Schwarz-Weiß-Fotografie einer modernen Betonfassade mit klaren Linien und geometrischen Formen.
Die BAM entwickelt zerstörungsfreie Prüfverfahren, um gebrauchte Bauteile wieder nutzbar zu machen. (Quelle: Pixabay/Another Leaf)

2026-03-09T00:00:00Z Beton-Recycling ohne Schreddern

Wird Beton wiederverwertet, wird er bislang meist zerkleinert und als Füllmaterial verwendet. Eine tragende Wiederverwendung findet kaum statt. Genau da setzt ein Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) an: Statt Beton zu „schreddern“, sollen Bauteile wie Platten, Wände oder Stützen gezielt rückgebaut, geprüft und in neuen Tragwerken wiederverwendet werden.

Beton ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Baustoff – und zugleich einer der klimaschädlichsten. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) arbeitet im neuen Sonderforschungsbereich (SFB) an der Wiederverwendung von Bestandstragwerken. Das Ziel ist, innovative Prüfverfahren zu entwickeln, mit denen gebrauchte Betonbauteile effizient bewertet und für den Einsatz in neuen Bauwerken qualifiziert werden können. Damit leistet die BAM einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. 

Schema für die Wiedernutzung tragender Elemente aus Bestandsbauwerken (Quelle: Ruhr-Universität Bochum)

Ziel: maßgeschneiderte zerstörungsfreie Methoden

Der Re-Use solcher Elemente erfordert eine zügige und zugleich verlässliche Bewertung ihres Zustands. Konventionelle, meist invasive Prüfverfahren sind jedoch aufwendig und kostenintensiv. Das Teilprojekt der BAM entwickelt daher maßgeschneiderte zerstörungsfreie Methoden, die eine effiziente Einschätzung der Bauteile ermöglichen – präzise, wirtschaftlich und ressourcenschonend.  

„Damit aus Bauwerken zukünftig modulare Materiallager werden, braucht es neue Denkansätze im Umgang mit bestehenden Baustrukturen“, erklärt Ernst Niederleithinger, der den Sonderforschungsbereich an der BAM betreut. Seine Kollegin Jelena Bijeljic ergänzt: „In unserem Teilprojekt blicken wir in den Beton hinein und klassifizieren ihn bezüglich seiner Sicherheit und Lebensdauer, um ihm eine zweite Chance in einem neuen Gebäude zu geben.“ 

Die BAM bringt dabei ihre langjährige Expertise in der zerstörungsfreien Prüfung ein. Gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum, dem Karlsruher Institut für Technologie und der Universität Stuttgart entwickelt das Team Verfahren zur präzisen Bestandsaufnahme, Charakterisierung und Klassifizierung von Betonbauteilen. So können Qualität und Tragfähigkeit vorhandener Elemente zuverlässig bewertet werden – ohne sie zu beschädigen.

zuletzt editiert am 06. März 2026