Eine qualifikationsgebundene Zugangsberechtigung im Handwerk ist volkswirtschaftlich unverzichtbar – das zeigt eine von der Handwerkskammer Düsseldorf beauftragte Studie der Uni Göttingen. Rund 10.000 frisch gebackene Meister jährlich planen eine Betriebsgründung oder -übernahme und schaffen anschließend innerhalb von fünf Jahren im Schnitt drei neue Arbeitsplätze. (Grafik: HWK)
Die Qualifizierung zum Handwerksmeister befähigt in zulassungspflichtigen Berufen sowohl zu selbstständiger Berufsausübung als auch zur Ausbildung von Lehrlingen. Ein neues Gutachten des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass diese beiden Seiten des Kompetenzerwerbs eng zusammenhängen: Ohne Meisterpflicht drohten das handwerkliche Ausbildungswesen und damit die künftige Fachkräfteversorgung zusammenzubrechen - und das nicht nur im handwerklichen Wirtschaftssektor, sondern auch in anderen Wirtschaftsbereichen wie Industrie, Handel, Dienstleistungen und der Öffentlichen Verwaltung.
EU prüft Meister-System auf "Wettbewerbsbeschränkung"
Die Göttinger Studie im Auftrag der Handwerkskammer Düsseldorf belegt, dass das Meistersystem für die Funktionsfähigkeit nicht nur des handwerklichen Ausbildungsmarktes, sondern des dualen Systems der beruflichen Bildung in Deutschland insgesamt unentbehrlich ist. „Damit ist der EU-Kommission, die dem meistergebundenen Gewerbezugang wettbewerbsbeschränkende und beschäftigungshemmende Wirkungen unterstellt und einzelne Handwerksberufe derzeit auf zulassungshemmende Eigenschaften untersucht, die argumentative Grundlage entzogen“, kommentiert der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Andreas Ehlert.
"Doktortitel des Handwerks"
Die Meisterfortbildung sei der „Doktortitel des Handwerks“, so die Handwerkskammer Düsseldorf. Den bedeutendsten Karrieretitel im gewerblich-technischen Berufsbereich erwerben jedes Jahr bundesweit mehr als 20.000 Handwerkerinnen und Handwerker. Jeder zweite von ihnen, so bestätigen es regelmäßige Erhebungen der HWK Düsseldorf unter den alljährlich rund eintausend neuen Meisterabsolventen in ihrem Bezirk, plant eine Betriebsgründung oder -übernahme und schafft anschließend binnen fünf Jahren im Schnitt 3 neue Arbeitsplätze. Ebenfalls über Jahrzehnte stabil und noch stärker ausgeprägt als der Gründungswille sei die Neigung der Meisterabsolventen, selbst Nachwuchs auszubilden. Stets bekunden rund drei Viertel der von der Kammer befragten erfolgreichen Prüflinge diese Absicht. Handwerksunternehmen in jenen 42 Berufen, die zur Gründung die Meisterpflicht oder eine vergleichbare Qualifikation voraussetzen, seien außerdem deutlich bestandsfester als Betriebe, die ohne eine fachlich-kaufmännische Vorqualifikation gegründet werden: 67 Prozent der im Jahre 2008 durch Meisterinnen und Meister in der Handwerksrolle der Kammer Düsseldorf eingetragenen Firmen existierten auch im Jahre 2014 noch.
