Mario Draghi hält eine Rede an einem Pult, hinter ihm die europäische und italienische Flagge Quelle: Confindustria Ceramica
„Außendienst“ in Sassuolo: Regierungschef Draghi lobt Italiens Fliesenunternehmen. Quelle: Confindustria Ceramica

Industrie

02. June 2021 | Teilen auf:

Italiens Regierungschef besucht Sassuolo: „Wachstum beschleunigen“

Mario Draghi würdigt mit seinem Besuch die Bedeutung der italienischen Fliesenersteller. Die Verluste des vergangenen Jahres haben die Unternehmen im ersten Quartal 2021 bereits wieder aufgeholt, so Giovanni Savorani, Präsident der Confindustria Ceramica.

Als ersten Außentermin in einer rückläufigen Pandemie-Situation wählte der Italienische Regierungschef am 1. Juni das Industriegebiet rund um Sassuolo, in dem ungefähr 90 Prozent der Fliesenproduktion des Landes konzentriert ist. „Keramikfliesen sind und bleiben eines der Spitzenprodukte unserer Industrien. Der Anteil italienischer Keramikfliesen am internationalen Handel und die Daten des ersten Quartals 2021 bestätigen dies“, so Draghi in seiner Ansprache während eines Besuches bei einem Fliesenhersteller. Die Investitionen der Keramikwerke – insgesamt 2,2 Milliarden Euro in den letzten fünf Jahren – lägen weit über dem nationalen Durchschnitt und seien Ausdruck der Zuversicht, mit der die Branche in die Zukunft blicke.

Savorani: „Die Verluste gehen, die Mängel bleiben“

Der Präsident des Herstellerverbands Confindustria Ceramica beschrieb in Umrissen das Branchenjahr 2020, das mit einem Exportumsatz von 4,4 (2019: 4,5 ) Milliarden Euro abschloss. Die Verluste des vergangenen Jahres habe man im ersten Quartal 2021 bereits wieder aufholen können. Die Fliesenwerke beschäftigen nach den Worten Savoranis rund 20.000 Mitarbeiter direkt und weitere 20.000 in den Zulieferbranchen. Der Präsident beklagte in seinem Redebeitrag den Produktionsrückgang der Werke in Italien, der sich seit 20 Jahren fortsetze und sich mittlerweile auf ungefähr 200 Millionen Quadratmeter belaufe: Auf ihrem Höhepunkt rollten im Jahr 2001 über 638 Millionen Quadratmeter aus italienischen Öfen. Nach 422 Millionen Quadratmeter im Jahr 2017 waren es 2019 etwa 400 Millionen Quadratmeter. Die rückläufige Entwicklung, auch bedingt durch steuerliche Nachteile und höhere Löhne sowie Mängel bei den Infrastrukturen, begünstige vor allem die spanische Konkurrenz.

Aktuelle Zahlen zum Branchenjahr 2020 wird der Verband in der kommenden Woche anlässlich der Jahrespressekonferenz am 8. Juni vorlegen.

Die Buchungen für die kommende Cersaie zeigten eine weiterhin gute Dynamik, so Savorani: 95 Prozent der Ausstellungsflächen seien bereits „optioniert“.

Steigende Wirtschaftsleistung prognostiziert

Für die Region Emilia Romagna unterstrich Präsident Stefano Bonaccini die zügigen Fortschritte der Impfungen. Außerdem werde bereits Ende des kommenden Jahres die Wirtschaftsleistung der Region über dem Niveau vor dem Ausbruch der Pandemie liegen. „Wir werden genauso wie nach dem schrecklichen Erdbeben im Jahr 2012 wieder neu anfangen“, sagte Bonaccini.

Der Regierungschef und ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi betonte die Notwendigkeit kontinuierlichen wirtschaftlichen Wachstums für das Land, das in den vergangenen 20 Jahren gefehlt habe. Förderungen und Zuschüsse für die Digitalisierung der Unternehmen (30 Milliarden Euro), für Forschung und Entwicklung (12 Milliarden Euro) sowie den Mittel für den Öffentlichen und Privaten Bau (35 Milliarden Euro) sollen hier die nötigen Impulse schaffen.