Ein Förderband transportiert Sand in einen großen Haufen innerhalb eines Lagers mit Betonwänden.
REA-Gips kann nur teilweise durch Recyclinggips, verringerte Exporte und den verstärkten Abbau von Naturgips kompensiert werden. (Quelle: Bundesverband der Gipsindustrie e. V./Dr. H.-J. Kersten)

Verbände 2025-05-23T22:00:00Z Gipsversorgung ist in Gefahr

Eine Studie des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS) untersucht die zukünftige Versorgung Deutschlands mit mineralischen Rohstoffen, unter anderem mit Gips. Der Wegfall von REA-Gips ab 2038 wird dabei als großes Problem für die Baustoffindustrie bewertet.

Im Rahmen der aktuellen Studie „Rohstoffnachfrage 2045 – Ressourcen sichern, Zukunft bauen“ – Perspektiven für mineralische Primär- und Sekundärrohstoffe“ analysiert der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS) die künftige Versorgung Deutschlands mit mineralischen Rohstoffen. Vor dem Hintergrund, dass spätestens 2038 das letzte Kohlekraftwerk vom Netz geht und damit kein REA-Gips mehr zur Verfügung steht, rückt dabei insbesondere der Rohstoff Gips – sowohl in Form von Naturgips (Gips- und Anhydritstein) als auch als industriell erzeugter REA-Gips – in den Fokus. 

43 Prozent des Gipses fallen weg

Im Jahr 2022 wurden in Deutschland 5,8 Millionen Tonnen Gips- und Anhydritstein gewonnen. Hinzu kamen 5,1 Millionen Tonnen REA-Gips, der ein Nebenprodukt der Rauchgasentschwefelung in Kohlekraftwerken und chemisch identisch mit Naturgips ist. Dies macht etwa 43 Prozent der gesamten deutschen Gipsproduktion aus. Beide Rohstoffe werden vor allem in der Herstellung von Bauprodukten wie Putzen, Spachteln, Mörteln sowie in der Zementindustrie eingesetzt. 

Mit dem beschlossenen Kohleausstieg wird der Anteil von REA-Gips jedoch kontinuierlich zurückgehen und ab 2038 vollständig entfallen. Schon für 2030 wird mit einer Halbierung der derzeit zur Verfügung stehenden Menge gerechnet. Die REA-Gips Mengen werden dann voraussichtlich auf 2,9 Millionen Tonnen sinken. Für 2035 geht die Studie sogar von nur noch mit 1,7 Millionen Tonnen aus. 

„Herausforderung für die Baustoffindustrie“

„REA-Gips kann nur teilweise durch Recyclinggips, verringerte Exporte und den verstärkten Abbau von Naturgips kompensiert werden. Der Wegfall von REA-Gips ist eine Herausforderung für die Baustoffindustrie“, warnt Dipl.-Ing. Holger Ortleb, Geschäftsführer des Bundesverbands der Gipsindustrie und der Forschungsvereinigung der Gipsindustrie. 

Die Studie prognostiziert daher einen deutlichen Anstieg bei der Primärgewinnung von Gips- und Anhydritstein auf bis zu +51,7 Prozent bis 2045. 

Nachfrage wird eher steigen 

„Diese Entwicklung und vor allem die unter anderem substanziell notwendigen Eigenschaften hinsichtlich des Schall- und Brandschutzes machen deutlich: Gipsprodukte sind und bleiben ein unverzichtbarer Baustoff“, betont Holger Ortleb. „Vor dem Hintergrund des geplanten Sondervermögens für Infrastruktur ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage in Zukunft eher steigen wird“, so Ortleb weiter. „Der Bedarf an Wohnraum ist unvermindert hoch!“ Ortleb verweist darauf, dass die Möglichkeiten zur Wiederverwertung von Gips eingeschränkt sind: „Zum einen sind die Recycling-Mengen grundsätzlich nicht groß genug, so dass nur ein geringer Bedarf gedeckt werden kann. Zum anderen werden die vorhandenen geringen Mengen an recyclingfähigem Material durch einen wachsenden Anteil von Bauen im Bestand weiter reduziert.“ 

Politik soll Rohstoffabbau erleichtern 

Der BBS fordert angesichts dieser Herausforderungen politische Maßnahmen zur Sicherung der langfristigen Rohstoffversorgung. In einem vom Verband beauftragten Rechtsgutachten mit dem Titel „Bürokratieabbau in der Rohstoffgewinnung“ schlägt Prof. Dr. Walter Frenz, Maître en Droit Public, RWTH Aachen, unter anderem vor, den Rohstoffabbau als „überragendes öffentliches Interesse“ einzustufen, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und insgesamt den Abbau und das Recycling von Rohstoffen effizienter und unbürokratischer zu gestalten. 

Die BBS-Studie zur Nachfrage nach Primär- und Sekundärrohstoffen der Steine-Erden-Industrie in Deutschland sowie das Gutachten „Bürokratieabbau in der Rohstoffgewinnung“ finden sich unter www.baustoffindustrie.de.

zuletzt editiert am 21. Mai 2025
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