Fünf Jahre Bauzeit, 80 Prozent Zustimmung der Bürger und viel Keramikfliesen innen drin und außen herum: Der neue Aschaffenburger Hauptbahnhof ist in jeder Hinsicht „vollendet“. (Foto: Moeding/Toni Ott)
Der Neubau wurde Anfang 2011 eingeweiht. Die Baukosten beliefen sich auf rund 44 Mio. Euro – Bahnsteige und Gleise mitgerechnet. Dank seiner Gestaltung gehört der neue Hauptbahnhof von Aschaffenburg zu den Gewinnern des Architekturwettbewerbs Grand Prix 2012/2012 des italienischen Fliesenherstellers Casalgrande Padana. In unserem Beitrag über den Grand Prix 2010 / 2012 in der Augustausgabe von FLIESEN & PLATTEN („Keramik, die gestaltet, S. 14 – 17) bezeichneten wir den Bahnhof als „Visitenkarte für Fliese und Handwerk“, für den Bundesverkehrsminister Ramsauer ist er gar ein „glänzendes Aushängeschild“.
Das Gebäude ist nicht nur wegen seiner Funktionalität interessant, sondern auch fliesentechnisch. Keramische Materialien prägen die Empfangshalle und Servicebereiche. Die aus Keramik gefertigte Fassade verleiht dem Gebäude eine moderne Ausstrahlung, und im Fußgängertunnel zum Stadtteil Damm zeigen sich Fliesen von ihrer künstlerischen Seite: Mit Dekoren der Künstlerin Jo Zeh-Kosanke auf Fliesen von Villeroy und Boch unter der technischen Federführung der Artefactur.
Struktur und freier Rythmus
Die vorgehängte Fassade montierte das Unternehmen Moeding Keramikfassaden GmbH. Die 5 Zentimeter starken Elemente wurden speziell für dieses Projekt angefertigt. Drei Gründe waren ausschlaggebend für die Wahl des Materials: Erstens nimmt es die Tradition der vielfach mit Fliesen verkleideten Bahnhöfe der 50er Jahre wieder auf; zweitens konnte die Farbe der damaligen Verfliesung des Aschaffenburger Bahnhofs als Sonderfarbe realisiert werden und, drittens, bildeten Kosten und Beständigkeit der Ziegelplatten einen Pluspunkt.
Die Platten im Format 27 mal 39,9 Zentimeter worden so montiert, dass die Fuge nicht erkennbar ist. Im Bereich des sich anschließenden Parkhauses löst sich die geschlossene Ziegelverkleidung auf und geht in eine offenen Lamellenstruktur über. Die rund 2000 Lamellen-Elemente sind schräg gestellt und in einem freien Rhythmus angeordnet.
Fliesen identifizieren den Ort
In den Innenbereichen brilliert die keramische Verkleidung in Form von teppichartigen Kompositionen, die aus Materialien des italienischen Herstellers Casalgrande Padana verlegt wurden. Die geometrischen Motive prägen den Boden der Bahnhofshalle sowie die Servicebereiche und den Baukörper des Parkhauses.
Lichtes Blau im Tunnel
In de unterirdischen Fußgängertunnel kam schließlich die Kunst zu ihrem Recht. Unter der technischen Leitung der Artefactur wurden acht großflächige, moderne Dekore auf Keramikfliesen appliziert und verlegt. Das Gesamtkunstwerk mit dem Titel „Die Leichtigkeit im lichten Blau“ stimmt mit schwebenden Elementen wie Luftballons, Schmetterlingen und Pusteblumen die Ankommenden auf die Reise ein.
