Nichts ist so stetig wie der Wandel. Dies trifft in begrenzendem Maße auch für Werkstoffe wie Naturstein zu. Auch wenn die Steine an sich gleich bleiben, so ändert sich von Zeit zu Zeit die Art der Oberflächenbearbeitung. (Foto: Unika Natursteine / Lengau-A)
Vor wenigen Jahrzehnten lagen polierte Natursteinoberflächen voll im Trend. Bei derartigen Bearbeitungen konnte der Stein seinen vollen Farbumfang und seine farbliche Tiefe zeigen. Kam es im Laufe der Zeit, wie bei allen hochglanzpolierten Oberflächen, zu einer Mattierung der Politur, so konnte diese durch ein erneutes örtliches Einschleifen wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden.
In den 1990er Jahren kam es dann zu einer Kehrtwende. Nicht der polierte, perfekte Stein, sondern Steine mit Gebrauchsspuren standen nun im Interesse der Endverbraucher. Dies war sicherlich auf den Cocooning-Effekt zurückzuführen, der das "traute Heim" zu einem persönlichen Refugium in einer immer härter werdenden Geschäftswelt machte. Wer im beruflichen Alltag perfekt funktionieren musste, der wollte in seiner Freizeit nicht von perfekten Gegenständen umgeben sein. Preller, Kantenabplatzungen und unregelmäßiger Fugenverlauf waren angesagt kurzum alles, was nicht perfekt wirkte. Steine wurden in Mischtrommeln derart malträtiert, bis sie in ihrem Aussehen einem Jahrhunderte altem Belag entsprachen. Dies war auf Dauer vielleicht zu brachial.
Bunter Mix der Oberflächen
Deshalb versuchte man dem Stein die Härte zu nehmen. Wie bei anderen Materialien auch, kam es zu einem bunten Mix der Oberflächen. Steine wurden aufgeraut, um sie dann anschließend durch Bürsten der Oberfläche in einen samtweichen Zustand zu versetzen. Der Stein sollte nicht mehr hart, sondern anschmiegsam wirken. Dieser Modetrend setzt sich auch noch bis in die heutige Zeit fort.
Doch mittlerweile sind neue Strömungen zu erkennen. Nachhaltigkeit ist angesagt. Nicht das technisch Machbare und das kurzfristig, trendig Produzierte ist angesagt, sondern man besinnt sich auf das Wesentliche. Stein soll entsprechend seines Einsatzzweckes Oberflächen erhalten, die der baulichen Nutzung im konkreten Einzelfall entsprechen.
Kalksteine und Marmor wieder salonfähig
Besinnt man sich auf traditionelle Bearbeitungsformen, so werden mit einem Mal auch wieder Steine Kalksteine und Marmor salonfähig, die man gegenüber den lange Zeit am Markt dominierenden Hartgesteinen, für zu empfindlich hielt. Doch Empfindlichkeit wird durch das Zusammenspiel von gesteinstechnischen Eigenschaften und Oberflächenbearbeitungen bestimmt. So sind mittlerweile diverse Bearbeitungsformen verfügbar, die weit über die in DIN 18332 beschriebenen Oberflächenbearbeitungen hinausgehen. Bei der Benennung dieser neuen Oberflächen handelt es sich um herstellerspezifische Bezeichnungen.
Neben industriellen Oberfächenbearbeitungen finden sich nun vermehrt auch weiterentwickelte, traditionelle handwerkliche Verfahren, die auf die jeweiligen Gesteine abgestimmt sind, wie beispielsweise die als kristallmatt bezeichnete Oberflächenbearbeitung bei dem abgebildeten Salzburger Marmor dunkelblau. Diese ermöglicht den Einsatz dieses Steins auch unter den bei uns herrschenden klimatischen Verhältnissen im Außenbereich.
