Natursteine werden mit unterschiedlichsten Oberflächen verbaut. Diese reichen vom bruchrauen Stein bis zur hochglanzpolierten Platte. Wir listen die wichtigsten Bearbeitungsformen mit ihren technischen und optischen Besonderheiten auf. (Foto: Informationsdienst Naturstein)
Bei spaltrauen Oberflächen handelt es sich um die natürlichste Art der Oberflächenbearbeitung. Sie wird meist bei Gesteinen mit geschiefertem Gefüge angewendet. Bei der Herstellung wird eine Besonderheit dieser Gesteine genutzt: Sie lassen sich entlang durchgehender Glimmerlagen ohne großen Kraftaufwand spalten. Unter den Aspekten des Primärenergieaufwands ist dies sicherlich die umweltfreundlichste Methode, um Belagsoberflächen herzustellen. Während spaltraue Oberflächen in früheren Zeiten fast ausschließlich im Außenbereich zu finden waren, werden sie mittlerweile auch zunehmend im Innenbereich verbaut.
Gestockte Oberflächen
Die Herstellung erfolgt mit einem Stockhammer. Dieser Stockhammer verfügt über eine Schlagfläche mit pyramidenförmigen Erhebungen. Durch diese Bearbeitung entsteht eine sehr hohe Oberflächenrauigkeit. Diese wirkt sich positiv auf die Rutschhemmung des Belags aus. Je nach Dichte der entstehenden „Verkraterung“ bildet sich eine fein- bis grobgestockte Oberfläche. Mittlerweile sind auch Stockmaschinen erhältlich, die gegenüber der reinen Handarbeit eine höhere Flächenleistung bei der Herstellung ermöglichen. Der Einsatz gestockter Oberflächen ist im Wesentlichen auf den Außenbereich beschränkt.
Beflammte Oberflächen
Auch die beflammten Oberfläche sind fast ausschließlich im Außenbereich anzutreffen. Sie kommen überwiegend bei Silikatgesteinen mit einem entsprechend hohen Quarzanteil zum Einsatz. Bei diesem Verfahren wird die Gesteinsoberfläche mit einem Flammstrahl behandelt. Sobald eine Temperatur von 573 Grad Celsius überschritten wird, kommt es zum so genannten Quarzsprung. Dabei dehnt sich das Volumen des Quarzes schlagartig um 0,8 Prozent aus, was zu entsprechenden Abplatzungen an der Gesteinsoberfläche führt. Dies bewirkt eine Aufrauung der Oberfläche und somit eine Verbesserung der Rutschsicherheit.
Beflammte Oberflächen sind weit verbreitet. Ihr Einsatzbereich liegt fast ausschließlich im Außenbereich. Die Platten sollten eine ausreichende Dicke aufweisen, da das Gefüge des Steins durch diese Oberflächenbearbeitung stark beansprucht wird. Außerdem kommt es bei gelben Gesteinen, wenn die Farbgebung auf das Mineral Limonit zurückzuführen ist, zu einer rötlichen Verfärbung.
Jetgestrahlte Oberflächen
Bei diesem Verfahren wird die Gesteinsoberfläche mit einem Hochdruckwasserstrahl bearbeitet. Die Rauheit kann dabei variabel eingestellt werden. Meist liegt die Rauheit der Oberfläche zwischen der Rauheit einer gestockten und einer beflammten Oberfläche. Bei diesem Verfahren kommt es bei gelben Gesteinen zu keinen Verfärbungen. Auf den Kristallflächen entstehen außerdem interessante Glanzeffekte.
Antikisierte Oberflächen
Hierbei handelt es sich um Oberflächenbearbeitungen, die dem Stein einen „Used-Look“ verleihen. Der Stein sieht aus, als läge er bereits seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten im Gebäude. Um diesen Effekt zu erzielen wird der Stein bereits im Werk maschinell mit Gebrauchsspuren wie Prellern und Kantenabplatzungen versehen. Häufig kommen bei diesem Verfahren Rotationstrommeln zum Einsatz.
Sandgestrahlte Oberflächen
Hier erfolgt die Aufrauung der Oberfläche durch das Bestrahlen mit Quarzsand. Dabei entsteht im Vergleich zu den beflammten Oberflächen eine geringere Oberflächenrauigkeit. In den letzten Jahren wird dieses Verfahren häufiger angewandt. Es kommt auch des Öfteren in Kombination mit gebürsteten Oberflächen zum Einsatz. Außerdem lassen sich mit Hilfe des Sandstrahlens Dekore in polierte Oberflächen einarbeiten.
Gebürstete Oberflächen
Diese Art der Oberflächenbearbeitung ist vor allem in den letzten Jahren stark in Mode gekommen. Das Verfahren besteht im Wesentlichen aus zwei Arbeitsschritten. Im ersten Arbeitsschritt wird die Gesteinsoberfläche durch sandstrahlen, jetstrahlen oder beflammen angeraut und in einem zweiten Arbeitsgang wird der Stein durch ein flächiges Bürsten geglättet. Bei der Benennung dieser Oberflächen handelt es sich um herstellerspezifische Bezeichnungen. Eine einheitliche Terminologie gibt es in den technischen Regelwerken derzeit noch nicht.
Geschliffene Oberflächen
Gemäß DIN 18332 werden grob geschliffene, geschliffene und feingeschliffene Oberflächen unterschieden. Meist kommen für Bodenbeläge geschliffene und feingeschliffene Oberflächen zum Einsatz. Bei grobgeschliffenen Belägen können noch Sägeriefen erkennbar sein. Geschliffene Beläge haben eine matte bis seidenmatt glänzende Oberfläche. Im Vergleich zu polierten Oberflächen sind vor allem bei Karbonatgesteinen Gebrauchsspuren bei starker Frequentierung weniger erkennbar. Da es sich bei Natursteinen um monolithische Baustoffe handelt, können Gebrauchsspuren, die im Laufe der Jahre entstehen, vor Ort wieder ausgeschliffen werden.

Polierte Oberfläche
Diese Oberflächen zeigen Hochglanz und bringen die Farbtiefe der Steine erst voll zum Ausdruck. Wie bei anderen Werkstoffen auch, ist bei entsprechenden mechanischen Belastungen im Laufe der Zeit mit einer Abschwächung der Politur zu rechnen. Vor allem bei Bodenbelägen kommt es entsprechend der Frequentierung zu so genannten Laufstraßenbildungen.
Auch hier besteht die Möglichkeit durch schleifen und polieren einen Belag mit Abnutzungserscheinungen vor Ort wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Werden besondere Anforderungen an die Rutschsicherheit gestellt, so können zusätzliche Bearbeitungen wie das haid-tec-Verfahren, das Laserverfahren oder chemotechnische Verfahren zur Erhöhung der Rutschsicherheit polierter Beläge zum Einsatz kommen.