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Die neue Sockelhöhe

(Foto: Michael Henke)

Normenreihe Bauwerksabdichtungen, Änderungen
Markus Kohl
Foto: Michael Henke

In der DIN 18531 wurde die Sockelhöhe auf 15 Zentimeter festgelegt – die Vertreter der Fliesenleger konnten sich innerhalb des Ausschusses nicht durchsetzen. Bis zum Erscheinen des neuen Merkblatts sollte der Fliesenleger deshalb die 15 Zentimeter einhalten, will er keine Reklamation riskieren.

Markus Kohl: Die Sockelhöhe wurde übernommen aus der Dachdeckernorm. Das bedeutet, dass jetzt der Fliesenleger, der auf Balkonen, Loggien und Laubengängen Fliesen in Kombination mit einer Verbundabdichtung verlegt, gezwungen ist, diese Verbundabdichtung genauso hoch wie die Dachdeckerabdichtung zu führen, nämlich 15 Zentimeter über dem späteren Fliesenbelag. Wir vom Fachverband haben dagegen Einspruch erhoben, allerdings erfolglos. Die Mehrheit im Ausschuss meinte, wenn man beim Dach 15 Zentimeter hoch abdichten muss, dann muss auch der Fliesenleger auf dem Balkon diese Höhe einhalten. Die Argumentation, dass die meisten Balkone geschützt sind, weil darüber noch ein anderer Balkon liegt oder dass Laubengänge und Loggien sowieso im Haus liegen und geschützt sind, so dass die Wand in der Regel überhaupt keinen Regen abbekommt, konnte sich nicht durchsetzen.

Michael Schmidt-Driedger: Und wie lautete konkret Ihr Vorschlag?

Markus Kohl: Mein Vorschlag war, die Abdichtungshöhe auf 7,5 Zentimeter zu halbieren. Das wäre die halbe Höhe und würde sich auch decken mit der Höhe jener Sockelleisten, die von der Keramikindustrie für Fliesen im Außenbereich angeboten werden.

Michael Schmidt-Driedger: In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Nachdem die DIN-Norm nun herausgekommen ist und die Merkblätter noch nicht aktualisiert wurden – Was gilt eigentlich, für Aufträge, die jetzt ausgeführt werden?

Markus Kohl: Entscheidend ist immer, was zum Zeitpunkt der Ausführung gültig und vor allem, was vereinbart war. Man muss also den Vertragsinhalt kennen. Wenn beispielsweise der Architekt mit dem Fliesenleger am 1. Mai vereinbart, nach der neuen Norm zu bauen, obwohl diese erst am 1.7. veröffentlicht wird, hat der Handwerker nach dieser Norm zu bauen beziehungsweise muss sich an dem Gelbdruck orientieren. Ist nichts vertraglich geregelt, dann entscheidet, wann der Beginn der Ausführung ist. Das heißt, wenn der Bauvertrag am 1.5. gemacht wurde, der Fliesenleger aber erst am 1.8. mit den Arbeiten beginnt, ist er verpflichtet, nach der neuen Norm zu arbeiten, die am 1.7. erschienen ist.

Michael Schmidt-Driedger: Die Normenreihe ist seit 1. Juli 2017 im Weißdruck erhältlich. Wenn jetzt ein Fliesenfachbetrieb im August einen Balkon gelegt hat und den Sockel nur acht Zentimeter hoch gemacht hat, weil er es nicht besser weiß …

Markus Kohl: … dann hat er rechtlich einen Mangel eingebaut, weil seit Juli bekannt war, dass der neue Sockel 15 Zentimeter hoch sein muss.

Michael Schmidt-Driedger: Mit anderen Worten: Bevor das neue Merkblatt erscheint, sollte man den Sockel am Balkon 15 Zentimeter hoch machen – so denn der Kunde auch bereit ist, dies aus ästhetischen Gründen überhaupt zu akzeptieren –, da man sonst eine Reklamation riskiert.

Rudolf Voos: Das ist unsere klare Botschaft. Im Balkonbereich gelten die 15 Zentimeter. Daneben gibt es gute Argumente, weshalb man fachlich korrekt auch einen niedrigeren Sockel anbringen kann. Diese Argumente werden wir unseren Mitgliedern an die Hand geben. Es bleibt dann trotzdem deren Aufgabe, dies mit dem Bauherrn zu vereinbaren. Die rechtliche Sicherheit können wir ihnen nicht geben, aber wir geben ihnen gute Argumente, um die Sockelhöhe von 15 Zentimeter Sockel im Balkonbereich unterschreiten zu dürfen.

Michael Schmidt-Driedger: Wird das auch so im neuen Merkblatt stehen?

Rudolf Voos: Ja, das haben wir als explizite Aufgabe für die 18531 ausgemacht.

17.01.2018