Industrieverband Keramische Fliesen + Platten e. V.
Trotz gleich bleibendem Absatz der Fliesen ist der Industrieverband Keramische Fliesen + Platten e. V. mit der Umsatzentwicklung nicht ganz zufrieden. (Foto: M. Gapfel/pixelio.de)

2015-04-30T00:00:00Z Industrieverband Keramische Fliesen + Platten: Marktentwicklung 2014 und Ausblick für 2015

2014 wurden mehr Fliesen produziert als im Jahr zuvor. Auch die Baukonjunktur verspricht 2015 einen mindestens gleichbleibenden Absatz. Dennoch steht der Industrieverband Keramische Fliesen + Platten e. V. vor wichtigen Hausaufgaben in diesem Jahr. (Foto: M. Gapfel/pixelio.de)

Der Fliesenverbrauch ist in 2014 um mehr als vier Prozent auf knapp über 120 Millionen Quadratmeter Fliesen gewachsen. Die baukonjunkturellen Prognosen sind auch für dieses Jahr unverändert gut, so dass zumindest ein gleichbleibender Absatz erwartet wird.

Die Verbrauchszahlen sind um den Export auch solcher Produkte bereinigt, die zunächst nach Deutschland importiert wurden. Nicht berücksichtigt werden konnten hingegen Bestandsveränderungen im Handel, weil darüber keine Informationen zur Verfügung stehen. Insgesamt wird der Lagerbestand (im Handel) jedoch von Experten, abhängig von Belieferung und Abverkauf, auf ca. 30 – 40 Millionen Quadratmeter geschätzt. Diese Marktentwicklung beruht unter anderem auf einer steigenden Beliebtheit der Fliese im Vergleich zu Wettbewerbsmaterialien: So haben seit 2010 zum Beispiel Teppichböden gut 22 Prozent und Laminat dreizehn Prozent an Absatz verloren, die keramische Fliese hingegen +10,4 Prozent gewonnen. Diese Verschiebung ist maßgeblich auf die von der deutschen Fliesenindustrie vor acht Jahren initiierte und unter Beteiligung des Fachverband Fliesen und Naturstein erfolgreich durchgeführte Imagekampagne „pro Fliese“ zurückzuführen – von der alle Branchenpartner profitieren. Dies bestätigt eine große Marktstudie der B+L Marktdaten GmbH in Bonn, nach der sich der Einsatz keramischer Fliesen im Wohnbereich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt hat.

Italien größter Fliesenimporteur

Von den Importeuren halten die italienischen Hersteller mit 48,1 Millionen Quadratmeter den größten Anteil (+10,4 Prozent). Sie konnten somit ihre Verluste am deutschen Markt aus der Vergangenheit von gut 30 Prozent oder mehr als 25 Millionen Quadratmeter teilweise ein wenig ausgleichen. Gefolgt werden sie von Herstellern aus Tschechien (+12,5 Prozent), Spanien (+7,3 Prozent), Türkei (+19,8 Prozent), China (+9,9 Prozent) und Polen (+10,8 Prozent), die zusammen knapp 89 Prozent aller Importe repräsentieren. Der mengenmäßige Verkaufserfolg ausländischer Hersteller beruht auf unterschiedlichen Faktoren. In den meisten Importländern liegt die eigene Baukonjunktur am Boden, so dass der Exportdruck gestiegen ist. Deutschland ist in Europa mit seiner starken Baukonjunktur ein begehrtes Exportland. Marktzuwachs wurde meistens über Preisgestaltung geschaffen.

Denn wirtschaftlich konnten die wenigsten Herstellerländer davon profitieren.

Im Durchschnitt sind die Erlöse ausländischer Fliesenlieferanten nicht gestiegen (+0,06 Prozent), denn die Erlösentwicklung war meist negativ. In Westeuropa konnten lediglich Italien und Deutschland mit jeweils plus circa zwei Prozent moderat zulegen.

Schon die Anzahl der Akteure zeigt das Potential der ausländischen Wettbewerber. Schätzungsweise 89 ausländische Hersteller, darunter mehr als 35 aus Italien, agieren – häufig mit mehreren Marken - auf dem Inlandsmarkt. Dem stehen 10 im Industrieverband organisierte heimische Produzenten gegenüber. Im Ergebnis hat sich die Mehrmarkenpolitik der italienischen Hersteller bewährt, mit der sie dem Handel regional Exklusivverkaufsrechte gewähren und geschickt neue Märkte und Nischen in hochpreisigen Segmenten besetzen können.

Phase der Umstrukturierung in der deutschen Fliesenindustrie

Momentan befindet sich die deutsche Fliesenindustrie in einer Phase der Umstrukturierung. Alte, nicht rentable Werke werden stillgelegt. Seit 2014 wurden beziehungsweise werden gut zehn Prozent der heimischen Produktionskapazitäten außer Dienst gestellt. Die entfallenden Produktionskapazitäten werden schrittweise durch Investitionen in die bestehenden oder in neue, modernste Anlagen ersetzt. Im Ergebnis hat dies in 2014 zu einem Rückgang der Produktion in Deutschland von 0,8 Prozent auf 53 Millionen Quadratmeter geführt.

Die Marktentwicklung ist für die deutsche Fliesenindustrie im vergangenen Jahr nicht zufriedenstellend verlaufen. Die Mitgliedsunternehmen werden aus diesem Grund diese Entwicklung kritisch hinterfragen und die für ihre jeweiligen Unternehmen und Produkte passenden Antworten finden. Die Entwicklung auf dem deutschen wie europäischen Fliesenmarkt bleibt somit spannend. Die Marktverhältnisse haben sich in den letzten zehn Jahren deutlich verschoben: Insgesamt halten deutsche Hersteller aktuell 27

Prozent (2005: 29 Prozent) am deutschen Markt, italienische circa 37 Prozent (2005: 44 Prozent) und die aus der Tschechischen Republik, Spanien, der Türkei, China und Polen jeweils fünf beziehungsweise sechs Prozent.

www.fliesenverband.de

www.pixelio.de

zuletzt editiert am 11. März 2021
Newsletter