Grafik zeigt die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland von 2020 bis zur Prognose für 2025.
Die Unternehmensinsolvenzen sind um über neun Prozent gestiegen. (Quelle: Creditreform)

Betrieb 2025-07-29T14:59:02Z Insolvenzen erreichen Zehnjahreshoch

Die deutsche Wirtschaft steckt, trotz einiger positiver Signale, weiter in einer Rezession. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im ersten Halbjahr 2025 auf den höchsten Stand seit zehn Jahren gestiegen.

Nach Angaben der Creditreform Wirtschaftsforschung wurden 11.900 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das entspricht einem Anstieg von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (10.880 Fälle). Bereits im Vorjahr war ein kräftiger Zuwachs von 28,5 Prozent zu verzeichnen.

„Trotz einiger Hoffnungssignale steckt Deutschland weiter in einer tiefgreifenden Wirtschafts- und Strukturkrise. Unternehmen kämpfen mit schwacher Nachfrage, steigenden Kosten und anhaltender Unsicherheit. Besonders die finanziellen Reserven schwinden, Kredite werden teils nicht mehr verlängert und immer mehr Betriebe geraten in ernsthafte Schwierigkeiten“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Da auch im weiteren Jahresverlauf keine nennenswerte Konjunkturerholung erwartet wird, bleibt das Insolvenzrisiko derzeit hoch. „Die Zahl der Pleiten wird bis Jahresende weitersteigen“, prognostiziert Hantzsch.

Gläubigern drohen Milliardenschäden

Die wirtschaftlichen Folgen der Insolvenzen sind erheblich: Die geschätzten Forderungsausfälle aus Unternehmensinsolvenzen beliefen sich im ersten Halbjahr 2025 auf rund 33,4 Milliarden Euro. Pro Insolvenzfall ergibt sich damit eine durchschnittliche Schadenssumme von etwa 2,8 Millionen Euro – deutlich mehr als in den Jahren 2022 und 2023.

Auch die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze ist gestiegen: Rund 141.000 Arbeitnehmer arbeiteten in den betroffenen Unternehmen – ein Anstieg von 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr (133.000). Vor allem Großinsolvenzen treiben diese Zahl in die Höhe. 

Grafik zeigt die Anzahl der Insolvenzen in den Hauptwirtschaftsbereichen im ersten Halbjahr 2024 und 2025.
Das Baugewerbe steht mit einer Insolvenzsteigerung von 1,7 Prozent im Vergleich gut da. (Quelle: Creditreform)

Verarbeitendes Gewerbe leidet unter Wirtschaftskrise

Besonders stark betroffen von der schwachen Industrieproduktion ist das Verarbeitende Gewerbe. Hier stiegen die Insolvenzen entsprechend deutlich um 17,5 Prozent. Auch im Handel wurde ein überdurchschnittlicher Zuwachs von 13,8 Prozent verzeichnet – dies war bedingt durch Kaufzurückhaltung und dem intensiven Wettbewerb im Online-Handel. Im Baugewerbe fiel die Zunahme mit plus 1,7 Prozent vergleichsweise gering aus. Nach wie vor entfällt der Großteil der Insolvenzen auf den Dienstleistungssektor: Mit fast 7.000 Fällen macht dieser Bereich rund 58,5 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen aus.

zuletzt editiert am 29. Juli 2025
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