Ein Balkendiagramm zeigt die Fliesenexporte in die einzelnen Länder 2020.
Die Exporte lagen mit 25,2 Millionen Quadratmetern etwa 5,5 Prozent unter dem Vorjahr. Quelle: BKF

Verbände

22. April 2021 | Teilen auf:

Fliesenmarkt 2020/2021: Export bricht ein

Trotz Lockdowns und Einschränkungen sind die Umsätze der deutschen Bauwirtschaft im letzten Jahr gestiegen. Auf dem Fliesenmarkt nahmen die Importe zu – und die Exporte deutscher Hersteller deutlich ab, denn die ausländischen Märkte sind teilweise eingebrochen.

Unter den Einschränkungen durch die Coronamaßnahmen ist das Bruttoinlandsprodukt in Europa um 6,8 Prozent und in Deutschland um 4,9 Prozent zurückgegangen. Das meldet der Bundesverband Keramische Fliesen e. V. (BKF). Doch der deutschen Bauwirtschaft geht es verhältnismäßig gut – anders als im restlichen Europa, wo die Bautätigkeit teilweise aufgrund harter Lockdowns komplett zum Stillstand gekommen ist: Die Menschen geben zwangsweise weniger aus und investieren mehr ins eigene Heim. Mit einem Umsatzwachstum von 6,6 Prozent ist sie aktuell ein wesentlicher Stützpfeiler der deutschen Wirtschaft. Der Wohnungsbau hat noch stärker als 2019 zugelegt, nämlich um 11,4 Prozent. Der Umsatz im öffentlichen Bau ist um 12,2 Prozent und im Wirtschaftsbau um 0,5 Prozent gewachsen.

Auch wenn die Prognosen für das laufende Jahr 2021 verhaltener sind, können die Unternehmen bei einem Überhang von circa 500.000 genehmigten, jedoch nicht fertiggestellten Wohnungen und einem weiteren Anstieg der Baugenehmigungen im Wohnungsbau aus 2020 von 4,2 Prozent vergleichsweise vertrauensvoll in die Zukunft blicken, so der BKF.

Italien war 2020 der größte Importeur für Fliesen auf den deutschen Markt. Quelle: BKF

Fliesenmarkt: Importe nehmen zu, Exporte ab

Der Fliesenmarkt in Deutschland hat sich ähnlich gut entwickelt. Die Fliesenimporte haben um 9,8 Prozent auf insgesamt 113,6 Millionen Quadratmeter zugelegt. Statistisch liegen die durchschnittlichen Importpreise zwischen 4,00 und 13,85 Euro pro Quadratmeter. Häufig wurde mehr Volumen durch niedrigere Preise erkauft. Unverändert führen die Importe aus Italien mit circa 60,2 Millionen Quadratmetern, gefolgt von der Türkei mit rund 14,7 Millionen Quadratmetern (Datenquelle: Destatis), Spanien und Polen, beide mit rund 11,2 Millionen Quadratmetern sowie der Tschechischen Republik mit 7,5 Millionen Quadratmetern (Datenquelle: Eurostat).

Deutschen Herstellern brechen Exportmärkte weg

Die gestiegenen Importe erklären sich dadurch, dass Hersteller im Ausland auf den stabilen deutschen Markt ausgewichen sind, nachdem der eigene Markt eingebrochen ist. Diese Entwicklung bedeutet jedoch gleichzeitig, dass den deutschen Herstellern, die etwa ein Drittel ihrer Produkte exportieren, der wichtige Exportmarkt teilweise ganz weggebrochen ist.

So lagen die Exporte mit 25,2 Millionen Quadratmetern etwa 5,5 Prozent unter dem Vorjahr, wobei die Ausfuhren in die drei wichtigsten Exportmärkte, also die Niederlande, Österreich und die Schweiz, weniger stark betroffen waren. Die Exportpreise liegen in den wichtigsten zehn Märkten zwischen 9,25 und 16,75 Euro pro Quadratmeter.

Inlandsproduktion sinkt

Die coronabedingten Rückgänge der Ausfuhren bedingen eine verringerte Inlandsproduktion von (vorläufig) -8 Prozent. Im Vergleich dazu brach nach Angaben der Landesverbände die Herstellung in Italien um circa -17,5 Prozent ein; die spanische Produktion ging um rund -4 Prozent zurück.

Im Gesamtergebnis ist der Fliesenmarkt in Deutschland 2020 rechnerisch um 6,5 Prozent auf 130,6 Millionen Quadratmeter gewachsen. Allerdings ist hier ein Vorzieheffekt zu beobachten, denn die Importe waren im vierten Quartal 2020 besonders stark. Allein im Dezember lagen sie knapp 20 Prozent über dem Vorjahr. Diese Zusatzmengen sind jedoch im Winter nicht verbaut worden, sondern in den Vorratsbestand eingegangen. Vor diesem Hintergrund nimmt der BKF ein Marktwachstum von effektiv circa 5 Prozent an, das zum Teil von Heimwerkern mitgetragen wird.

2021 dürfte das Marktvolumen bei unverändert großer Nachfrage nach keramischen Fliesen ähnlich hoch sein. Die Wachstumsgrenzen für Wand- und Bodenfliesen liegen weiterhin in den begrenzten Verlegekapazitäten.

Der Fliesenverbrauch in Deutschland hat in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zugenommen. Quelle: BKF

Schwierige Rahmenbedingungen für deutsche Hersteller

Der BKF sieht weiter große Herausforderungen für die deutschen Hersteller. Steigende Anforderungen an Produzenten durch die Politik, insbesondere im Rahmen der geplanten Dekarbonisierung der Wirtschaft und des „Green Deal“ der Europäischen Kommission werden hier meist strenger und deutlich konsequenter umgesetzt als im Ausland. Dadurch würden diese Regelungen die Kosten für Inlandsproduzenten erhöhen und die bereits intensive Wettbewerbssituation mit ausländischen Mitbewerbern zusätzlich verschärfen, so der Verband.

Die gesteigerte Nachfrage nach ökologisch verträglichen Baumaterialien könnte der deutschen Fliesenindustrie auch einen Image-Bonus verschaffen: Denn die Mitgliedsunternehmen des Bundesverbands Keramische Fliesen konnten als erste in Europa ihr Umweltmanagement unabhängig verifizieren lassen und führen seit 2011 die europäische Umweltproduktdeklaration des Instituts für Bauen und Umwelt.

www.fliesenverband.de