Karl-Hans Körner
Karl-Hans Körner, Vorsitzender des Fachverbands Fliesen und Naturstein (Foto: msd)

2016-06-08T00:00:00Z Meisterbrief: Körner fordert Wiedereinführung

Karl-Hans Körner, Vorsitzender des Fachverbands Fliesen und Naturstein im Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) und ZDB-Vorstandsmitglied, hat die Wiedereinführung des Meisterbriefs im Fliesenlegerhandwerk gefordert. (Foto: msd)

„Wir treten für den Erhalt des Meisterbriefs als Zulassungsvoraussetzung im Handwerk ein und fordern gleichzeitig die Wiedereinführung des Meisterbriefs im Fliesenlegerhandwerk, aber auch im Estrichleger- und Betonstein- und Terrazzoherstellerhandwerk.“ Mit diesen klaren Worten unterstrich Karl-Hans Körner die Position des deutschen Baugewerbes zum Meisterbrief anlässlich eines Werkstattgesprächs der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) in Berlin.

Seit der Änderung der Handwerksordnung im Jahr 2004 habe sich das Fliesenlegerhandwerk dramatisch verändert. „Mittlerweile gibt es rund 72.000 Fliesenlegerbetriebe in Deutschland, größtenteils Ein-Mann-Betriebe oder Solo-Selbstständige, darunter viele aus den Ländern Süd- und Osteuropas. Vorher waren es nur 12.000. Insgesamt bilden wir 50 Prozent weniger Lehrlinge aus und haben 80 Prozent weniger Meisterschüler.“

Diese Entwicklung führe zu erheblichen Qualitätsverlusten im Fliesenlegerhandwerk – zum Schaden der Verbraucher: Da gerade die nicht-deutschen Ein-Mann-Betriebe schnell wieder in ihren Herkunftsländern seien, blieben die Bauherren auf den Kosten der Beseitigung der Schäden einer nicht fachgerechten Verlegung sitzen.

Der Missbrauch mit der Meisterfreiheit

Zudem bezeichnete Körner in dem Gespräch die Meisterfreiheit im Fliesenlegerhandwerk als Einfallstor für Scheinselbstständigkeit, Illegalität und Schwarzarbeit auf deutschen Baustellen. Viele Ein-Mann-Betriebe schlössen sich mit anderen zusammen und tauchten als reguläre Kolonne auf deutschen Baustellen auf, um anschließend alle möglichen Arbeiten zu verrichten – außer Fliesen zu verlegen. „Sie sind damit weitaus günstiger als deutsche Arbeitnehmer, die nach Tariflohn bezahlt werden; sie sind auch günstiger als sogenannte Werkvertragsarbeitnehmer, die den regulären Mindestlohn am Bau bekommen. Denn Ein-Mann-Betriebe unterliegen eben nicht dem Mindestlohn, und sie müssen auch nur geringe Sozialbeiträge leisten. Ob sie versichert sind, und ob sie von den geringen Stundensätzen die illegalerweise bezahlt werden, leben können, steht auf einem anderen Blatt Papier“, so Körner.

Die Wiedereinführung der Meisterpflicht sei der einzige Weg aus der Misere. Eine Mindestqualifikation, zum Beispiel eine Gesellenprüfung, als Zulassungsvorsetzung oder eine Versicherungspflicht für Selbstständige sind für Körner nur erste Schritte in die richtige Richtung.

www.fachverbandfliesen.de

zuletzt editiert am 11. März 2021
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