Funktionsweise von Imprägnierungen und Versiegelungen (Foto: Informationsdienst Naturstein/Trier)

Naturstein 2015-08-06T00:00:00Z Imprägnierung und Versiegelung

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird zwischen Imprägnierungen und Versiegelungen meist nicht richtig unterschieden. Die beiden Begriffe sind häufig als Synonyme in Gebrauch. Dabei unterscheiden sich beide Verfahren erheblich in ihren Wirkungsweisen. (Foto: Informationsdienst Naturstein/Trier)

Eines haben Imprägnierungen und Versiegelungen gemeinsam. Sie sollen Naturstein vor Fleckenbildungen schützen. Zudem vereinfachen sie die Reinigung. Naturstein ist ein harter und kompakter Baustoff. Deshalb glauben viele, Natursteinbeläge seien wie eine Metall- oder Glasplatte absolut dicht. Doch dieser Eindruck täuscht. Natursteine verfügen über ein offenes Kapillarsystem und das ist gut so. Durch dieses offene System kann Feuchtigkeit aufgenommen und abgegeben werden. Im Innenbereich trägt dies zu einem gesunden Raumklima bei. Beläge im Außenbereich nehmen Feuchtigkeit bei Niederschlägen auf. Dies führt zu einer schnelleren Abtrocknung von Treppen- und Bodenbelägen. Die Bildung langanhaftender und rutschgefährdender Wasserfilme auf dem Belag wird dadurch reduziert.

Treffen Verschmutzungen in fester oder gelöster Form auf die Natursteinoberfläche, so können diese ebenfalls in das Kapillarsystem des Steins eindringen. Um ein Eindringen und Festsetzen dieser Fremdstoffe zu verhindern, sollten Flecken möglichst rasch entfernt werden. Imprägnierung und Versiegelung erschweren das Endringen dieser Verschmutzungen.

Dampfdiffusionsfähigkeit des Steins bleibt weitestgehend erhalten

Imprägnierungen wirken nicht an der Oberfläche, sondern im Kapillarsystem des Steins. Dies hat den Vorteil, dass sie keinem direkten mechanischen Abrieb unterliegen. Sie befinden sich am oberen Ende der Kapillarhälse. Also sozusagen am oberen Eingang des Kapillarsystems. Hier legen sie sich als Film auf die angrenzenden Minerale. Die Kapillare wird dabei nicht verschlossen, sondern lediglich in ihrem Querschnitt etwas eingeengt. Dadurch bleibt die Dampfdiffusionsfähigkeit des Steins weitestgehend erhalten. Der Film erschwert es Wasser in flüssiger Form von oben in den Stein einzudringen. Befindet sich Feuchtigkeit im Stein oder in der Unterkonstruktion, so kann diese die Imprägnierung als Wasserdampf passieren. Sie ist deshalb gut für Treppen- und Bodenbeläge geeignet.

Bei der Versiegelung ist die Funktionsweise eine andere. Hier wird ein Film oberflächlich über den gesamten Belag gezogen. Die Versiegelung wirkt nicht im Stein, sondern an dessen Oberfläche. Die Kapillarhälse werden beim Ausbringen nicht lediglich mit einem Film bekleidet, sondern vollständig geschlossen. Dadurch können zwar weder Wasser noch Verschmutzungen in den Belag eindringen, da er nahezu „dicht“ ist, auf der anderen Seite kann jedoch aus dem Untergrund auch keine Feuchtigkeit mehr über diese Sperre hinweg nach außen gelangen. Selbst der Durchgang von Wasserdampf ist nicht mehr möglich. Deshalb sollten Versiegelungen möglichst nur auf Bauteile aufgebracht werden, bei denen keine Durchwanderung von Feuchtigkeit zu erwarten ist, wie beispielsweise bei Fensterbänken, Tischplatten oder Möbelabdeckungen.

Vorsicht bei Treppen- und Stufenbelägen!

Werden Anforderungen an die Rutschsicherheit derartiger Beläge gestellt, sollten keine Versiegelungen zum Einsatz kommen. Die Versiegelungen wirken auf geschliffenen oder rutschhemmend eingestellten Bodenbelägen wie ein Gleitlager. Sie setzen durch ihre oberflächliche Filmbildung die Rutschhemmung erheblich herab.

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zuletzt editiert am 11. März 2021