Vittorio Borelli, italienische Fliesenindustrie
Vittorio Borelli, der Präsident des italienischen Fliesenverbands Confindustria Ceramica (Fotos: Confindustria Ceramica)

2016-06-17T00:00:00Z Italienische Fliesenindustrie: Umsatzplus

Der Umsatz der italienischen Fliesenindustrie stieg im Jahr 2015 um 4,1 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Die Exporte erreichten mit 4,3 Milliarden Euro (+ 5,1 Prozent) einen Rekordwert. Und der Absatz in Italien scheint sich mit einem Umsatz von 799 Millionen Euro (- 0,6 Prozent) stabilisiert zu haben. (Fotos: Confindustria Ceramica)

Vittorio Borelli, der Präsident des italienischen Fliesenverbands Confindustria Ceramica, präsentierte die Daten auf einer Pressekonferenz und skizzierte die Risiken der kommenden Monate. In den 150 Unternehmen produzierten im vergangenen Jahr 19.143 Mitarbeiter (- 1,5 Prozent) insgesamt 394,8 Millionen Quadratmeter Keramikfliesen (+ 3,4 Prozent). Der Mengenabsatz belief sich auf 396,9 Millionen Quadratmeter (+ 0,6 Prozent). Im Inland setzten die Italiener 80,3 Millionen Quadratmeter (2014: 80,8 Millionen Quadratmeter) ab. Die Exporte beliefen sich auf 316,6 Millionen Quadratmeter, was einem Plus von 0,9 Prozent entspricht: Den Export-Rekordwert haben die Werke in Italien also weitgehend durch einen höherwertigen Produktmix erwirtschaftet, die Menge dagegen blieb nahezu unverändert. Die Exportquote steuert – vor dem Hintergrund eines schwachen Inlandsmarkts – mittlerweile auf die 85-Prozent-Marke (2015: 84,4 Prozent) zu. In Deutschland wuchs sowohl der Umsatz als auch die Menge überdurchschnittlich gut, und diese Ergebnisse konnten die Italiener mit kleinen Veränderungen auch in das erste Quartal 2016 mitnehmen.

Die Investitionen in neue Anlagen erreichten mit 351,3 Millionen Euro (+ 22,7 Prozent) einen neuerlichen Höchststand: Damit gaben die Unternehmen fast sieben Prozent des Umsatzes für neue Fertigungsanlagen und Technologien aus. Bereits im Jahr 2014 waren die Investitionen um 27 Prozent gestiegen. Der Weg der italienischen Industrie zum Anbieter von Kollektionen in einem hochwertigen Produktmix bleibt damit vorgezeichnet.

Italienische Fliesenindustrie, Produktion
Die italienische Fliesenindustrie investiert weiter kräftig in neue Anlagen und Technologien.

Wachstum der Auslandsgesellschaften

Mehrere italienische Fliesenhersteller betreiben in den USA, in Europa (außerhalb Italiens) und in Russland eigene Werke. Die insgesamt 16 Unternehmen produzierten im Jahr 2015 rund 82,3 Millionen Quadratmeter. Dies entspricht einem Zuwachs von 6,62 Prozent. Der Absatz verbesserte sich um 2,27 Prozent auf 82,4 Millionen Quadratmeter. Der Umsatz dieser Werke stieg im vergangenen Jahr um 9,8 Prozent auf 792,2 Millionen Euro (2014: 721,5). Gut 58 Prozent dieses Umsatzes werden in europäischen Werken generiert, 21,5 Prozent in den Vereinigten Staaten. Knapp 79 Prozent ihres Umsatzes erzielen diese Werke in dem Land beziehungsweise dem Markt, in dem sie auch ihren Sitz haben. Die übrigen Mengen gehen in den Export oder werden innerhalb der betreffenden Hersteller-Gruppe ausgeliefert oder ausgetauscht.

Die italienischen Hersteller von sanitärkeramischen Elementen produzierten 2015 insgesamt 3,77 Millionen Stücke (+ 1,4 Prozent). Der Umsatz belief sich auf 294,9 Millionen Euro (+ 1,95 Prozent). Die 33 Unternehmen exportierten Produkte in einem Wert von 132,7 Millionen Euro. Die Exportquote erreichte hiermit – bei steigender Tendenz – einen Wert von 45 Prozent.

Nach dieser insgesamt positiven Entwicklung im Jahr 2015 rechnet Präsident Vittorio Borelli in den kommenden Monaten mit weniger günstigen Rahmenbedingungen für Italiens Fliesenindustrie. Borelli nannte in diesem Zusammenhang die allgemeine Eintrübung der globalen Konjunktur, den schwächeren Dollar, anziehende Ölpreise sowie das Ende der lockeren Zinspolitik in den USA. Darüber hinaus sei die Entscheidung darüber, ob China der Status einer Marktwirtschaft zugestanden werde, von entscheidender Bedeutung. Borelli äußerte die Befürchtung, dass China dann die Märkte mit Keramik zu Billigstpreisen „fluten“ könnte – so wie dies gerade mit billigem Stahl passiert. Die sei, so Borelli, derzeit das „wichtigste Thema auf der internationalen Agenda“ des Verbands.

  www.confindustriaceramica.it

zuletzt editiert am 11. März 2021
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