Naturstein_ON_1
In Graniten sind die Glimmerminerale (schwarz) unregelmäßig verteilt. (Fotos: Abraxas Stone Experts/Hasede)

Naturstein

22. March 2017 | Teilen auf:

Granit oder Gneis?

Im internationalen Natursteinhandel werden viele Gesteine als Granite bezeichnet, bei denen es sich in Wirklichkeit um Gneise handelt. Wie man einen Granit von einem Gneis unterscheidet und worin ihre Unterschiede liegen, wird im folgenden Artikel aufgezeigt. (Fotos: Abraxas Stone Experts/Hasede)

Granite sind der Inbegriff der Härte. Die umgangssprachliche Redewendung „hart wie Granit“ lässt dies zweifelsfrei erkennen. Doch selbst derart widerstandsfähige Gesteine haben keine Chance, wenn sie sich mit den Kräften der Erde messen müssen. Diese sind so gewaltig, dass sie selbst Granite verformen können. Kommt es beispielsweise zu einer Gebirgsfaltung oder zu einer Verschiebung kontinentaler Platten, dann gelangen ganze Gesteinskomplexe und Gebirge in die Tiefen der Erdkruste und sind dort extremen Druckbeanspruchungen ausgesetzt.

In Gneisen sind die Glimmerminerale (schwarz) eingeregelt .

„Echte“ Granite haben immer ein richtungsloses, gekörntes Aussehen. Man kann die einzelnen Minerale mit bloßem Auge gut erkennen. Zu diesen Mineralen zählen auch Glimmer, wie das Mineral Biotit, das sehr häufig in Graniten vorkommt. Biotit-Glimmer in Graniten sind meist schwarz und haben eine rundliche Form. An ihnen kann man gut erkennen, ob der Stein während seiner Entstehung hohen Druckbelastungen ausgesetzt war. Kam es durch tektonische Bewegungen zu Versenkungen in große Tiefen, so ändert sich auch die Ausrichtung dieser Glimmerminerale. Die ursprünglich unregelmäßig im Granit verteilten dünnen Plättchen regeln sich unter den hohen Druckbeanspruchungen neu ein. Dabei erfolgt die Ausrichtung immer senkrecht zu der Ebene, von der die Hauptdruckbeanspruchung auf den Granit erfolgte. Es entsteht ein neues Gestein, das sich sowohl im Aussehen als auch in seinen technischen Eigenschaften vom ursprünglichen Gestein unterscheidet. Geologen sprechen bei diesem Prozess von einer Metamorphose. Die dabei entstehenden Gesteine nennt man Metamorphite oder auch Umwandlungsgesteine. Derartige Prozesse kommen nicht selten vor. Es gibt sehr viele Gesteine, die durch Umwandlung bereits fertiger Gesteine entstanden sind. Deshalb bilden sie in der Petrologie eine eigene Gesteinsgruppe, zu der beispielsweise auch Marmor, Tonschiefer und Quarzit zählen. Gesteine, die sich aus Graniten bildeten, nennt mein Gneise, exakt Orthogneise. Auf dem internationalen Natursteinmarkt werden diese Gesteine jedoch häufig nur unter der Bezeichnung Granit angeboten.

Woran kann man erkennen, dass ein Granit verändert wurde?
Dies ist selbst für den Laien gut erkennbar. Man muss sich nur die dunklen Glimmerminerale anschauen. Wenn man diese in dünnen, parallelen Lagen eingeregelt sieht, dann handelt es sich um einen Gneis. Sind sie unregelmäßig im Stein verteilt, dann handelt es sich um einen Granit.

Gibt es technische Unterschiede zwischen Gneisen und Graniten?
Beide haben eine hohe Resistenz gegenüber chemischen und mechanischen Beanspruchungen. Bezüglich der maximalen Biegezugbeanspruchungen kann ein Gneis im Vergleich zu einem Granit jedoch höhere Biegezugbelastungen aufnehmen. Dies hängt allerdings von der Richtung ab, in der der Gneis aufgesägt wurde. Erfolgt die Sägerichtung senkrecht zur Druckbeanspruchung bei der Entstehung (Biotite sind dann als dünne, parallele Lagen erkennbar), dann ergeben die Prüfungen hohe Biegezugwerte. Erfolgt das Sägen parallel zur Druckbeanspruchung bei der Metamorphose, so sind die maximal zulässigen Biegezugwerte geringer. Diese Unterscheidung ist vor allem bei der Bemessung von Fassaden wichtig.

Datenbank Naturstein

Weitere Beiträge von Naturstein-Experte Detlev Hill