Fokussierung auf das Wesentliche 1
Für die Abdichtung im Verbund gelten bei Außenbecken die Anforderungen der DIN EN 14891. (Fotos: Botament)

Verlegetechnik

11. November 2020 | Teilen auf:

Fokussierung auf das Wesentliche

Schwimmbadbau Mit der Veröffentlichung des neuen Merkblatts „Schwimmbadbau“ im August 2019 sollte zum einen eine Anpassung an die aktuellen Normen erfolgen, zum anderen wollte man sich auf den titelgebenden Kernbereich konzentrieren und somit Planern und ausführenden Betrieben einen übersichtlichen und modernen Leitfaden an die Hand geben. (Fotos: Botament)

Die Auskleidung von Schwimmbädern mit keramischen Fliesen und Platten wird von vielen Kollegen im Handwerk nach wie vor als die Königsdisziplin des Fliesenlegers betrachtet. Der Einsatz von Fliesen im Schwimmbadbau wurde in den letzten Jahren von einigen Beteiligten zwar kontrovers diskutiert, dennoch führt an keramischen Belägen aus hygienischen und gestalterischen Gründen kein Weg vorbei. Mit der Zunahme des Einsatzes von Stahlbecken in jüngerer Zeit sind auch deren konstruktionsbedingte Schwächen vermehrt in das Bewusstsein von Planern und Bauherren gerückt. Für das Fliesengewerbe ist es daher umso wichtiger, alte Handlungsweisen zu hinterfragen und gegebenenfalls durch modernere, bewährte Techniken zu ergänzen. Aus diesem Grund wurde das ZDB-Merkblatt „Schwimmbadbau“ vor der Neuveröffentlichung gründlich überarbeitet.

Kleiner ist manchmal besser

Das neue Merkblatt ist mit 18 Seiten deutlich kürzer als die alte Fassung aus dem Jahr 2012. Entfallen sind einige Hinweise, die zum Beispiel die Erstellung der Betonkonstruktion betreffen und die nicht direkt in die Sphäre des Fliesenlegers fallen. Andere Kapitel, die etwa die Abdichtung von angrenzenden Duschräumen beschreiben, fehlen ebenfalls. Dieses Thema wird hinlänglich im Merkblatt „Abdichtungen im Verbund (AIV)“ behandelt. Der interessierte Leser findet aber weiterhin alle relevanten Hinweise und Tipps, die zur Planung und Verlegung von Fliesen in Schwimmbädern benötigt werden.

Betonkonstruktionen sind grundsätzlich mechanisch vorzubehandeln.

Zusätzlich wurde das Merkblatt an die aktuellen Abdichtungsnormen DIN 18534, DIN 18535 und DIN EN 14891 angepasst. Für die Erstellung von neuen Konstruktionen wird grundsätzlich ein Becken aus WU-Beton empfohlen. Eine Abdichtung im Verbund kann optional als Schutz für den Beton oder gegen Ausblühungen erstellt werden. Für die Nachbehandlung der WU-Beton-Konstruktion wird empfohlen, die angegebenen Zeiten aus der DIN 1045-3 zu verdoppeln. Damit soll die Rissbreitenbeschränkung des Betonkörpers eingehalten und Formänderungen durch Schwindung sollen weitgehend vermieden werden. Für einen reibungslosen Ablauf wird zudem die Erstellung eines Bauzeitenplans empfohlen. Dazu gibt das Merkblatt explizit Anhaltswerte für Erhärtungs- und Trocknungszeiten der üblichen Baustoffe an. Als Richtwert für das WU-Becken werden weiterhin sechs Monate empfohlen.

Vor Beginn der Arbeiten ist die Konstruktion grundsätzlich auf Eignung zu prüfen. Dazu gehört neben der erforderlichen Maßhaltigkeit auch das Fehlen von durchgehenden Rissen. Der Hinweis, dass die Betonoberfläche grundsätzlich einer mechanischen Vorbehandlung bedarf, um einen sicheren Haftverbund zu gewährleisten, wurde ebenfalls ergänzt. Neu erstellte Konstruktionen müssen eine Haftzugfestigkeit von mindestens 1,5 Newton pro Quadratmillimeter aufweisen. Für eine sichere Verarbeitung der bauchemischen Produkte wird ein Baustellenklima mit Temperaturen von größer 15 Grad Celsius und einer Luftfeuchte größer 65 Prozent relative Feuchte empfohlen.

Vor Beginn der Arbeiten oder nach Fertigstellung der Verbundabdichtung ist das Becken grundsätzlich einer 14-tägigen Dichtheitsprüfung zu unterziehen. Dafür sollte gechlortes Füllwasser verwendet werden, um einen mikrobiologischen Befall in diesem frühen Stadium der Erstellung zu vermeiden. Im Anschluss ist das Becken zu säubern und zu desinfizieren. Die Stauwasserhöhe ist in jedem Fall dem tatsächlich geplanten Höchstwasserstand anzupassen. Bei Konstruktionen mit hochliegendem Wasserspiegel wird zusätzlich die Dichtheit des Beckenkopfs überprüft. Die Ausführung der Abdichtung im Verbund kann unter Berücksichtigung der Wasserqualität mit Reaktionsharz (RM) oder Kunststoff-Mörtel-Kombination (CM) erfolgen. Die gewohnten Mindestschichtdicken von einem beziehungsweise zwei Millimetern entsprechen der DIN 18535 und bleiben unverändert. Der verwendete Verlegemörtel muss der DIN EN 12004 entsprechen und ein CE-Zeichen tragen. Weitere Anforderungen werden nicht gestellt.

Wettkampfbecken sind besonders maßhaltig zu planen.

Speziell im privaten Bereich werden analog zum allgemeinen Trend verstärkt großformatige Fliesen auch im Schwimmbad nachgefragt. Dies kann zu einem unerwünschten gefährlichen Spannungsaufbau im Becken führen, der durch den kleinen Fugenanteil noch verstärkt wird. Zusätzlich können bei der Verwendung von mineralischen Verlegewerkstoffen deutlich sichtbare, unschöne Ausblühungen in der Wasserwechselzone entstehen. Grundsätzlich sind solche Ausführungen machbar, bedürfen aber einer besonderen Planung. Das Merkblatt beschränkt daher das Fliesenformat auf 0,18 Quadratmeter mit einer maximalen Kantenlänge von 0,6 Metern. Die Fliesendicke sollte mindestens sechs Millimeter und die Fugenbreite drei Millimeter betragen. Mosaike sind von der Regelung selbstverständlich ausgenommen.

Bei vorderseitig verklebten Mosaiken wird explizit auf die Gefahr der Verkeimung hingewiesen. Der nach dem Abziehen des Papiers auf der Vorderseite des Mosaiks befindliche Klebstoff ist gründlich abzuwaschen und der Belag vor der Verfugung beispielsweise mit Bleichlauge zu desinfizieren. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Klebstoffreste als Nahrungsreservoir für Mikroorganismen dienen, die mit dem Fugenmörtel in die Fuge eingebracht werden. Dies könnte vor allem bei Reaktionsharzfugen zu einem inneren mikrobiologischen Befall führen, der sich oberflächlich nicht mehr entfernen lässt.

Eine zusätzliche Abdichtung ist auch für die meisten WU-Betonbecken sinnvoll.

Das Schwimmbad ist fertig, jetzt keine Fehler machen!

Einer der größten Fehler im Schwimmbadbau passiert meistens zum Schluss, wenn der Verlegebetrieb bereits nicht mehr vor Ort ist – das zu frühe Befüllen des Beckens! Oft soll dabei zumindest ein Teil der vorherigen Bauzeitverzögerungen wieder aufgeholt werden. Eine vollständige Aushärtung der bauchemischen Produkte ist aber für eine dauerhafte Konstruktion unerlässlich. Das Merkblatt empfiehlt daher eine Trocknungszeit von 28 Tagen vor der Befüllung. Im Betrieb und bei der Wartung sind starke Temperaturschwankungen zu vermeiden. Zudem sollte das Becken langsam und mit Augenmaß befüllt und geleert werden, um den Fliesenbelag nicht zu starken Spannungen auszusetzen. Das Merkblatt gibt dazu Zeiten vor. Es ist bekannt, dass es bei Missachtung der Vorgaben gelegentlich zu Fliesenablösungen während dieser Vorgänge kommt. Gerade bei der Erstbefüllung werden vereinzelte Hohlräume im Kleberbett mit Wasser gefüllt, wobei die Luft verdrängt wird und in Blasen an die Oberfläche steigt. Dies kann auch bei sorgfältiger Ausführung nicht gänzlich vermieden werden. Die Erstbefüllung sollte daher mit einer Wasserhöhe von drei Zentimetern beginnen, bevor nach einer Wartezeit von drei Stunden die Befüllung mit circa fünf Zentimetern pro Stunde fortgesetzt wird.

Wartungsarbeiten müssen zeitlich auf ein Minimum beschränkt bleiben, während das Becken feucht gehalten werden sollte, um ein vollständiges Austrocknen der Konstruktion zu vermeiden.

Mit dem neuen Merkblatt wird der bewährte Vorgänger damit um einige sinnvolle Hinweise ergänzt. Dies wird in Zukunft sicherlich dazu beitragen, Schäden bei gefliesten Konstruktionen weiter zu reduzieren. Für das Fliesengewerbe ist es somit ein wichtiges Werkzeug für die Rückgewinnung von Marktanteilen.


KURZ ERKLÄRT

Ein- und Aufbauten sind sorgfältig zu planen, um die Abdichtungsebene nicht zu beschädigen.

Die Norm unterscheidet Becken im Innen- und Außenbereich

In der Normenreihe zur Abdichtung nimmt die DIN 18535 eine Sonderstellung ein. Dient die Abdichtungsmaßnahme gewöhnlich dazu, die Konstruktion vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen, so ist im Beckenbau eine wesentliche Aufgabe der Abdichtung, das Füllgut vor unbeabsichtigtem Auslaufen zu bewahren. Tatsächlich werden bei den deutschen Zulassungskriterien für flüssige Verbundabdichtungen die unterschiedlichen Anforderungen berücksichtigt. Ist der Abdichtungsstoff im Außenbereich (SB1) durch die europäische Produktnorm EN 14891 geregelt, greifen für den anspruchsvolleren Innenbereich (SB2) die deutschen Zulassungskriterien.

Bewegungsfugen

Während bei der klassischen Dickbettverlegung oft auf Bewegungsfugen verzichtet werden konnte, sind sie beim aktuellen Dünnbettverfahren zumindest bei größeren Becken unerlässlich. Der Bereich der Innenecken und der Wand-Boden-Übergang sind mit geeigneten Dichtstoffen auszuführen. Feldbegrenzungsfugen für größere Wand- und Bodenflächen sind zum Spannungsabbau mit Augenmaß zu planen, da es sich letztlich auch um Wartungsbereiche handelt.

Schwimmbadbau: Das ist zu beachten

  • Die Abdichtung von Schwimmbädern ist in der DIN 18535, die Abdichtung des Beckenumgangs jedoch in der DIN 18534 geregelt.
  • Für die Abdichtung im Verbund nach DIN 18535 sind nur Flüssigabdichtungen aus Reaktionsharz oder rissüberbrückender mineralischer Dichtungsschlämme zugelassen.
  • Zum Spannungsabbau sollte das Entleeren und Befüllen des Beckens langsam und mit Augenmaß erfolgen.
  • Große Temperaturschwankungen sind beim Befüllen oder bei Wartungsarbeiten zu vermeiden. Zum Spannungsabbau sollte das Becken im Leerzustand feucht gehalten werden.
  • Das Fliesenformat sollte eine Größe von 0,18 Quadratmetern und eine Kantenlänge von 0,6 Metern nicht überschreiten. Größere Formate erfordern sorgfältige Planung.


Autor:
Dr. Oliver Wowra
Leitung Technik, Segment Manager GPM BD, Botament


zuletzt editiert am 11.03.2021