In den Räumen der Tilution GmbH wurde der Messroboter „RaumCheck“ – kurz „RC1“ – erstmals der Presse vorgestellt.
Sozusagen die Weltpremiere hatte der „RC1“ im Rahmen der Sopro Profitage Anfang des Jahres gefeiert. Der Roboter soll Badezimmer und andere Innenräume präzise vermessen – und so beispielweise die Grundlage für eine digitale, rechtssichere Vorgewerksprüfung liefern.
Doch wie funktioniert eine präzise Aufmaßgenerierung, die punktgenaue Messdaten zur automatischen Weiterverarbeitung liefert? Dieser und noch einiger anderer Fragen sind wir bei RaumCheck nachgegangen und haben uns den Messroboter angeschaut. Und wir waren nicht allein: Julian Tintelnot, Geschäftsführender Gesellschafter von Linnenbecker, interessierte sich ebenfalls für den Roboter, der Fliesenlegerinnen und Fliesenlegern durch seine automatisierten Messungen Zeit ersparen kann und Fehler reduziert.
Tilution Geschäftsführer Dipl. Bau-Ing. Jan Grünewald, Prof. Dr.-Ing. Adrian Krzizok, Professor für Informatik, und Dipl. Wirtsch.-Ing. Wiebke Schumann, Trainerin für Projektmanagement und Kommunikation, stellten den Roboter vor – in eigens dafür gebauten Trainingsräumen mit allen typischen Baustellensituationen.

Zum Start führte Jan Grünewald durch den Testaufbau:
- Waschbeckenbereich, Bodenablauf, Duschrinne, Dusche und Duschnische
- Unterputz- und Aufputzarmaturen
- verschiedene Wandaufbauten: Aquapanel mit und ohne abgestoßene Fugen, verspachtelter und unverspachtelter Gipskarton, Ziegelmauerwerk mit Schlitzen, Steckdosen, Kabeln, Warm- und Kaltwasserleitungen
- unterschiedliche Deckenaufbauten: Holzwolle- und Mineralwollplatten, Lichtpaneele, Lüfter, Lehmbauplatten und Kühldeckensysteme
Der Grund: Der Roboter muss all diese unterschiedlichen Untergründe und Einbauten erkennen und korrekt interpretieren. „Das muss der Roboter alles lernen“, so Grünewald. Deshalb wurden bewusst auch „Fehler“ eingebaut – etwa fürchterlich schlecht verputzte Wände oder ein völlig verhunzter Estrichboden. Prof. Dr.-Ing. Adrian Krzizok erklärte anschließend den Roboteraufbau. Noch wiegt der Roboter 20 Kilogramm, wird in einer nächsten Version aber deutlich leichter und kompakter.
Demonstration im „Hotelbad“: Scan in rund 15 Minuten
Gesteuert wird das Gerät über ein iPad:
- Der Fliesenleger stellt den Roboter in den Raum, schaltet ihn ein und fährt ihn bei Bedarf per Hand an die Startposition oder in den nächsten Raum.
- Über das Tablet kann eine automatische Messfahrt gestartet werden.
Der Ablauf im Demonstrationsraum:
1. Der Roboter scannt zunächst den Raum für die Navigation (360-Grad-Aufnahme).
2. Dann fährt er eine definierte Strecke, stoppt und digitalisiert eine Wand mit dem Haupt-3D-Sensor.
3. Anschließend scannt der Linien-Laser den Bodenbereich.
4. Dieser Vorgang wiederholt sich in mehreren „Tapetenbahnen“, bis der gesamte Raum inklusive Decke erfasst ist.
Krzizok: „Wir gehen davon aus, dass wir unter 15 Minuten bei einer kompletten Digitalisierung liegen und haben dann etwa 15 Millionen Messpunkte.“ Die Datenmenge pro Raum liegt im Gigabyte-Bereich. Die Kombination aus Wand-/Deckenscanner und Bodenscanner ist nach seiner Aussage der Schlüssel zur hohen Genauigkeit: Für den Bereich von etwa ein bis vier Metern Abstand können 0,5 Millimeter Genauigkeit erreicht werden – nach seinen Angaben rund „Faktor 10 besser“ als andere Systeme im sechsstelligen Bereich. Da kein einzelner Sensor sowohl den Nahbereich als auch die Decke in dieser Präzision abdecken kann, wurden zwei unabhängige Messsysteme kombiniert und im Roboter zusammengeführt.

Wie die Datenverarbeitung in der Cloud funktioniert, welche Messsysteme der Roboter genau vereint und warum die digitale Vorgewerksprüfung nach Norm im Fokus steht, erfahren Sie in der Ausgabe 6/2026 von F+P Fliesen und Platten.