autor

Harald Siebert ist Fachreferent für Marketing im Projekt Zukunfts-Initiative Handwerk Nordrhein-Westfalen der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrheinwestfälischen

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zuletzt editiert am 11. März 2021
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