Die CDU hat sich auf ihrem Bundesparteitag in Essen mit großer Mehrheit für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in den 53 Gewerken ausgesprochen, bei denen der verpflichtende Meistertitel für die Gründung und das Führen eines Handwerksbetriebs 2004 abgeschafft worden war. Dazu gehört auch das Fliesenlegerhandwerk. (Foto: msd)
Der Vorsitzende des Fachverbands Fliesen und Naturstein im Zentralverband Deutsches Baugewerbe, Karl-Hans Körner, begrüßte diesen Beschluss. „Ich kann nur sagen, die Politik ist nicht nur aufgewacht, sondern handelt auch endlich! Ich freue mich, dass unsere Bemühungen erste Früchte tragen und hoffe, dass der Beschluss auch in das Bundestagswahlprogramm aufgenommen wird und damit in der nächsten Legislaturperiode umgesetzt wird. Es war richtig, dass wir nie von unserer Forderung nach der Wiedereinführung abgewichen sind. Es geht nicht nur um unser Handwerk, sondern vor allem um den Schutz der Verbraucher, die die Leidtragenden der unqualifizierten Handwerker sind.“
Der Antrag wurde auf Initiative der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) gestellt. Die MIT hatte im Juni 2016 ein Werkstattgespräch zum Thema durchgeführt. Körner hatte hier die Position des organisierten Fliesenlegerhandwerks dargelegt und die Veränderungen im Handwerk vorgestellt.
Der Beschluss des CDU-Parteitags sieht vor, den Meister für neu gegründete Unternehmen in den Berufen wieder einzuführen, in denen dies verfassungs- und europarechtskonform möglich ist. Eine Arbeitsgruppe soll sich dem Thema annehmen und Handlungsoptionen prüfen, um die Wiedereinführung der Meisterpflicht in der kommenden Wahlperiode zu erreichen. Geprüft werden soll außerdem, ob eine Erweiterung der Schutzzielbestimmung der Meisterprüfungsverordnung möglich ist – zum Beispiel auf Verbraucherschutz, Mittelstandsförderung, Unternehmerschutzverantwortung, öffentliche Auftragsvergabe und Arbeitnehmerverantwortung. Ein höherer beruflicher Standard soll etabliert werden, unter anderem durch die bundesweite Einführung des Berufsabiturs und Zugangsmöglichkeiten für Meister zu Master-Studiengängen.
Mit der Änderung der Handwerksordnung hat sich das Fliesenlegerhandwerk extrem verändert. Nach Angaben des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) gibt es inzwischen über 70.000 Fliesenlegerbetriebe in Deutschland, größtenteils Ein-Mann-Betriebe oder Solo-Selbstständige, darunter viele aus den Ländern Süd- und Osteuropas. Vorher seien es nur rund 13.000 gewesen. Statt ehemals rund 4.500 junge Menschen würden nur noch knapp 2.500 pro Jahr ausgebildet, statt 800 Meisterprüfungen gäbe es jährlich nur noch 100.
Diese Entwicklung führt nach Ansicht des Verbands Fliesen und Naturstein zu erheblichen Qualitätsverlusten im Fliesenleger-Handwerk. Und viel zu oft blieben die Bauherren auf den Kosten der Beseitigung von Schäden sitzen, die durch die nicht fachgerechte Verlegung von Fliesen entstanden sind – im Schnitt rund 9.000 Euro. Denn gerade die nicht-deutschen Ein-Mann-Betriebe verschwänden schnell wieder in ihre Herkunftsländer.
