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Die Kontrastfarben bei der Polymerabdichtung

(Foto: Saint-Gobain Weber)

Normenreihe Bauwerksabdichtungen, Änderungen
Foto: Saint-Gobain Weber

Die Ausführung von Polymerabdichtungen wird in der Norm mit (mindestens) zwei Aufträgen und unterschiedlichen Farben beschrieben. Ob die Verwendung der Kontrastfarben eine Kann-Bestimmung darstellt oder obligatorisch zu verstehen ist, ist strittig.

Markus Kohl: Zu den Kontrastfarben bei der Polymerabdichtung: Da herrscht im Moment draußen bei den Herstellern etwas Verwirrung. Meine Interpretation ist, dass der Verleger beim Aufbringen der Abdichtung eine zusätzliche Sicherheit hat, ob er die zweite Schicht deckend aufgetragen hat. Deswegen die zwei Farben. Es muss aber nicht zwingend sein, dass die Industrie jetzt eine Polymerabdichtung in zwei Farben liefert. Häufig ist die Masse, wenn sie feucht ist, heller, und wenn sie trocken ist, dunkler oder umgekehrt, was zur Orientierung ausreicht. Sollte ein Sachverständiger die Schichtdicke überprüfen, muss er dabei keine zwei unterschiedlichen Farben vorfinden. Er prüft lediglich, ob die Schichtdicke von 0,5 Millimetern bei der Polymerabdichtung und von zwei Millimetern bei der zementären Dichtschlämme erreicht wurde.

Rudolf Voos: Ja, genau, es geht letztlich um die Anforderung, dass die geforderte Schichtdicke bei der Polymerabdichtung erreicht wird. Aus meiner Sicht ist es kein Mangel, wenn keine zwei unterschiedlichen Farben aufgebracht werden. Entscheidend ist die Schichtdicke. Es ist eine Hilfestellung bei einer späteren Begutachtung, ob zwei Farbschichten aufgebracht worden sind, aber mehr nicht.

Thomas Schmidt: Aber in der Norm steht das definitiv so drin. Es heißt, es sind zwei Farben zu verwenden. Und dann muss der Facharbeiter aus meiner Sicht das auch so machen. Ansonsten hat er einen Mangel ohne Schaden. Sie sehen das vielleicht etwas pragmatischer, es gibt aber eine Vielzahl von Sachverständigen, die wirklich nur nach dem Regelwerk beurteilen und der Richter schlussendlich darauf sein Urteil fällt. Hier sehe ich auch eine Hinweispflicht bei uns als Hersteller, dass der Fachbetrieb die Variante mit den zwei Farben bestellt. Es kostet auch nicht mehr und er ist dann auf der sicheren Seite.

Rudolf Voos: Gerade im Bereich Polymerabdichtung wissen wir, dass viele Unternehmen, die keine qualifizierte Ausbildung haben, lediglich eine verdünnte Polymerabdichtung  aufbringen. Das wollten wir durch die Formulierung mit der zweifarbigen Abdichtung ausschließen. Entscheidend ist allerdings, dass die Schichtdicke erreicht wird.

Michael Schmidt-Driedger: Aber das ist jetzt nur die Interpretation dessen, was hier zu lesen ist.  

Rudolf Voos: Nein, die Norm formuliert Ziele, nämlich dass es dicht sein muss. Natürlich ist man auf der sicheren Seite, wenn man es zweifarbig ausführt. Aber das Normziel ist auch erreicht mit einer einfarbigen Polymerdispersion.

Thomas Schmidt: Wie gesagt, ich sehe das etwas anders, aber … Es steht hier drin und demzufolge ist es auch schlussendlich zu erbringen.

Markus Kohl: Ich lese es gerade mal vor. In Teil 3.81, Allgemeines: „Die Abdichtungsschicht muss mindestens in zwei Aufträgen, bei Polymerdispersionen in unterschiedlichen Farben (Kontrast) ausgeführt werden. Jeder Auftrag ist deckend aufzubringen, dies kann durch Spachteln, Streichen, Rollen oder Spritzen erfolgen“ usw. „Vor dem Auftragen des nächsten Auftrags muss der darunterliegende ausgehärtet sein, er darf nicht beschädigt werden und die Menge des Gesamtauftrages“ usw. „Mindesttrockenschichtdicke nicht unterschreiten“. Also hier wäre es so formuliert, dass es zwingend in zwei Farben aufgetragen werden muss. Man kann aber auch argumentieren, bei der Verarbeitung können das zwei Farben sein, weil es Hersteller gibt, die eine Masse verkaufen, die im nassen Zustand eine andere Farbe hat als im trockenen Zustand. Das bedeutet, wenn der Verarbeiter die erste Schicht aufgetragen hat und die getrocknet ist, dann ist sie hellgrau. Die nasse ist beim Auftragen der zweiten Schicht noch dunkelgrau. Also trägt er in zwei Farben auf und merkt, ich habe meine Dicke. Hier steht nicht drin, dass hinterher der Sachverständige diese zwei Farben finden muss.

Rudolf Voos: Da muss ich Markus Kohl Recht geben, das kann man genauso herauslesen. Sie sehen, der Vorteil dieser Gespräche und auch der Vorträge und Diskussionen rund um die Norm ist, dass man die tatsächlich gemeinten Inhalte auch dort vermitteln kann, und durch die Veranstaltung wird man ja auch immer auf Punkte aufmerksam, die so oder so gesehen werden können. Deshalb ist es wichtig, später im Rahmen eines Kommentars dann genau auf diese Punkte, die jetzt angesprochen werden, einzugehen.

17.01.2018