Ein Jahr ist vergangen seit dem ersten Lockdown. Welche Auswirkungen haben die Maßnahmen auf Kleinunternehmer und Selbstständige? Eine Studie des Softwareherstellers Lexware zeigt: Ein Großteil hat Umsatzeinbußen, Hilfen kommen spät oder gar nicht an.
Das wirtschaftliche Resultat nach einem Jahr mit Corona? Auf den ersten Blick überraschend positiv: Rund 85 Prozent (84,9 Prozent) der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer sind trotz Umsatzeinbußen aktuell noch zahlungsfähig. Das ergab eine aktuelle Lexware-Umfrage unter 5.651 Selbstständigen, davon 929 Handwerkerinnen und Handwerker, im März 2021. Allerdings müssen sie dabei auf private finanzielle Rücklagen zurückgreifen. 21,9 Prozent der aktuell noch zahlungsfähigen Handwerker gehen davon aus, in den nächsten 12 Monaten auf die für ihre Altersvorsorge vorgesehenen Ersparnisse zurückgreifen zu müssen. Rund jeder Neunte rechnet sogar damit, binnen eines Jahres die Selbstständigkeit komplett aufgeben zu müssen. Ein Grund dafür sind die Umsatzeinbußen: 7,8 Prozent der Handwerker verzeichnen einen monatlichen Umsatzrückgang von über 75 Prozent.
Weiterhin zu spät und wenig hilfreich: Note 3,9 für Corona-Hilfen
Mit Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 bietet die Regierung Selbstständigen unterschiedliche staatliche Hilfen zur Unterstützung an. Als hilfreichstes Instrument zur Schadensbegrenzung gilt dabei das Kurzarbeitergeld, das am häufigsten mit der Note sehr gut (11 Prozent) oder gut (8 Prozent) bewertet wurde. In Summe scheint die staatliche Unterstützung für Selbstständige aber eher ernüchternd zu sein: So bewerten alle Befragten, die mindestens eine staatliche Hilfsmaßnahme beantragt haben, die angebotenen Hilfen durchschnittlich mit Note 3,9. Über die Hälfte der Befragten haben die staatliche Corona-Hilfen bis dato noch gar nicht oder nur teilweise erhalten hat (57,3 Prozent). Allein die Novemberhilfe hat 47,2 Prozent der Befragten noch nicht oder nur teilweise erreicht.

Politik schafft keine wirtschaftliche Sicherheit
Das Fazit der Studie: Rund zwei von drei Befragten (63 Prozent; Handwerk: 64 Prozent) sind der Ansicht, dass es der Politik weitestgehend nicht gelungen sei, mit ihren Maßnahmen wirtschaftliche Sicherheit zu vermitteln. In einer vergleichbaren Befragung während des ersten Lockdowns im April 2020 sagte das jeder zweite Selbstständige. Somit ist der Anteil binnen eines Jahres um rund 24 Prozent gestiegen. Nur einer von 13 Selbstständigen ist hingegen der Meinung, die Vermittlung wirtschaftlicher Sicherheit sei der Politik eher schon oder vollkommen gelungen – 2020 waren dieser Überzeugung noch 25,8 Prozent und somit knapp doppelt so viele.
Krise als Treiber der Digitalisierung
Einen positiven Aspekt scheint die Krise zu haben: Die digitale Transformation und Flexibilisierung von KMU hat an Fahrt aufgenommen. 16,6 Prozent der befragten Selbstständigen haben die Krise zum Anlass genommen, ihr Angebot, ihr Geschäftsmodell oder ihre Zielgruppe anzupassen. Gegenüber 2020 hat sich unter diesen der Anteil der Unternehmen verdoppelt, die angeben, dass sie Änderungen an ihrem Business dauerhaft vornehmen: von 10,2 Prozent 2020 auf 22,9 Prozent 2021.
Auch im Bereich der Digitalisierung hat die Krise eine Katalysatorfunktion eingenommen: 46,2 Prozent geben an, dass sich der Digitalisierungsgrad in mindestens einem Bereich erhöht habe. Am häufigsten wurden im Handwerk interne Geschäftsprozesse digitalisiert, das gaben 27,5 Prozent der Handwerker an (Selbstständige insgesamt: 30,5 Prozent). Der Grad der Digitalisierung in Kundenberatung und Vertrieb hat sich bei 23,2 Prozent erhöht (Selbstständige insgesamt: 24,4 Prozent), bei Produkten beziehungsweise Dienstleistungen bei 16,2 Prozent (Selbstständige insgesamt: 24,4 Prozent.