Eine große Gruppe von Menschen steht für ein Gruppenfoto vor einem historischen Gebäude mit einer Skulptur in der Mitte der Treppe.
Rund 150 Teilnehmende kamen zum 8. Fließestrichforum 2024 nach Fulda. (Quelle: VDPM)

Veranstaltungen 2024-09-22T22:00:00Z Nachhaltigkeit: Ein Thema für Estrichleger

Wichtigstes Fazit für die Teilnehmenden des 8. Fließestrichforum am 2. und 3. September 2024 in Fulda: Nachhaltigkeit ist in der Estrichbranche längst angekommen.

Am 2. und 3. September 2024 versammelten sich Fachleute aus Handwerk, Industrie, Planungs- und Sachverständigenbüros in Fulda. Der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM), das Institut für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung (IBF) und der Bundesverband Estrich und Belag (BEB) als Veranstalter widmeten rund die Hälfte des Programms der Nachhaltigkeit mit der Zielsetzung, zu verdeutlichen, dass alle Branchenbeteiligten sich damit spürbar intensiver als bisher auseinandersetzen müssen. Technische Praxisthemen bildeten den zweiten Schwerpunkt in Fulda.

Eine Frau steht auf einer Bühne und spricht auf einer Konferenz. Sie steht hinter einem Rednerpult mit dem Logo von Maritim Hotels.
Katrin Mees (ZDB) erläuterte Begrifflichkeiten und die einschlägige Gesetzgebung. (Quelle: VDPM)

Katrin Mees (Zentralverband des Deutschen Baugewerbe) betonte die lange Lebensdauer von bis zu 80 Jahren eingebauter (Fließ-)Estriche: „Somit liegt beim Estrich eine gute Ausgangsbasis für ein potenzielles Recycling vor.“

„Nehmen Sie das ernst, das Thema ist gekommen, um zu bleiben!“

Hannes Klockenhoff (Knauf Gips)

Hannes Klockenhoff (Knauf Gips) betonte in seinem Vortrag über Gebäudezertifizierung und einschlägige Siegel wie das der DGNB oder der Bundesregierung (QNG), dass Hersteller wie Verarbeiter die unmittelbare Produktanforderungen auch im Bodenbereich kennen sollten, die sich hinter den Kriterien für solche Zertifikate verbergen. Der Markt für zertifizierte Gebäude nach definierten Standards wächst, sodass hier Detailkenntnisse und konsequente Fortbildung die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken.

Nachhaltige Calciumsulfat-Fließestriche

Dr. Tim Link (CASEA) informierte über den Zusammenhang zwischen den Bindemitteln für Calciumsulfat-Fließestrich und dem CO2-Fußabdruck. „Calciumsulfat-Fließestriche zeichnen sich durch ihren vorteilhaften CO2-Fußabdruck aus und tragen durch die Nenndickenreduzierung (DIN 18560-2) ebenfalls zur Nachhaltigkeit bei“, erklärte Dr. Link. Environmental Product Declarations (EPDs) stellen nach seiner Ansicht ein sehr gutes Instrument für Estrichleger dar, dieses Ergebnis anhand konkreter Zahlen nachzuvollziehen und mit den positiven Werten zum Global Warming Potential (GWP) zu argumentieren.

Ein Mann hält einen Vortrag hinter einem Rednerpult.
Dr. Tim Link (CASEA) erklärte, wie Calciumsulfat-Fließestriche zur Nachhaltigkeit beitragen. (Quelle: VDPM)

Auf die Unterschiede zwischen Zementestrich und Calciumsulfat-Fließestrich beim GWP ging auch Hartmut Lange (Franken Maxit) ein und stellte entsprechende Bodenaufbauarten gegenüber. Die Nachrüstung mit dünnschichtigen Fußbodenheizungen und einer Kombination aus Calciumsulfat-Fließestrich und Strohpanel als Dämmstoff lasse sich besonders ökologisch realisieren.

Vorbild Dänemark

Nachhaltiges Bauen ist in Dänemark gesetzlich stärker verankert als in Deutschland. Rene Jacobsen (FBM HORUP A/S) berichtete, dass strengere CO2-Vorschriften dort zu einer steigenden Nachfrage nach Baustoffen mit geringerem CO2-Fußabdruck führen. Dies gelte auch für Calciumsulfat-Fließestrich, unter anderem durch die damit mögliche ergonomische, effektive und wirtschaftliche Bauweise mit wenig logistischem Aufwand, so Jacobsen. Die strenge CO2-Gesetzgebung motiviere Lieferanten auch zu Investitionen in Forschung und Entwicklung für nachhaltigere Produktionsmethoden. 

Ein älterer Mann, der einen Vortrag hält. Er trägt ein weißes Hemd und ein Mikrofon am Ohr.
Dieter Altmann (Sachverständigenbüro Altmann) erklärte, wie man Calciumsulfat-Estriche auch „unter Wasser“ einsetzen kann. (Quelle: VDPM)

Estrich unter Wasser 

Ist der Einsatz von Calciumsulfatestrich „unter Wasser“ entgegen DIN 18534-1 W2-I möglich? Diese Fragestellung war Thema von Dieter Altmann (Sachverständigenbüro Altmann). Nicht im direkten Duschbereich, lautete seine Antwort, aber in häuslichen Bädern auf Böden mit nicht aufstauendem Wasser – auch in der Beanspruchungsklasse W2-I. Voraussetzung sei eine fachgerecht applizierte Abdichtung mit rissüberbrückenden Dichtungsschlämmen und/oder Reaktionsharzabdichtungen, deren Anschlüsse an Ablaufrinnen oder Bodenabläufe sorgfältig und dicht ausgeführt werden müssen. 

Die Zukunft von Zementfließestrich 

Neue Marktsegmente lassen sich auch mit Zementfließestrich erschließen. Diesen Appell richtete Andreas Schäfer (Heidelberg Materials Beton DE) an das Fachhandwerk mit seinem Bericht über den Stand der Technik und einem Ausblick in die Zukunft dieser Estrichvariante. Die Hersteller arbeiteten an neuen Produkten mit geringerem Schwindverhalten und der Möglichkeit zu großen fugenlosen Flächen. Die Verarbeitung könne ähnlich der von Calciumsulfat-Fließestrichen erfolgen. Außerdem kündigte er für die Zukunft auch marktreife dünnschichtige Systeme an. 

Ein Mann hält einen Vortrag auf einer Bühne und gestikuliert mit den Händen.
Stefan Schubert stellte Strategien vor, mit Stress umzugehen: ausweichen, ändern, akzeptieren oder anpassen. (Quelle: VDPM)

Guter Umgang mit Stress 

Der Vortrag von Stefan Schubert fiel inhaltlich etwas aus dem Rahmen – sein Thema Stressbewältigung aber betraf sicher die meisten Zuhörenden im Saal. Über die Einflüsse und Reaktionen der Nervensysteme beim Entstehen von Stress kam er zu geeigneten Strategien und Verhaltensweisen, um damit zielgerichtet und gesundheitsfördernd umzugehen. Ausweichen, Ändern, Akzeptieren oder Anpassen? Schubert schilderte anschaulich, was in welchen Stress-Situationen Sinn macht. Viele müssten lernen, auch mal Nein zu sagen und sich anzugewöhnen, nicht gleich auf jede Mail sofort zu antworten. „Nehmen Sie Stress nicht auf die leichte Schulter, sondern tun Sie aktiv etwas dagegen“, lautete seine generelle Empfehlung. 

Probenentnahme bei Heizestrichen

Die praktischen Aspekte der Durchführung und Bewertung von Bestätigungsprüfungen an unbeheizten und beheizten Estrichen gemäß DIN 18560-2 erläuterte Egbert Müller (IBF Troisdorf). Ein Schwerpunkt des Vortrags war die besondere Situation der Probenentnahme bei Heizestrichen. Grundsätzliche Vorsicht gilt, wenn in alten Fußböden Schadstoffe wie Asbest oder polychlorierte Biphenyle (PCB) enthalten sein könnten. Hier sollten sich die Akteure zuvor die Schadstofffreiheit zusichern lassen. Ergeben sich außermittige Brüche beim Probekörper, könne dies auf unzureichend verdichtete Teilbereiche, Gefügeschäden oder Anrisse im Estrich hindeuten, so Müller. Solche Brüche müssten bei der Bewertung der Ergebnisse entsprechend berücksichtigt werden. 

Der Sprecher hält einen Vortrag bei einer Konferenz im Maritim Hotel.
Burkhard Prechel erläuterte technische Details des BEB-Merkblatts 9.2 und gab konkrete Hinweise für Planung und Ausführung. (Quelle: VDPM)

Toleranzen im Fußbodenbau

Der Abschlussvortrag des Fließestrichforums 2024 widmete sich den Toleranzen im Fußbodenbau nach BEB-Merkblatt 9.2. Burkhard Prechel (Mapei) schilderte die Zielsetzung des Merkblatts: „Wir wollten Bereiche erfassen, die durch die Toleranzennorm DIN 18202 nicht erfasst werden.“ Dies sind entsprechend der Leitsätze des BEB AK Sachverständige der Zeitpunkt der Messung, die Übertragung der Höhenbezugspunkte, die Höhenlage des Estrichs im Raum und in Türdurchgängen, die Höhenlage des Estrich-Anschlusses sowie des Bodenbelags an Einbauteilen und Schienen und die Höhenlage des fertigen Bodenbelages im Anschluss an angrenzende Bodenflächen. Burkhard Prechel erläuterte hierzu jeweils die wichtigsten technischen Details und gab konkrete Hinweise für Planung und Ausführung. 

Andres Seifert in den Ruhestand verabschiedet

Außerdem wurde Andres Seifert (Leiter des Arbeitskreises Estrich im VDPM) geehrt, der in den Ruhestand geht. Für sein „jahrzehntelanges, herausragendes Engagement auf vielerlei Ebenen in der Estrichbranche“ (VDPM) dankten ihm die Teilnehmenden in Fulda mit stehenden Ovationen. Die drei veranstaltenden Verbände setzten ihm mit einer künstlerisch gestalteten Grafik ein symbolisches Denkmal. 

Antje Hannig (VDPM) und Bernfried Hansel (BEB) verabschiedeten die Gäste des Fließestrichforums 2024 mit dem Hinweis auf die 9. Ausgabe, die für den Herbst 2026 geplant ist. Die Vorträge dieses Jahres stehen zum Download auf www.vdpm.info zur Verfügung.

zuletzt editiert am 24. September 2024
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