Naturstein, Kalkstein
Jura Kalkstein mit echtem Fossil (Ammonit) (Foto: Abraxas Stone Experts)

Naturstein 2014-06-11T00:00:00Z Naturstein: Kalkstein kommt immer mehr in Mode

Wer seine Gesteinsauswahl nur nach technischen Werten trifft, der wird die wahren Schätze des Natursteins nicht entdecken. Naturstein ist mehr als Druckfestigkeit und Abriebfestigkeit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in der heutigen Zeit sensible Natursteine wie Kalksteine immer häufiger im Objektbau und für hochwertige Ausstattungen verwendet werden. (Foto: Abraxas Stone Experts)

Sie haben etwas Besonderes an sich, das sicherlich weit über ihre Farbe und Optik hinausgeht. Befragen wir unsere europäischen Nachbarn in Italien, der Wiege des Natursteins, ob sie einen beigen Granit oder einen grauen Kalkstein als wärmer empfinden, so fällt die Wahl sicherlich auf den grauen Kalkstein. Die Vielzahl der keramischen Imitationen von Kalksteinen kommt nicht von ungefähr. Kunden wünschen dieses naturnahe Erscheinungsbild.

Mittlerweile haben die Imitate eine optische Qualität erreichen, die sich auf den ersten Blick kaum mehr vom Original unterscheidet. Doch Kalkstein ist mehr als die fototechnische Reproduktion einer Oberfläche. Betrachtet man das Original, so hat dieses eine Entstehungsgeschichte von mehreren Millionen Jahren. Was könnte naturverbundener sein?

Lebendiger Naturstein

Kalkstein lebt. Im Vergleich zu den industriell hergestellten Imitaten, die in ihrer Optik lediglich eine Momentaufnahme im Lebenszyklus eines Natursteins darstellen, zeigen Kalksteine im Gebrauch ein ehrwürdiges Altern. Betrachten wir historische Gebäude in allen europäischen Großstädten, so lässt sich feststellen, wie der Stein gemeinsam mit dem gesamten Gebäude altert. Industrielle Imitate werden im Lauf der Jahre als störender Fremdkörper empfunden. Sie wirken wie „geliftete“ Oberfläche, da sie die natürlichen Alterungserscheinungen nicht kopieren können. Sicherlich ein Grund, weshalb Architekten, die Wert auf materialgerechte Bauausführungen legen, sich immer wieder für Kalksteine entscheiden.

Vorteile von Kalkstein

Doch neben diesen optischen und emotionalen Faktoren gibt es auch handfeste technische Argumente, die Kalkstein zu einem optimalen Belag machen. Wer mit beheizten Fußbodenkonstruktionen arbeitet, der weiß sicherlich, dass diese trägen Systeme lange Vorlaufzeiten zum Aufheizen benötigen und die langsam abklingende Temperatur auch dann noch den Raum übermäßig nachheizt, wenn sich die Bewohner bereits nicht mehr im Raum befinden. Hier kann Kalkstein mit seiner hohen Wärmeleitfähigkeit punkten, die etwa das Doppelte einer keramischen Feinsteinzeugfliese beträgt und dadurch die Flankensteilheit der Auf- und Abheizphasen verkürzt.

Auch in Bezug auf das „Wohlfühlklima“ bestehen entscheidende Unterschiede zu den Imitaten. Während die durchgesinterten Feinsteinzeugfliesen wegen der hohen Brenntemperaturen nahezu dicht sind und eine extrem geringe Wasseraufnahme aufweisen, handelt es sich bei Kalksteinen um ein kapillaroffenes System, das einen Feuchtigkeitsaustausch ermöglicht. Während in früheren Jahren bei der Verlegung durch Verunreinigungen im Untergrund Verfleckungen im Gestein auftreten konnten, sind diese durch moderne Verlegemörtel mit kristalliner Wasserbindung nahezu vollständig ausgeschlossen. Imprägnierungen bewirken einen oberflächennahen Schutz ohne die Kapillarität des Steins aufzuheben und die Oberflächen entwickeln im Laufe der Unterhaltspflege einen typisch samtig, seidigen Glanz.

Kalksteine zählen außerdem zu den wenigen Natursteinsorten, die echte Fossilien beinhalten, damit werden sie zu einem Zeitfenster in unsere Erdgeschichte.

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zuletzt editiert am 12. Juni 2025