Die vorläufigen Zahlen sehen gut aus: Italiens Fliesenhersteller steigerten im Jahr 2016 Produktion und Absatz. „Gute Ergebnisse dank Investitionen und Innovation“, kommentierte Vittorio Borelli, Präsident des italienischen Verbands der Fliesenhersteller, der Confindustria Ceramica, anlässlich der Präsentation der Daten. (Foto: Confindustria Ceramica)
Die Confindustria Ceramica gab Ende Dezember die Ergebnisse des Jahres 2016 bekannt. Bei den Daten handelt es sich um die Entwicklung der Produktions- und Absatzmengen. Daten zur Umsatzentwicklung werden erst in den kommenden Monaten bekanntgegeben werden. Grund für die Verzögerung sind die Währungsschwankungen in erster Linie mit dem Dollar-Raum. Der Umsatz des Jahres 2015 belief sich auf 5,1 Milliarden Euro (+ 4,1 Prozent gegenüber 2014). Wo im Text Umsatzdaten genannt werden, stammen diese aus anderen Quellen oder früheren Jahren.
Nach den vorliegenden Daten erreichte die Produktion im Jahr 2016 gut 416 Millionen Quadratmeter. Dies entspricht einem Plus von 5,4 Prozent im Jahresvergleich. Seit dem Jahr 2012, als die Produktion an einem Tiefststand angelangt war, konnte der Ausstoß um rund 50 Millionen Quadratmeter gesteigert werden. Zum Vergleich: Die deutsche Fliesenindustrie produziert circa 57 Millionen Quadratmeter: Die Italiener haben in den vergangenen vier Jahren folglich zusätzlich zu ihrer Basisproduktion ein „kleines Fliesen-Deutschland“ generiert.
Der Mengenabsatz kletterte im Jahresvergleich um 4,6 Prozent auf mehr als 415 Millionen Quadratmeter. Der Verkauf auf den Exportmärkten verbesserte sich um 4,4 Prozent auf knapp 331 Millionen Quadratmeter. Das Absatzplus von 5,5 Prozent (84,4 Millionen Quadratmeter) auf dem italienischen Markt wertete Verbandschef Borelli als lang ersehnte Trendwende im Binnengeschäft.
Besonders in Westeuropa und den USA verkauften sich die Fliesen auffallend gut: Mit plus 4,9 Prozent (166,8 Millionen Quadratmetern) in Westeuropa – vor allem getragen vom expansiven Geschäft in Deutschland, Großbritannien und Frankreich – und einem Plus von fünf Prozent in den USA (47 Millionen Quadratmeter), erreichte das Absatzwachstum auf diesen Märkten sehr gute Werte.
Das Deutschlandgeschäft der Italiener zeigte im ersten Halbjahr 2016 eine sehr beeindruckende Dynamik mit guten Mengen- und Umsatzzuwächsen. Bis Ende September „entschleunigte“ sich dieser Prozess etwas, aber die Zahlen lagen immer noch über dem Durchschnittswert des Gesamtjahres 2016.
Mit einem prognostizierten, weltweiten Export-Plus von 3,3 Prozent in diesem Jahr und 3,8 Prozent 2018 erwartet der Verband eine Konsolidierung dieser erfreulichen Entwicklung. Sowohl der Absatz im Inland als auch im Ausland sowie die Produktion wachsen in den beiden kommenden Jahren weiter. Der Verband prognostiziert für dieses Jahr eine Produktionssteigerung von 3,4 Prozent und für das kommende Jahr 2018 eine Verbesserung um 3,7 Prozent; dies würde die Menge in diesem Jahr auf 430,5 Millionen Quadratmeter erhöhen, und im kommenden Jahr auf 446,4 Millionen Quadratmeter treiben. In den Angaben ist nur die Produktion der Werke in Italien berücksichtigt.
Die 16 italienischen Werke im Ausland – Daten hierzu lieferte der Verband diesmal nicht - weisen seit Jahren einen kontinuierlichen Produktionszuwachs auf. Im Jahr 2015 waren es 82,3 Millionen Quadratmeter (+ 6,6 Prozent) bei einem Umsatz von 792,2 Millionen Euro (+ 9,8 Prozent). In dieser Zahl ist die Marazzi Group nicht enthalten, da das Unternehmen seit 2013 zur US-amerikanischen Mohawk gehört. Die letzte, „vollständige“ von der Confindustria Ceramica bekanntgegebene Zahl zur Auslandsproduktion stammt aus dem Jahr 2013 (Berichtsjahr 2012) und beläuft sich auf 139 Millionen (+ 14,75 Prozent) Quadratmeter bei einem Umsatz von 1,195 Milliarden Euro (+ 14,3 Prozent).
Umsätze 2007 bis 2015: „Runter und rauf“
Der Verband legte auch eine anonymisierte Bilanzanalyse von 64 Fliesenherstellern vor, die regelmäßig in Zusammenarbeit mit einem Bankinstitut erstellt wird. Die untersuchten Hersteller repräsentieren ungefähr 73 Prozent des Gesamtumsatzes der italienischen Fliesenindustrie. Der Berichtszeitraum lag zwischen 2007 und 2015. Die gewählte Zeitspanne liefert nicht nur eine Innenansicht der finanziellen „Befindlichkeit“ der Unternehmen, sondern illustriert auch, wie die Fliesenhersteller durch die Finanzkrise des Jahres 2008 hindurch- und herausgekommen sind. Für die Untersuchung wurden die Unternehmen in drei Umsatzgruppen eingeteilt: mehr als 120 Millionen Euro, zwischen 40 und 120 Millionen Euro, bis maximal 40 Millionen Euro.
Die Umsatzkurve zeigt im Zeitraum 2008/2009 einen markanten Rückgang – ausgelöst durch die Finanzkrise. Nach einer Stabilisierungsphase mit leichten Zuwächsen im Zeitraum 2010 bis 2012 folgt in den Jahren 2012/2013 – in die die Eurokrise, der Rücktritt der Regierung Mario Monti im Dezember 2012 und die Neuwahlen im Februar 2013 fallen – ein weiterer Einbruch. Seit den beiden Jahren 2013 und 2014 wachsen die Umsätze wieder. Hierbei konnten nur die Unternehmen der dritten Gruppe bis 2015 das Niveau der Umsatzerlöse vor der Insolvenz der US-amerikanischen Lehmann Brothers im Oktober 2008 wieder erreichen. Vereinzelt gelang es allerdings auch größeren Unternehmen, das vorherige Umsatzniveau wieder zu erreichen.
Durchweg gut ist hingegen das innere Wachstum aller untersuchten Unternehmen, die fast alle zwischen 2007 und 2015 sowohl das Bruttoergebnis als das Betriebsergebnis auf das Margen-Niveau des Jahres 2007 zurückführen oder sogar darüber hinaus verbessern konnten. Die Analyse illustriert aus diesem Grund einerseits die positiven Effekte des verbesserten Produktmixes der italienischen Industrie – mit Großformaten und Keramik in Überstärken –, zeigt aber auch, dass sich die kleineren Unternehmen in einem Umfeld, dass durch ein konstant hohes Investitionsniveau geprägt wird, bis jetzt zu behaupten wissen. Signifikante Rückgänge bei den Produktionskosten verzeichnen nur die Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 120 Millionen Euro.
Der Präsident der Confindustria Ceramica Vittorio Borelli unterstrich die positive Entwicklung des Exportgeschäfts sowie die Trendwende in Italien. Borelli benannte aber auch Risiken für das laufende Jahr, zu denen auch wieder China zählt. Zwar habe die Europäische Kommission am 11. Dezember 2016 nicht beschlossen, China den Status einer Marktwirtschaft zuzugestehen. „Das hat auch seine Richtigkeit, weil China den fünf hierzu notwendigen Kriterien der WTO (World Trade Organization) nicht Genüge tut“, so Borelli. Diesem Lob für die Europäische Kommission folgte jedoch eine Kritik an dieselbe Adresse: So habe die Kommission neue Regeln für das Funktionieren von Anti-Dumping-Zöllen, beschlossen, die weniger „effizient“ seien. Es sei zu hoffen, dass das Europäische Parlament die neuen Regeln in seinen kommenden Aussprachen ablehnt. Die „Strafzölle“ waren Mitte September 2016 nach fünf Jahren ausgelaufen. Sie unterliegen derzeit einer Überprüfung, die noch bis Ende 2017 dauern wird. Die Maßnahmen bleiben so lange in Kraft.
