40 Teilnehmer aus dem Handwerk holten sich beim Seminar „Einsatz von ausländischen Subunternehmen“ der Handwerkskammer Koblenz Tipps und Informationen aus erster Hand. (Foto: HwK Koblenz)
Ein Bauunternehmen erhält einen Großauftrag und verstärkt sich über ein ausländisches Subunternehmen, das nun Leistungen auf der „gemeinsamen“ Baustelle erbringt. Was heute längst gelebte Praxis ist, ist bei genauer Betrachtungsweise der Abläufe alles andere als ein einfaches oder alltägliches Verfahren. Denn wer nun wo anpackt, welche Materialien benutzt, welche Maschinen, die geleistete Arbeit in welche Zeiterfassungsbögen einträgt, setzt Detailkenntnisse voraus und orientiert sich an engen Regeln und Gesetzen. Kai Sturmfels von der Rechtsanwaltskanzlei Wendler Tremml aus Düsseldorf und Zolloberinspektor Thomas Giel von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamtes Koblenz informierten vier Stunden mehr als 40 Unternehmer beim Seminar „Einsatz ausländischer Subunternehmer im Bauwesen“ – lebendig, praxisbezogen und im intensiven Dialog mit den Seminarteilnehmern. Organisiert wurde die Veranstaltung durch die Handwerkskammer (HwK) Koblenz.
Schwarzarbeit richtig verhindern
Wenn Zolloberinspektor Thomas Giel und Kollegen auf einer Baustelle um die Ecke schauen, wird die Freude sich in Grenzen halten und kann das auch Ärger bedeuten. „Zu unseren Aufgaben gehören Kontrollen“, macht Giel den Seminarteilnehmern klar und informiert über die Inhalte der Einsätze. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Veranstaltung bei der HwK Koblenz, organisiert über die Außenwirtschaftsberatung, gibt umfangreich Auskunft zur Frage, was Bauunternehmen alles beachten müssen, damit es keinen Ärger mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit gibt. Und zu beachten gibt es Einiges. Das macht auch Kai Sturmfels deutlich und geht auf Rechtsbeziehungen zwischen Auftraggeber und ausländischem Subunternehmer ein, wie er auch Merkmale von Werkverträgen erläutert oder Konsequenzen einer Scheinselbständigkeit. Immer wieder werden Parallelen zur Praxis gezogen und auf Probleme eingegangen. Das schließt einen intensiven Dialog mit den Teilnehmern des Seminars ein, die so auch ganz individuelle Fälle nennen können, wie sie im Arbeitsalltag vorhanden sind. Für das Podium bedeutet das auch, sich in die Situation der Handwerksunternehmen hineinzudenken.
„Wir wollen unseren Betrieben vor allem im Baugewerbe helfen, beim Einsatz von ausländischen Subunternehmen und allen damit verbundenen Fragen Hilfestellung zu geben und bereits im Vorfeld teure Fehler zu vermeiden“, stellen Petra Seckler und Christiane Zügner aus dem Fachbereich Außenwirtschaft der Handwerkskammer dar. Denn gerade in der Baubranche sind der zunehmende Fachkräftemangel, Kosten- und Flexibilisierungsaspekte entscheidende Gründe für den Einsatz von Subunternehmen. Die Voraussetzungen für den grenzüberschreitenden Personaleinsatz innerhalb der EU sind durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit gewährleistet. Das entbindet deutsche Auftraggeber aber nicht davon, Gesetze und Vorschriften mit nationaler Gültigkeit zu beachten. Das reicht von Meldepflichten über die Zulassungsvoraussetzungen bis hin zu Haftungsrisiken für einen Auftraggeber.
„Wollen Fehler vermeiden“
„Die gewählten Inhalte waren gut, das gesamte Seminar eine runde und sehr informative Sache. Natürlich lässt sich nicht für jeden Einzelfall die passende Lösung daraus ableiten, aber die werde ich mit der HwK-Beratung individuell besprechen“, fasst Markus Christ von der Schreinerei Christ in Dickenschied (Hunsrück) zusammen. Sein Betrieb kann, wie viele andere auch, auf Erfahrungen im Umgang mit Subunternehmen zurückgreifen. „Natürlich will man Fehler vermeiden und die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind komplex und verändern sich ja auch“, nennt er Gründe einer Teilnahme an der HwK-Veranstaltung. „Es war gut investierte Zeit!“
