Lieferanten gewähren ihren Kunden mehr Zeit zum Bezahlen – gleichzeitig steigt der Zahlungsverzug bei kleinen und mittleren Unternehmen. Besonders im Baugewerbe bleiben Forderungen länger offen. Das zeigt eine Auswertung des Creditreform Debitorenregisters für deutsche Unternehmen.
Deutsche Unternehmen mussten im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt 32,21 Tage auf die Begleichung ihrer Rechnungen warten. Das Zahlungsziel stieg damit um 0,75 Tage gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten erhielten im Schnitt 35,51 Tage, Kleinunternehmen lediglich 26,37 Tage.
KMU zahlen später
Während Großkunden ihre Rechnungen im Schnitt nur 6,71 Tage verspätet beglichen, stieg die Überfälligkeit bei kleinen Unternehmen auf 10,52 und bei mittleren Unternehmen auf 10,66 Tage. Für Lieferanten bedeutet das ein wachsendes Ausfallrisiko. Creditreform empfiehlt deshalb regelmäßige Bonitätsprüfungen und eine konsequente Überwachung der Zahlungseingänge.

Baugewerbe mit langen Forderungslaufzeiten
Insgesamt lag die durchschnittliche Verzugsdauer überfälliger Rechnungen bei 8,14 Tagen. Gleichzeitig stieg die Forderungslaufzeit auf 40,35 Tage. Besonders lange Außenstände verzeichnet Creditreform bei Geschäftsbeziehungen mit dem Baugewerbe, unternehmensnahen Dienstleistern und dem Einzelhandel.
Als Gründe nennt Creditreform die schwache Konjunktur sowie gestiegene Material- und Kraftstoffpreise. Das ausstehende Forderungsvolumen je Schuldner sank dagegen auf 19.564 Euro. „Lieferanten und Kreditgeber müssen derzeit Kompromisse eingehen. Sie räumen ihren Kunden mehr Zeit für die Begleichung offener Rechnungen ein. Dass diese Strategie funktionieren kann, zeigen die derzeit geringe Verzugsdauer und die vergleichsweise niedrigen Forderungsbestände“, fasst Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, die Ergebnisse zusammen. „Allerdings könnte sich die Lage schnell verschlechtern, wenn die Konjunktur nicht bald wieder anspringt.“