HwK Niederbayern-Oberpfalz
Kursleiter Andreas Freundorfer (stehend, 1. v. li.) gratulierte den Absolventen zu ihren Leistungen im Meisterkurs. (Foto: HwK Niederbayern-Oberpfalz)

2015-03-13T00:00:00Z HWK Niederbayern-Oberpfalz: „Der Meistertitel gilt bei den Kunden als Qualitätsmerkmal“

15 Teilnehmer bestanden im Bildungszentrum der Handwerkskammer ihre praktische Prüfung zum Fliesenlegermeister. Dabei waren auch zwei junge Frauen, die sich für ihren Traumberuf das Meistersiegel anheften dürfen. (Foto: HwK Niederbayern-Oberpfalz)

„Es gibt nichts Schöneres als Fliesenlegen.“ Michael Wiesinger aus Kirchroth im Landkreis Straubing-Bogen streicht über sein Meisterstück und wirkt für einen Mitte-Zwanzigjährigen erstaunlich zielstrebig und in sich ruhend. Er ist glücklich mit seiner Berufswahl Fliesenleger . Dabei erntete er vor vier Jahren bei einigen Mitschülern verständnisloses Kopfschütteln, als er nach dem Abitur statt an die Uni in den väterlichen Betrieb wechselte, um eine Lehre zu beginnen. „Ich wollte nie etwas anderes machen. Fliesenleger war schon immer mein Traumberuf“, erzählt der Niederbayer. Er hat seine Wahl nie bereut. „08/15-Arbeiten“ sind ihm ein Gräuel.

Seit 31 Jahren führt sein Vater einen Fliesenlegerbetrieb. Michael Wiesinger will die Handwerkstradition in der Familie fortsetzen. Dabei führt für ihn am Meistertitel kein Weg vorbei. „Ich will den Betrieb meines Vaters als Meister und nicht als Geselle weiterführen. Denn auch ohne Meisterzwang gilt der Meistertitel bei Kollegen und Kunden noch immer als Qualitätsmerkmal“, ist der zukünftige Handwerksmeister überzeugt. Seine berufliche Zukunft sieht er optimistisch: „Als Meister mit eigenem Betrieb bin ich mein eigener Herr. Darauf freue ich mich.“

Wiesinger ist Kursbester

So viel Enthusiasmus hat sich auch im Meisterkurs ausgezahlt. Michael Wiesinger wurde mit Spitzennoten Kursbester. Insgesamt haben 15 Teilnehmer den fachpraktischen Teil ihrer Meisterprüfung bestanden. Noch mehr, als im vergangenen Jahr. Das macht Kursleiter Andreas Freundorfer stolz. „Seit 1971 findet im Bildungszentrum in Straubing jedes Jahr ein Meisterkurs statt. Unser guter Ruf hat dazu geführt, dass wir die Teilnehmerzahl steigern und den Meistertitel im Fliesenlegerhandwerk weiter etablieren konnten“, berichtet der erfahrene Fliesenleger- und Maurermeister. Die Motivation und den Wissensdurst der Kursteilnehmer findet der Ausbilder „bewundernswert“.

Man sieht Andreas Freundorfer an, wie sehr ihn das Arbeiten mit „seinen“ Schützlingen freut. Stolz zeigt er in der Werkstatt des Bildungszentrums die Meisterstücke seiner Schüler. Fünfzehn Bistrotische, die passend für ein Weinlokal gestaltet werden sollten. Jeder Prüfling musste an der Tischoberfläche ein themenbezogenes Ornament realisieren. Die meisten haben eine Weinflasche oder ein Glas eingearbeitet. Wie immer durften sich die Maßtoleranzen nur im Millimeter-Bereich bewegen. Die Farbwahl war den angehenden Meistern freigestellt, nicht so die Auswahl der Materialien. Gefordert war ein Tisch, bei dem sowohl Steingut -, als auch Steinzeugfliesen zum Einsatz kommen. „Steinzeugfliesen lassen sich aufgrund ihrer Härte fast nur maschinell bearbeiten, während Steingutfliesen leichter für verschiedene manuelle Schnitttechniken verwendet werden können“, erklärt Freundorfer. Der Kursleiter hält die Anforderungen in der Prüfung bewusst hoch, denn: „Präzises Arbeiten ist im Fliesenlegerhandwerk das A und O. Das Meisterstück muss dieses Können demonstrieren, sonst schafft man die Prüfung nicht.“

Zwei junge Frauen machen ihren Meister

Die Kursteilnehmer setzten die Ornamente, für die sie zunächst eine Schablone fertigen mussten, phantasievoll und genau um. Stephanie Billner aus Greding im mittelfränkischen Landkreis Roth zum Beispiel hat sich nicht nur für eine Weinflasche, sondern gleich auch noch für ein halbvolles Rotweinglas als Motiv entschieden. Die 24-Jährige war eine von insgesamt zwei Frauen im Meisterkurs. Auf die Frage, wie es auf der Baustelle mit der Akzeptanz der männlichen Kollegen aussieht, antwortet sie selbstbewusst: „Ich hatte noch nie Probleme. Trotzdem kann man als Frau nie gut genug qualifiziert sein. Deshalb wollte ich auch meinen Meister machen – damit ich auf der Baustelle ein entsprechendes Auftreten an den Tag legen kann.“

„Als Frau am Bau ist man als Meister anerkannter“

Ihre Kollegin Bianca Ipfelkofer aus Saal an der Donau im niederbayerischen Landkreis Kelheim pflichtet ihr bei. „Als Frau am Bau ist man als Meister einfach anerkannter.“ Die 21-Jährige ist mit drei Brüdern aufgewachsen und praktisches Arbeiten bereits von klein auf gewöhnt. Schon als kleines Mädchen konnte sie sich nichts Schöneres vorstellen, als auf dem Bau zu arbeiten.

Den nächsten Meisterkurs im Fliesen-, Platten- und Mosaikleger-Handwerk bietet die Handwerkskammer vom 8. Oktober 2015 bis zum 5. Februar 2016 in Straubing an. Weitere Informationen sind unter www.hwk-straubing.de oder www.hwkno.de erhältlich.

zuletzt editiert am 12. Juni 2025
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