Der Landesverband Bayerischer Bauinnungen (LBB) spricht von einem “beispiellosen Nachfragerückgang im Wohnungsbau”.
Die Baukonjunktur wird sich weiter verschlechtern: Zu diesem Ergebnis kommt der Verband nach Auswertung seiner traditionellen Frühjahrskonjunkturumfrage, die er unter seinen Mitgliedsbetrieben durchführt. Knapp 400 mittelständische Unternehmen des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes haben sich dieses Jahr daran beteiligt.
„Der Konjunktureinbruch ist im bayerischen Baugewerbe angekommen. Unsere vor Jahresfrist geäußerten Warnungen haben sich leider bewahrheitet. Die Bundespolitik hat zu wenig getan, um gegenzusteuern. Geplante Investitionskürzungen der Bundesregierung in die Verkehrsinfrastruktur des Bundes sind da Gift“, heißt es aus dem Verband.
Die Ergebnisse
Mehr als die Hälfte aller Unternehmen (54 Prozent) bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht und nur 13 Prozent mit „Gut“. Fast jedes zweite Unternehmen (44 Prozent) rechnet für das kommende Halbjahr mit einer weiteren Verschlechterung seiner Geschäftslage. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr.
Kritik und Forderungen des LLB

- Die erhöhte degressive Abschreibung für Investitionen in den Wohnungsneubau reicht nicht aus.
- Investitionsanreize für Selbstnutzer fehlen.
- Die Bundesförderung über die KfW ist nicht ausreichend attraktiv.
- Energetische Anforderungen und Zinsen müssen reduziert werden.
- Planungs- und baurechtliche Rahmenbedingungen müssen verbessert werden: zum Beispiel Digitalisierung des Genehmigungsprozesse und Ermöglichen von Abweichungen von technischen Baubestimmungen/anerkannten Regeln der Technik, um einfacheres und kostengünstigeres Bauen zu ermöglichen.
„Die Vorschläge und Pläne hierfür liegen seit vielen Monaten auf dem Tisch. Bund und Länder müssen die bei den Wohnungsbaugipfeln, dem Bund-Länder-Pakt zur Baubeschleunigung und der Bauministerkonferenz beschlossenen Maßnahmen nun endlich schnell und vollständig realisieren.2
Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des LBB
Nachfragerückgang in allen Bausektoren
Hauptgrund hierfür sind die Auftragsbestände, die von 60 Prozent der Unternehmen als zu gering bezeichnet werden. Bei rund der Hälfte der im Wohnungsbau, Gewerbebau, Straßenbau und Öffentlichen Hochbau tätigen Unternehmen reicht der aktuelle Auftragsbestand weniger als sechs Wochen. Nur im Tiefbau und Ausbau sind die Auftragsreichweiten etwas höher.
Das hat Folgen für die Beschäftigung: jedes vierte Unternehmen plant in 2024 die Zahl seine Beschäftigten zu reduzieren. Dem gegenüber will nur noch jedes zehnte Unternehmen die Zahl seiner Mitarbeiter erhöhen.
Sinkende Umsätze für 2024 erwartet
Entsprechend erwarten 68 Prozent der Bauunternehmen anders als im Frühjahr 2023 geringere oder viel geringere Umsätze. Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des LBB, betont, dass trotz der schwierigen Lage die Bereitschaft des Baugewerbes zur Ausbildung junger Menschen ungebrochen ist: „Mehr als die Hälfte unserer Mitgliedsunternehmen wollen im bisherigen Umfang junge Menschen in einem unserer Bauberufe ausbilden. Jedes fünfte Unternehmen sogar mehr als bisher. Leider ist nach wie vor die Hälfte der angebotenen Ausbildungsplätze in unserer Branche unbesetzt. Der Bedarf an Fachkräften ist jetzt und in Zukunft hoch. Dies zeigt eindrucksvoll, dass sich unsere Branche auf die großen Aufgaben, die vor der Bauwirtschaft liegen, trotz der derzeitigen Konjunkturschwäche gut vorbereitet.“