Das Fliesenforum Nord 2025, die zentrale Plattform für Fliesenleger-Betriebe in den norddeutschen Bundesländern, fand am 20. und 21. März 2025 mit über 150 Teilnehmern und 24 Ausstellern in Melle statt.
Der erste Veranstaltungstag begann mit der Eröffnung der Ausstellung um 9:30 Uhr. Leider fiel der erste Referent krankheitsbedingt aus, doch Jens Görsdorf und Tino Schmolke von der Firma Würth sprangen ein und informierten über das vorgesehene Thema „Exoskelette in der Arbeitswelt“. Diese technischen Hilfsmittel unterstützen körperliche Tätigkeiten, reduzieren Belastungen und steigern die Effizienz bei der Arbeit.

Referent Titus Wolkober testete ein Exoskelett vor Ort, bevor er selbst zum Themengebiet „XXL-Format – Besonders attraktiv gestalten mit Megaformatfliesen – Kniffe zur schadensfreien Verlegung“ vortrug. Er gestaltete seinen Vortrag interaktiv, indem er das Publikum über Mentimeter einband und so direktes Feedback zu diversen Aspekten, Erfahrungen und Arbeitsweisen der Anwesenden einholte. Megaformate sind zunehmend auf dem Vormarsch, stellen die Ausführenden aber vor eine Menge Herausforderungen. Wolkober ermutigte die Zuhörer, sich diesen Themen zu widmen, Expertise aufzubauen und sich als Gestalter zu verstehen. Kunden erwarten fachliche Beratung, ob und inwieweit Megaformate sinnvoll einzusetzen sind: „Wir müssen wissen, wovon wir reden.“
Fachvorträge und Praxisbeispiele
Weitere Highlights des ersten Tages waren der Vortrag von Rechtsanwalt Dr. jur. Michael Steenken zum Thema „Abgrenzung von Planungsfehlern, unzureichender Bauüberwachung und Ausführungsmängeln sowie den Problemen bei den Schnittstellen zwischen verschiedenen Gewerken". Dr. Steenken betrachtete die immer wiederkehrende Frage nach der Haftung bei Schäden und einer möglichen Gesamtschuld mehrerer Unternehmen. Die Abgrenzung zwischen Planungsfehlern, unzureichender Bauüberwachung und Ausführungsmängeln ist wichtig, um die Verantwortlichkeiten klar zuzuweisen und Mängel frühzeitig zu erkennen. Eine enge Zusammenarbeit und klare Kommunikation zwischen allen Beteiligten, insbesondere an den Schnittstellen zwischen den Gewerken, sind entscheidend für den Erfolg eines Bauprojekts.

Es folgte der praxisnahe Beitrag von Fliesen-, Platten- und Mosaiklegermeister Benjamin Groß „Bodengleiche Dusche, sicher und einfach umsetzen. Planungshinweise zur Produktauswahl, Ausführung und der Schnittstelle Installateur und Fliesenleger". Anhand vieler Praxisbeispiele, die auch den Einsatz von Bodenabläufen der Firma Dallmer aufzeigten, stellte er dar, wie sich die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Fliesenleger und Installateur technisch optimieren, die Fehleranfälligkeit senken und somit die Kundenzufriedenheit erhöhen ließe.
Netzwerken und Austausch
Die Teilnehmer nutzten die großzügig bemessenen Ausstellungszeiten, um sich über Produktneuheiten zu informieren und zu netzwerken. Den Abschluss des ersten Tages bildete ein geselliges Dinnerbuffet, das rege Gespräche und Austausch ermöglichte.
Praxisnahe Themen und Zukunftsperspektiven
Der zweite Tag startete mit einem Besuch der Ausstellung ab 8:00 Uhr. Titus Wolkober eröffnete nach der Begrüßung von Stefan Bohlken den Vortragsblock mit seinem Thema „Sandwichplatten – Warum Keramik nicht alles ist!“. Es zeigte sich, dass die Anwesenden durchaus offen für andere Produkte sind – das ergab erneut die Menti-Umfrage – letztlich aber „als Freunde der Fliese“ für die Verarbeitung dieses Werkstoffs votierten.
Aktuelle Themen und spontane Vorträge
Da Alperen Aytekin seinen geplanten Vortrag krankheitsbedingt absagen musste, sprangen Claus Zimmermann und Michael Driesner spontan ein und informierten das Publikum über die neue Gefahrstoffverordnung und den Umgang mit Asbest. Da davon auszugehen ist, dass bis 1995 auch in Fliesenklebern Asbest verarbeitet wurde, und seit Herbst 2024 aus Arbeitsschutzgründen die Pflicht zur Feststellung einer etwaigen Belastung beim ausführenden Betrieb besteht, empfehlen Zimmermann und Driesner in jedem Fall die Teilnahme an einer Weiterbildung. Auch das Ausfindigmachen eines Probelabors legte man den Anwesenden ans Herz. Die Asbestose ist die häufigste Berufskrankheit in Bau- und Ausbaugewerbe.

Motivation und Zeitmanagement nach Elpert
Den Abschluss bildete Andreas Elpert mit seinem launigen Vortrag „Wir haben doch keine Zeit! Wie du die Kontrolle über deine Zeit zurückgewinnst". Andreas Elpert, auch bekannt als „Der Elpert“, ist ein Motivationstrainer und Inhaber eines Unternehmens für Lichtplanung und Innenarchitektur. Er regte die Teilnehmer durch seine lebensnahen Geschichten und humorvolle Vortragsweise zum Umdenken an: Die (Lebens-) Zeit effizienter zu nutzen und somit ein erfüllteres Leben zu führen, sei laut Elpert nicht schwer. Es gelte jedoch, sich seiner Zeit erst einmal bewusst zu werden. Dieser Gedankenanstoß kam bei den Anwesenden sehr gut an.
Ziele und Perspektiven des Fliesenforum Nord
Das Fliesenforum Nord verfolgt das Ziel, das Fliesenlegerhandwerk nachhaltig zu stärken. Als Zusammenschluss der Fliesenfachverbände und -fachgruppen aus Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein bietet die Veranstaltung alle zwei Jahre Fachvorträge, Workshops und Raum für kollegialen Austausch. Themen wie Technik, Betriebswirtschaft, Marketing und Recht stehen im Fokus, um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Branche zu fördern.
Die nächste Ausgabe des Fliesenforum Nord ist für den 18. und 19. März 2027 geplant und wird die Branche erneut in Melle zusammenbringen, um gemeinsam die Zukunft des Fliesenlegerhandwerks im Norden zu gestalten.