ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke.
Die Ergebnisse der Befragung sollte die Politik als Hilferuf der Betriebe verstehen, sagt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke gegenüber der dpa. (Quelle: ZDH/Henning Schacht)

Handwerk 2024-04-09T22:00:00Z Handwerk kämpft mit Steuern, Bürokratie und Fachkräftemangel

Was sind die aktuellen Herausforderungen im Handwerk? Das hat der Zentralverband Deutsches Handwerk (ZDH) rund 4.400 Betriebe gefragt.

War die konjunkturelle Lage 2023 im Handwerk noch relativ stabil, konnte der Trend zu Beginn des aktuellen Jahres laut den Umfrageergebnissen nicht gehalten werden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erwarten die Betriebe im ersten Halbjahr deutlich weniger Umsatz. Grund dafür ist laut ZDH vor allem der Auftragsrückgang – im Schnitt sind die Auftragsbücher derzeit für rund zehn Wochen gefüllt, die Betriebe gehen aber bis zum Ende des zweiten Quartals von einem weiteren Rückgang aus. 

Geschäftsaufgabe als Option 

Die unsichere Lage führt dazu, das Betrieb weniger investieren. 42 Prozent der Befragten wollen geplante Investitionen verschieben. Jeder vierte Betrieb denkt darüber nach zu schließen oder einzelne Geschäftsfelder aufzugeben. 

Grafik Belastungsfaktoren (wirtschaftliche Herausforderungen KW 6/2024)
Quelle: Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

Das sind die größten Belastungen 

Gefragt, was sie am meisten belastet, nennen 68 Prozent die hohe Steuer- und Abgabenlast. Die Dokumentations- und Nachweispflichten stellen für 52 Prozent eine Hauptbelastung dar. Dazu kommen der Fachkräftemangel (44 Prozent), die hohen Energiekosten (43 Prozent) und der Rückgang von Aufträgen (41 Prozent). Die Dokumentations- und Nachweispflichten beanspruchen laut der Umfrage etwa ein Viertel der Arbeitszeit. Für Dominik Hartmann, Experte für Digitalisierung im Handwerk und Geschäftsführer von OneQrew, Digitalpartner für das Handwerk, ist hier eine Verbesserung der Effizienz gefragt: „Wir sehen auch, dass Effizienz und moderne Lösungen, die die Wirtschaftlichkeit erhöhen, dringend benötigt werden und Betrieben großen Mehrwert im Alltag bieten können.” Dem Bürokratieproblem könne man aktiv nur mit dem Ausbau der Digitalisierung begegnen. Betriebe bräuchten mehr Lösungen, die diese Aufgaben automatisch übernehmen und den Mitarbeitern mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben schaffen. 

Forderungen an die Regierung 

Der ZDH fragte die Betriebsinhaber:innen auch, welche Standortfaktoren die Bundesregierung als Erstes verbessern sollte. Für 53 Prozent wären Steuersenkungen das Wichtigste, gefolgt von sicherer und bezahlbarer Energie (46 Prozent) und höherer Wertschätzung für Selbstständigkeit und unternehmerisches Handeln (45 Prozent). Nur 11 Prozent wünschten sich Zuschüsse oder Sonderabschreibungen für Investitionen. 28 Prozent sehen in leistungsfähigeren allgemeinbildenden Schulen eine Lösung für den Fachkräftemangel, 17 Prozent wünschen sich, dass die Attraktivität und Leistungsfähigkeit der beruflichen Bildung gestärkt wird. 

Probleme europaweit angehen 

Für die politische Agenda zur Europawahl ist den Betrieben die Verbesserung von Image, Wertschätzung und Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung besonders wichtig. Dazu passt der Wunsch nach einem hohen Niveau der Ausbildung handwerklicher Fachkräfte in ganz Europa – offenbar setzen die Befragten auch auf europaweite Bemühungen gegen den Fachkräftemangel. Sehr wichtig ist den Betrieben auch die Reduzierung von Berichts- und Dokumentationspflichten für kleine und mittlere Unternehmen.  

Hilferuf der Betriebe 

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sagte dazu gegenüber der dpa: „Die Ergebnisse der Befragung sollte die Bundesregierung als Handlungsaufforderung und im Grunde als Hilferuf der Betriebe begreifen, endlich die Standortbremsen zu lösen. Es ist Zeit, zu machen: dringlich und schnell in der Politik und dann hoffentlich auch rasch in den Betrieben. Die wollen tätig werden, doch aktuell fehlt vielen das notwendige Vertrauen in die langen Linien. Ohne rasche Standortimpulse, ohne eine deutliche Verbesserung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit und ohne eine Lockerung bestehender Konjunkturbremsen droht das Handwerk als stabilisierender Konjunkturanker und als Transformationsimpulsgeber und -gestalter auszufallen.“ 

Die Zusammenfassung der Befragung finden Sie auf der Webseite des ZDH .

zuletzt editiert am 10. April 2024
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