Eine Infografik von Creditreform, die zeigt, dass die Zahlungsziele in verschiedenen Wirtschaftsbereichen wie Einzelhandel, Konsumgüter sowie Verkehr und Logistik im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr erneut ausgeweitet wurden.
Der Trend zu längeren Zahlungszielen setzte sich in den vergangenen Monaten fort. (Quelle: Creditreform)

Betrieb 2026-08-17T00:00:00Z Längere Zahlungsziele setzen Bauzulieferer unter Druck

Lieferanten gewähren ihren Kunden mehr Zeit zum Bezahlen – gleichzeitig steigt der Zahlungsverzug bei kleinen und mittleren Unternehmen. Besonders im Baugewerbe bleiben Forderungen länger offen. Das zeigt eine Auswertung des Creditreform Debitorenregisters für deutsche Unternehmen.

Deutsche Unternehmen mussten im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt 32,21 Tage auf die Begleichung ihrer Rechnungen warten. Das Zahlungsziel stieg damit um 0,75 Tage gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten erhielten im Schnitt 35,51 Tage, Kleinunternehmen lediglich 26,37 Tage.

KMU zahlen später

Während Großkunden ihre Rechnungen im Schnitt nur 6,71 Tage verspätet beglichen, stieg die Überfälligkeit bei kleinen Unternehmen auf 10,52 und bei mittleren Unternehmen auf 10,66 Tage. Für Lieferanten bedeutet das ein wachsendes Ausfallrisiko. Creditreform empfiehlt deshalb regelmäßige Bonitätsprüfungen und eine konsequente Überwachung der Zahlungseingänge.

Ein Säulendiagramm zeigt den Trend des durchschnittlichen Zahlungsverzugs in Tagen in Deutschland für das erste Halbjahr der Jahre 2022 bis 2026. Das Diagramm verdeutlicht den Anstieg des Zahlungsverzugs im Jahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr.
Der Zahlungsverzug steigt wieder leicht an, erreicht aber nicht das Niveau der Vorjahre. (Quelle: Creditreform)

Baugewerbe mit langen Forderungslaufzeiten

Insgesamt lag die durchschnittliche Verzugsdauer überfälliger Rechnungen bei 8,14 Tagen. Gleichzeitig stieg die Forderungslaufzeit auf 40,35 Tage. Besonders lange Außenstände verzeichnet Creditreform bei Geschäftsbeziehungen mit dem Baugewerbe, unternehmensnahen Dienstleistern und dem Einzelhandel.

Als Gründe nennt Creditreform die schwache Konjunktur sowie gestiegene Material- und Kraftstoffpreise. Das ausstehende Forderungsvolumen je Schuldner sank dagegen auf 19.564 Euro. „Lieferanten und Kreditgeber müssen derzeit Kompromisse eingehen. Sie räumen ihren Kunden mehr Zeit für die Begleichung offener Rechnungen ein. Dass diese Strategie funktionieren kann, zeigen die derzeit geringe Verzugsdauer und die vergleichsweise niedrigen Forderungsbestände“, fasst Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, die Ergebnisse zusammen. „Allerdings könnte sich die Lage schnell verschlechtern, wenn die Konjunktur nicht bald wieder anspringt.“

zuletzt editiert am 13. August 2026
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