Ein dredimensionales Dollarzeichen steht neben einigen Viren.
Die Corona-Krise lässt die Kosten für Baumaterialien in die Höhe schnellen. Quelle: Pixabay

Betrieb

07. April 2021 | Teilen auf:

Kosten für Baumaterialien explodieren

Alarm bei Bauunternehmen: Innerhalb eines Monats sind die Baumaterialpreise deutlich gestiegen. Auf den Mehrkosten bleiben die Baufirmen oft sitzen, Kurzarbeit und Insolvenzen drohen.

Allein der für das Bauen so wichtige Betonstahl verteuerte sich von Dezember 2020 bis Januar 2021 um 10,2 Prozent, der Preis für Mineralölerzeugnisse legte um 10,1 Prozent zu und Dämmstoffe für Fassaden kosten gut 25 Prozent mehr, wie der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen mitteilt. Auch für Baumaterialien wie Holz oder Kanalgrundrohre gibt es kräftige Preiserhöhungen. Das alles macht das Bauen teurer. Allerdings können solch kurzfristige Preissteigerungen oft nicht an die Bauherren weitergegeben werden: „Wenn ein Bauunternehmer vor Monaten einen Auftrag kalkuliert hat und jetzt die Materialpreise plötzlich enorm steigen, dann trägt er das volle Risiko“, beschreibt Rainer von Borstel, Hauptgeschäftsführer des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V., die Lage und verweist auf den harten Preiskampf innerhalb der Branche.

China liefert weniger Stahl, Deutschland hat weniger Holz

Grund für den deutlichen Anstieg der Stahlpreise ist unter anderem die begrenzte Lieferkapazität chinesischer Stahlhersteller. Dass die Nachfrage in China selbst anziehe, schlage sich weltweit in einem deutlichen Anstieg der Stahlpreise nieder, so der Verband. Doch auch bei regionalen Produkten wie Holz und Kies gibt es Preissteigerungen. Wenn heimische Bäume wegen Trockenheit oder Borkenkäferbefall gefällt werden, eignen sie sich nicht mehr als Bauholz, und Holz muss zunehmend auf dem internationalen Markt besorgt werden. Dort sorgt jedoch der Bauboom in den USA und China für steigende Preise. Auch die Erschließung neuer Kieslagerstätten in Deutschland wird wegen Umweltauflagen immer schwieriger.

Preissteigerungen vertraglich einbeziehen

Gegen Preisschwankungen auf dem Rohstoffmarkt können sich die Bauunternehmen nur begrenzt absichern, zum Beispiel durch Mehrkostenanmeldungen wegen höherer Gewalt, wie es die Corona-Pandemie sein könnte. „Gegenüber Verbrauchern ist eine Preiserhöhung von Leistungen nicht möglich, eine Anpassung kommt, wenn überhaupt, nur bei langfristigen Projekten in Frage und nur mit Entgegenkommen des Auftraggebers. Dem Unternehmer kann nur geraten werden, bei gewerblichen Auftraggebern individuell eine Regelung auszuhandeln, die Materialpreissteigerungen berücksichtigt“, erklärt von Borstel. „Den Baufirmen bleibt deshalb nur, mit den Lieferanten entweder eine feste Preisbindung zu vereinbaren, was so gut wie unmöglich ist. Oder sie sichern ihr Risiko von vornherein mit einem höheren Kostenpuffer in ihrem Angebot an den Auftraggeber ab. Das wiederum machen die wenigsten Unternehmer“, weiß von Borstel.

Anpassungen bei öffentlichen Aufträgen

Vor allem im Straßenbau und bei kommunalen Projekten gebe es derzeit einen Auftragsmangel. Deshalb scheuten sich Baubetriebe, mit höheren Preisen zu kalkulieren und dadurch womöglich bei der Auftragsvergabe leer auszugehen. Die üblichen Bieterwettbewerbe führten auf dem Bau aber oft in die Insolvenz, so von Borstel. Gerade öffentliche Auftraggeber müssten nun Nachverhandlungen bei Materialpreisen zulassen, da Ausfälle und Konkurse drohen.

Mehr zur Lage auf dem Rohstoffmarkt, Lieferengpässen und Logistikproblemen lesen Sie in der Rubrik „Rundschau“ in Ausgabe 5/2021 von F+P Fliesen und Platten.

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