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Kein anderes Thema hat in unserem Online-Forum auch nur annährend so viel Resonanz wie die Diskussion um die Rückkehr zur Meisterpflicht.

2012-03-29T00:00:00Z Punkten mit der Meisterpflicht

Kein anderes Thema sorgt derzeit für so viele Zuschriften an die Redaktion, kein anderes Thema hat im Online-Forum auf unseren Internet-Seiten auch nur annährend so viel Resonanz wie dieses: Die Diskussion um die Rückkehr zur Meisterpflicht. Dafür gesorgt hat nicht zuletzt eine Initiative aus Hessen. (Foto: VbU Hessen)

Mehr als acht Jahre ist es mittlerweile her, dass der Beruf des Fliesen-, Platten- und Mosaiklegers von der Anlage A der Handwerksordnung in die Anlage B1 gerutscht ist. Seit dieser umstrittenen Novelle der Handwerksordnung braucht man weder zur Ausübung des Fliesenleger-Handwerks noch zur Eröffnung eines entsprechenden Betriebes eine besondere Qualifikation.

Nach lautstarken Protesten war zumindest die öffentliche Diskussion im Laufe der Zeit etwas abgeebbt, unter der Oberfläche brodelte das Thema aber weiter. Mitte des vergangenen Jahres nahm die Diskussion dann wieder Fahrt auf: Vertreter der hessischen Landesfachgruppe Fliesen und Naturstein traten mit einer klaren Forderung an die Öffentlichkeit: „Wir wollen die Meisterpflicht im Fliesenlegerhandwerk zurück; und bitten um Unterstützung für dieses Anliegen“, hieß es sinngemäß in einem offenen Brief. So formulierte es auch Landesfachgruppenleiter Günter Marksteiner während einer Sitzung mit seinen Kollegen aus anderen Bundesländern im Rahmen der Deutschen Fliesentage in Ulm und er wollte das Thema „Rückkehr zur Meisterpflicht“ auch in die Landesverbände des ZDB tragen.

Viel Zuspruch

Gleichzeitig trommelten die Hessen beim ZDB, bei ihrer Handwerkskammer und nicht zuletzt im neuen Diskussions-Forum auf unserer Internetseite für ihre Sache. Im Online-Forum der Fachzeitschrift FLIESEN & PLATTEN erhalten die Hessen sogar noch mehr Zuspruch als auf den Leserbriefseiten in der gedruckten Ausgabe des Branchen-Magazins und auch führende Vertreter des ZDB begrüßen das Engagement.

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Andreas Demand, Geschäftsführer der Landesfachgruppe Fliesen & Naturstein Hessen informiert über Gründe und Ziele der Initiative für eine Rückkehr zur Meisterpflicht. (Foto: VbU Hessen)

Gründe für die Initiative gab es viele, blickt Andreas Demand, Geschäftsführer der Landesfachgruppe, im Gespräch mit FLIESEN & PLATTEN zurück. Beispielsweise hätten Meisterbetriebe, die qualifizierte Mitarbeiter beschäftigen und diese nach Tarif bezahlen, häufig gar keine Chance mehr, an öffentliche Aufträge zu kommen. Das haben Landesfachgruppenleiter Günter Marksteiner und dessen Stellvertreter Jürgen Kullmann bei einer Untersuchung von Submissionsergebnissen herausgefunden. Unter dem Strich standen dabei teils Stundenlöhne von 6,50 bis 7 Euro. Bei Nachfragen seien Meisterbetriebe dann sogar noch als Abzocker beschimpft worden, berichtet Demand.

Schäden durch mangelhafte fachliche Qualifikation

Auf der anderen Seite stellen die Sachverständigen im Landesverband immer mehr Schäden fest, die auf eine mangelhafte fachliche Qualifikation der ausführenden Betriebe zurückzuführen seien. „Vielmals ist noch nicht einmal eine Gesellenprüfung vorhanden.“ (Vergleichen Sie dazu auch den Beitrag „Qualifikation als Herausforderung“ in FLIESEN & PLATTEN 7.2011 S. 59.)

Gefährliche Entwicklung

Diese Entwicklung ist gefährlich für die Verbände und für die ganze Branche, sagt Demand. Meisterbetriebe reduzieren ihre Belegschaft und stellen weniger Auszubildende ein. Da weniger ausgebildet wird, werden auch viele Berufsschulstandorte und überbetriebliche Ausbildungszentren in Frage gestellt oder geschlossen. Die Ausbildung ist dadurch weniger attraktiv und die Zahl der Auszubildenden sinkt weiter. Das schlägt sich auf die Qualität der Arbeiten ebenso nieder wie auf die Zukunft der Verbände: Weniger Mitglieder und rückläufige Lohnsummen vermindern Einfluss und sinkende Einnahmen zumal der Mitgliedsbeitrag an die Lohnsummen gekoppelt ist.

Demand und der Vorstand der hessischen Landesfachgruppe sehen sogar die Zukunft des Berufsbildes „Fliesenleger“ in Gefahr. Wenn nur noch Mindest- oder gar Niedriglöhne gezahlt oder günstig arbeitenden Subunternehmer beauftragt werden, leidet nicht nur die Qualität: Mitarbeiter können ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien nicht mehr allein aufbringen und sind auf staatliche Lohnersatzleistungen angewiesen. „Diese Vorgehensweise vernichtet die Zukunft und die Existenz des Fliesenleger-Berufes“, fasst Demand die Befürchtungen zusammen.

Neue Mitglieder

Dagegen will sich der hessische Landesfachgruppe mit ihrer Initiative für eine Rückführung des Fliesenlegerhandwerks in Anlage A der Handwerksordnung, sprich eine Rückkehr zur Meisterpflicht, stemmen. Hessen sei zwar ein kleiner aber auch ein reger Landesverband, betont Demand. Erste Erfolge haben die Hessen schon feiern können: Der Vorstoß „Pro-Meisterpflicht“ hat der Landesfachgruppe nicht nur viel Zuspruch, sondern nach Jahren rückläufiger Zahlen bereits einige neue Mitglieder beschert.

zuletzt editiert am 02. August 2024
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