Zur Herstellung einer hochwertigen Natursteinarbeit ist mehr als eine fluchtgerechte und möglichst plane Verlegung erforderlich. Der Verleger kann geeignete Verlegemörtel verwenden, optimale Pflegeanleitungen abgeben und die Dekorwirkung der Gesamtfläche beeinflussen. Auf den Stein selbst hat er jedoch keine Einwirkung. Hier ist der Bruchbetreiber gefragt. (Fotos: Informationsdienst Naturstein/Trier)
Alle Naturprodukte weisen Schwankungen in Farbe und Textur auf. Denn sie sind eben nicht künstlich hergestellt, und das sieht man. Genau das schätzen Naturliebhaber. Doch es kann vorkommen, dass Natursteine mineralische Bestandteile enthalten, die durch Umwandlung zu einer Veränderung der Farbe beitragen. Hier ist der Bruchbetreiber gefragt, die verarbeitenden Betriebe auf solche Sachverhalte hinzuweisen oder entsprechende Sortierungen vorzunehmen.

Wie man mit diesen natürlichen Gegebenheiten umgehen sollte, lässt sich vorbildlich am Wachauer Marmor aufzeigen, einem dekorativen Stein aus Österreich. Sie dürfen sich einen solchen Natursteinbruch nicht als homogenes Gebilde vorstellen. Innerhalb eines Bruches gibt es naturgemäß Verwitterungszonen, Klüfte und Verwerfungen, um nur einige geologische Gegebenheiten zu nennen. So auch im Bruch des Wachauer Marmors. Hier gibt es einen Bereich, der traditionell als „Feuerwand" bezeichnet wird. Dieser Begriff kommt nicht von ungefähr. Er beschreibt anschaulich die durch Eisen abspaltende Minerale hervorgerufenen Verfärbungen in einem erdwarmen, gelblich braunen Farbspektrum.
Distanz zur Feuerwand
Derartige Verfärbungen zeigen sich in ihrem vollen Umfang meist nicht während des Abbaus, sondern erst nach einiger Zeit. Wie es sich für einen guten Bruchbetreiber gehört, weiß er um diese Eigenschaften und baut den Stein in dem Bereich nicht ab. Bei einer Annäherung der Abbaufront an die Feuerwand hält er einen Abstand von einem halben Meter zu den betroffenen Bereichen ein. Diese Distanz hat sich im Laufe der Jahre als praktikabel erwiesen, um Verfärbungen vorzubeugen. Doch damit nicht genug. Stammen Rohblöcke aus den entsprechenden Bereichen, verbleiben sie vor der Verarbeitung für mindestens drei weitere Monate im Bruch. Das soll nachträgliche, ungewollte Verfärbungen verhindern.
Sicherlich stellen Sie sich nun die Frage, weshalb das nicht alle Brüche so machen. Zum einen sind alle Brüche verschieden und haben ihre speziellen Besonderheiten, zum anderen verfügen Bruchbetreiber über unterschiedliche fachliche Kompetenzen oder unterliegen einem immer stärker werdenden preislichen Marktdruck. Wer Naturstein als Massenware produziert, muss Einsparungseffekte im Auge behalten. Schnelle Umschlaghäufigkeit, rationeller Abbau und maximale Materialausnutzung spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle und bieten aus finanziellen Gründen meist keine ausreichenden Spielräume für Selektionen.
Letztlich liegt es in der Hand des Verbrauchers, ob er preisgünstige Massenware oder selektierte Qualitäten bevorzugt. Da es sich bei Natursteinarbeiten um Produkte von extrem langer Lebensdauer handelt, die Generationen überdauern, sollte man sich schon genau überlegen, welcher Variante man den Vorzug gibt.